Potenzial wirtschaftlicher Datennutzung zu oft ungenutzt Die große Unbekannte GAIA-X

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Auf dem Weg zu datengetriebenen Geschäftsmodellen beklagt die deutsche Wirtschaft zahlreiche Hemmnisse, wie datenschutzrechtliche Hürden oder fehlende Rechtssicherheit. Zudem genießt die neue europäische Cloud-Plattform GAIA-X einen geringen Bekanntheitsgrad.

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Die Digitalisierung eröffnet neue Wertschöpfungsoptionen, wofür eine wirtschaftliche Nutzung von Daten essenziell ist.
Die Digitalisierung eröffnet neue Wertschöpfungsoptionen, wofür eine wirtschaftliche Nutzung von Daten essenziell ist.
(Bild: gemeinfrei© fancycrave1 / Pixabay )

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI). Für die Studie „Datenwirtschaft in Deutschland – Wo stehen die Unternehmen in der Datennutzung und was sind ihre größten Hemmnisse?“ befragte das IW Köln telefonisch im September und Oktober 2020 im Auftrag des BDI über 500 Unternehmen aus dem Verbund Industrie und unternehmensnahe Dienstleister.

Schon bei der „Data Readiness“ zeigen sich große Unterschiede zwischen den Unternehmen. Mit 28 Prozent weist nicht einmal ein Drittel einen hohen Digitalisierungsstand hinsichtlich des eigenen Datenmanagements auf. Mehr als die Hälfte der als „digital“ eingestuften Unternehmen erkennen dagegen in der zusätzlichen Nutzung externer Daten einen hohen Mehrwert für sich.

Als größtes Hemmnis für eine stärkere wirtschaftliche Datennutzung nennen neun von zehn der befragten Unternehmen (91 Prozent) die Sorge vor unautorisiertem Zugriff Dritter auf ihre Daten. Fast ebenso viele (85 Prozent) bezeichnen „datenschutzrechtliche Grauzonen“ als weitere zentrale Hürde. Die fehlende Rechtssicherheit bei der Anonymisierung von Daten bezeichnen 73 Prozent der Befragten als konkretes Hemmnis. Eine Datenteilungspflicht, deren Einführung die Bundesregierung laut ihrer Datenstrategie prüfen will, lehnt eine große Mehrheit der Unternehmen ab (86 Prozent).

Wissenslücken zu GAIA-X

Nach den Plänen der Bundesregierung soll das europäische Cloud-Projekt Gaia-X die Verbreitung von Cloud-Lösungen und Datenanwendungen in Deutschland und der EU maßgeblich vorantreiben. Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass Gaia-X vor allem bei kleineren Unternehmen bis dato wenig bekannt ist. So gaben nur vier Prozent der Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten an, das Vorhaben zu kennen. Bei größeren Unternehmen liegt der Bekanntheitsgrad bei 54 Prozent.

Die Dienstleister und digitale Unternehmen können mit GAIA-X mehr anfangen (10.7 bzw. 9,8 Prozent kennen die Plattform), als die restlichen Gruppen (nur 4 Prozent). Besonders in der Logistik ist der Bekanntheitsgrad auffällige gering. Lediglich 6 Unternehmen (anzahlgewichtet 0,5 Prozent) gaben an, die Plattform zu kennen. Dabei spielt die Digitalisierung auch in der Logistik eine wachsende Rolle.

Wenn die Unternehmen geantwortet haben, GAIA-X zu kennen, wurden sie im Anschluss gebeten anzugeben, ob eine solche Plattform ihre Bereitschaft zum Datenteilen beeinflussen würde. Die erfreuliche Nachricht ist an dieser Stelle, dass – wenn man berücksichