Unternehmen zwischen Wollen und Nichtkönnen

Digitale Schattenprojekte anstelle professioneller Transformation

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Digitale „Schattenprojekte“ sind oft noch die einzige Möglichkeit zur Realisierung sinnvoller Innovationen.
Digitale „Schattenprojekte“ sind oft noch die einzige Möglichkeit zur Realisierung sinnvoller Innovationen. (Bild: © robsonphoto - stock.adobe.com)

Kaum ein Unternehmen würde heute die Bedeutung der digitalen Transformation infrage stellen. Jedoch können viele die einzelnen Elemente, die dafür notwendig sind, nicht im erforderlichen Maß umsetzen. Eins von vier Unternehmen ist deshalb bereits mit einem digitalen Projekt gescheitert.

Vor allem Probleme mit den vier strategischen Kernelementen der digitalen Transformation Mitarbeiter, Prozesse, Kollaboration und Technologie (People, Actions, Collaboration and Technology/PACT) haben viele Unternehmen Probleme, zeigt die aktuelle Studie „The Digital Transformation PACT“. Deshalb hat auch ein Drittel (33 Prozent) der weltweit insgesamt 1.635 befragten Führungskräfte in den letzten zwei Jahren ein Digitalisierungsprojekt abbrechen müssen – ein Kostenaufwand von durchschnittlich 423.534 Euro. Zudem ist mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Unternehmen mit einem solchen Projekt ganz gescheitert. Dies verursachte sogar Kosten von 555.000 Euro pro Projekt, in Deutschland sogar 1,1 Millionen Euro.

Über die negativen Folgen für den Erfolg und das Image herrscht Einigkeit bei den Befragten: 84 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass ihre Kunden von ihnen einen höheren Digitalisierungsgrad erwarten, während 71 Prozent glauben, sie fielen in dieser Hinsicht hinter den Wettbewerb zurück. Das führt nach den Befürchtungen von zwei Dritteln (66 Prozent) der befragten Führungskräfte mittelfristig dazu, dass sie Kunden verlieren werden.

Die vier strategischen Elemente, die für die digitale Transformation notwendig sind, werden von den Führungskräften in der Wirtschaft nicht gleichermaßen umgesetzt.
Die vier strategischen Elemente, die für die digitale Transformation notwendig sind, werden von den Führungskräften in der Wirtschaft nicht gleichermaßen umgesetzt. (Bild: Fujitsu)

Die Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeiführt. Entsprechend haben 46 Prozent auch bereits digitale Projekte initiiert, 86 Prozent planen solche Projekte in den nächsten 12 Monaten oder darüber hinaus. Dabei wird die digitale Transformation aber nicht nur von Technologie getragen. Fujitsu hat untersucht, wo die einzelnen Unternehmen unter Betrachtung der vier transformationskritischen PACT-Elemente zurzeit stehen: Mitarbeiter, Initiative, Kollaboration und Technologie. Und gerade hinsichtlich dieser PACT-Faktoren zeigen sich deutlich die künftigen Herausforderungen.

Der Pakt muss geschlossen sein

90 Prozent der Unternehmen bestätigen, dass sie bestrebt sind, die Mitarbeiterzahl mit digitaler Expertise zu erhöhen. Denn 70 Prozent sehen dabei klare Defizite bei den digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter. Dieser Mangel ist für 80 Prozent der Unternehmen die größte Hürde in punkto Cybersicherheit. Dabei werden solche Fähigkeiten immer wichtiger: Für 93 Prozent werden sie in den nächsten drei Jahren entscheidend für den Erfolg sein. Weiterhin sind 83 Prozent der Befragten sicher, dass Künstliche Intelligenz die Anforderungen bis 2020 grundlegend verändern wird.

Im Hinblick auf die Herangehensweise und zentralen Prozesse, mit denen die digitale Transformation vorangetrieben wird, wähnt sich die überwiegende Mehrheit (90 Prozent) der Befragten allerdings bereits im Besitz einer entsprechenden Strategie. 83 Prozent gehen davon aus, dass das auch im Rest der Branche der Fall ist. Dennoch konstatieren knapp drei Viertel (74 Prozent), dass einzelne Projekte nicht immer im Einklang mit der entsprechenden Business-Strategie stehen. Für 72 Prozent sind „Schattenprojekte“ die einzige Möglichkeit, wirklich sinnvolle und wertschöpfende Innovationen im Unternehmen zu entwickeln. Auf der anderen Seite halten die hohen Kosten eines möglichen Scheiterns immerhin zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten gleich im Voraus von aufwändigen Transformationsprojekten ab.

Neue Art der Zusammenarbeit

Kollaborationen stehen Führungskräfte sehr aufgeschlossen gegenüber. Bei 63 Prozent stehen dabei geplante oder bereits realisierte Co-Creation-Projekte im Fokus. Co-Creation bedeutet, dass Unternehmen gemeinsam mit Kunden und/oder Partnern zusammen arbeiten und ein gemeinsames Produkt entwickeln. Für die Umfrageteilnehmer sind dabei die bevorzugten Partner vornehmlich Technologie-Experten (64 Prozent) und Bestandskunden (42 Prozent). 79 Prozent würden sogar sensible Daten im Rahmen solcher Co-Creation-Projekte für die Partner freigeben. Dabei sind schnelle Erfolge für die Unternehmen besonders wichtig: Bleiben sie aus, würde das für fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten das Ende der Partnerschaft bedeuten.

Die Hälfte der befragten Führungskräfte wollen innerhalb der nächsten zwölf Monaten neue innovative Systeme implementieren: Dazu zählen Cybersecurity- (52 Prozent) und IoT-Lösungen (51 Prozent), dicht gefolgt von Cloud Computing (47 Prozent) und Künstlicher Intelligenz (46 Prozent). Die Entscheider sind sich des disruptiven Charakters der technologischen Entwicklung durchaus bewusst. Für 86 Prozent wird diese Frage in den kommenden fünf Jahren über Sein oder Nichtsein entscheiden. Dabei bleibt einiges zu tun, denn 71 Prozent sind derzeit noch sehr skeptisch, ob ihr Unternehmen in der Lage sein wird, Künstliche Intelligenz wertschöpfend zu nutzen.

Hintergrund

Die quantitative Studie wurde von Juli bis August 2017 vom unabhängigen Marktforschungsinstitut Censuswide durchgeführt. Dafür wurden weltweit 1.625 Entscheidungsträger in mittelständischen und großen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen befragt. Dazu zählen der öffentlichen Sektor, Finanzdienstleister, sowie Handel und Industrie. Von den Studienteilnehmern stammen 151 aus Deutschland. Alle Befragten haben entweder bereits ein Projekt zur digitalen Transformation umgesetzt oder Interesse geäußert, dies in Zukunft zu tun. Die Studie steht unten als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung.

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