Capgemini-Studie zu den „IT-Trends 2021“ Die IT gewinnt an Wertigkeit

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Trotz der Kontaktbeschränkungen und zahlreichen Herausforderungen im Corona-Jahr konnte die Wirtschaft weiterlaufen. Unternehmen und Behörden haben schnell und gezielt reagiert und Arbeit reorganisiert, Verkaufs- und Service-Prozesse umgestellt und IT-Budgets neu verteilt.

Die Studie IT-Trends von Capgemini ermittelt den aktuellen Stand der IT in Wirtschaft und Behörden sowie die Trends der kommenden Jahre.
Die Studie IT-Trends von Capgemini ermittelt den aktuellen Stand der IT in Wirtschaft und Behörden sowie die Trends der kommenden Jahre.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Digitalisierung wird somit auch 2021 das Gebot der Stunde sein – allerdings weit über Homeoffice und virtuelle Treffen hinaus. Es wird verstärkt um digitale Bestellungen, automatisierten Service, intelligente Fabriken, intensiven Datenaustausch und die Steuerung von Lieferketten gehen müssen, womit auch die Anforderungen an die Sicherheit steigen werden.

Capgemini hat in seinem jährlichen Report zu den IT-Trends wieder Business- und IT-Verantwortliche zu ihren Erfahrungen des vergangenen Jahres befragt und um Auskunft gebeten, welche Antworten sie auf die Herausforderungen im Jahr 2021 finden wollen. An der Studie haben 144 CIOs bzw. IT-Verantwortliche sowie Führungskräfte der Fachbereiche aus deutschen, österreichischen und Schweizer Unternehmen teilgenommen.

Das Geld ist weiter da

Für Studienautor Dr. Sven Roth war besonders überraschend, dass angesichts der Krise mit ihren teils nicht abschätzbaren Auswirkungen, die IT-Budgets kaum oder gar nicht gekürzt wurden. In allen Krisenjahren vorher seien zuerst Einsparungen bei den IT-Ausgaben vorgenommen worden, so Roths bisherige Erfahrungen aus den Studienergebnissen der vergangenen Jahre. Nur knapp 15 Prozent der befragten Unternehmen hätten die IT-Ausgaben gekürzt – also nicht viel weniger als im vorigen Jahr. Rund 27 Prozent haben das IT-Budget eingefroren. Knapp die Hälfte aber ihre Ausgaben sogar erhöht.

Die Kontaktbeschränkungen schieben die Digitalisierung wieder an, weshalb sich die Corona-Pandemie kaum negativ auf die Technologieausgaben auswirkt.
Die Kontaktbeschränkungen schieben die Digitalisierung wieder an, weshalb sich die Corona-Pandemie kaum negativ auf die Technologieausgaben auswirkt.
(Bild: Capgemini)

Damit zeigt sich ein wichtiger Trend: Für 87 Prozent der Unternehmen und Behörden ist die Pandemie Anlass, die Digitalisierung auszubauen. Vor allem aufgrund der Kontaktbeschränkungen rückt die Schnittstelle zum Kunden bzw. zum Bürger in den Fokus, um hier mehr digitale Services anbieten zu können. Auch über die Änderung von Geschäftsmodellen wird stärker nachgedacht, auch wenn diese Gedanken noch „zarte Pflänzchen“ seien, die es noch länger zu hegen gäbe, so die Einschätzung von Studienleiter Thomas Heimann. Höhere Effizienz sowie die Prozessoptimierung stehen ebenfalls auf der Agenda.

Investitionen in die Zukunft

Insgesamt habe die IT in diesem Krisenjahr an Wertigkeit gewonnen. Vor allem Schnelligkeit wird wichtiger, neben Agilität und Flexibilität. Durchschnittlich 47 Prozent aller IT-Ausgaben fließen in den Erhalt von Systemen. Für Modernisierung sowie Entwicklung und Umsetzung von Innovationen geben die CIOs jeweils knapp 30 Prozent ihres Budgets aus.

Digitalisierungsgelder fließen aber auch in die Bereiche Wissenserhalt und Wissensmanagement, in der Hoffnung, Fachkräftemangel und demografischen Wandel einigermaßen auffangen zu können. Knapp 21 Prozent der Mitarbeiter in den IT-Abteilungen werden im Laufe der kommenden zehn Jahre in den Ruhestand gehen. Dass alle Stellen nachbesetzt werden können, erwarten die Unternehmen nicht. Eher, dass der Fachkräftemangel in der IT noch weiter steigen werde.

Interaktive Ergebnisse

Durch den Einsatz der Online-Plattform Tableau Public ist es erstmals möglich, ausgewählte Ergebnisse der Studie „IT-Trends 2021“ nach Branchen individuell und interaktiv zu filtern. Hier geht es zu mehr Interaktion.

Der Nutzen intelligenter IT

In den letzten zwölf Monaten ist die Nutzung intelligenter Technologien leicht gestiegen, hauptsächlich zur Automatisierung manueller Arbeiten. Allerdings lässt die Euphorie etwas nach. CIOs schätzen den Mehrwert der einzelnen Maßnahmen für Anwender und Anwenderinnen inzwischen wieder kritischer ein.

Interessant ist auch, dass sich die Einstellung zu staatlichen oder externen Kontrollen dieses Bereichs geändert hat. Lehnten die Studienteilnehmer im vergangenen Jahr solches noch deutlich ab und bevorzugten Selbstverpflichtungen, ist die Zustimmung zu staatlicher Regulierung der Einsatzbereiche von Künstlicher Intelligenz (KI) jetzt höher. Auch die externe Überprüfung der Maßnahmen, die lernende Systeme vor Manipulation schützen sollen, findet jetzt mehr Akzeptanz. Gleichzeitig verliert die Erarbeitung ethischer Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI im eigenen Unternehmen an Zustimmung.

Cloud und Daten

Aufbau und Betrieb von Datenplattformen werden immer einfacher, die Akzeptanz von Schnittstellen-Standards steigt, somit nimmt auch der Datenaustausch zu, vor allem entlang der eigenen Zulieferkette.
Aufbau und Betrieb von Datenplattformen werden immer einfacher, die Akzeptanz von Schnittstellen-Standards steigt, somit nimmt auch der Datenaustausch zu, vor allem entlang der eigenen Zulieferkette.
(Bild: Capgemini)

Die Themen Datenschutz und Datensouveränität gewinnen an Bedeutung, was sich am schmelzenden Vorsprung außereuropäischer Cloud-Anbieter zeige. Das Interesse an einer Gaia-X-Nutzung steige. Zwar stellen außereuropäische Cloud-Anbieter noch rund 28 Prozent aller IT-Services für die DACH-Region bereit. Knapp 45 Prozent deren Nutzer wollen aber in den nächsten Jahren ihre Kapazitäten in Europa aufstocken. Dabei geht es ihnen in erster Linie darum, europäische Datenschutzstandards einzuhalten und die Datensouveränität zu erhöhen.

Insgesamt nimmt der Datenaustausch zu vor allem entlang der eigenen Zuliefererketten, aber auch für die Zusammenarbeit mit Behörden und Partnern des eigenen Netzwerks. Sogar mit Wettbewerbern und Dritten werden mehr Daten ausgetauscht als noch im Vorjahr, was wohl zeige, dass der gemeinsamen Nutzung von Daten viel Potenzial zugemessen werde. Somit zeigt sich auch eine stärkere Verbreitung von Datenplattformen.

Was 2021 wichtig wird

Die höchste Bedeutung messen die Studienteilnehmer in diesem Jahr Production Safety und Security bei, also der Absicherung von Produktionsanlagen und -prozessen bei, gefolgt von Predictive Analytics, um Vorhersagen auf Basis historischer Daten treffen zu können. Außerdem wichtig sei der Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte. Ebenfalls im Trend sehen die Unternehmen die Themen DevOps sowie Robotic Process Automation (RPA) ohne KI-Unterstützung als Brückentechnologie zur Anbindung von Altsystemen bei.

Die durchschnittliche Bedeutung aller Technologien und Methoden sank bis auf wenige Ausnahmen: AI Ops, Infrastructure-as-Code, Production Safety und Production Security, Infrastructure for Artifical Intelligence sowie Robotic Process Automation.
Die durchschnittliche Bedeutung aller Technologien und Methoden sank bis auf wenige Ausnahmen: AI Ops, Infrastructure-as-Code, Production Safety und Production Security, Infrastructure for Artifical Intelligence sowie Robotic Process Automation.
(Bild: Capgemini)

Die geringste Bedeutung haben dagegen Chatbots und Sprachsteuerung, die eigentlich angesichts der noch anhaltenden Kontaktbeschränkungen großes Potenzial hätten. Ebenso werden virtuelle Assistenten wohl weiter ein Nischendasein fristen, ebenso wie Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen, wo bisher fehlende Standards und geschäftskritische Anwendungsmöglichkeiten den Einsatz für die professionelle Zusammenarbeit verhindern. Zudem flaut das Interesse an Blockchain-Technologien und Mobile Wallets ab. Auch hier sind die Wege zur wertbringenden Lösung noch weit bzw. behindern Vorurteile deren Einsatz.

In diesem Jahr wollen die Unternehmen vor allem ihre Anwendungslandschaften optimieren, die Weiterentwicklung beschleunigen sowie den Datenaustausch vereinfachen. Damit reagieren sie zum einen auf neue Anforderungen der Kunden. Zum anderen wollen sie die Vorteile der zunehmenden Digitalisierung nutzen, indem sie enger mit anderen Organisationen zusammenarbeiten und das Potenzial von Daten ausschöpfen. Damit verknüpft ist auch die Migration auf SAP S/4HANA und der zunehmende Einsatz von IoT in der Industrie. Relativ wenige Projekte wird es demgegenüber zu virtuellen Assistenten oder Natural Language Processing geben.

Rahmenbedingungen der Studie
Die Ergebnisse der „IT-Trends 2021“ basieren auf einer Befragung von 144 Entscheidungsträgern aus Deutschland (102), Österreich (36) und der Schweiz (6), die mehrheitlich einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Euro pro Jahr erzielen. Die Befragung durch Capgemini erfolgte in der Zeit vom 7. September bis zum 18. Oktober 2020.

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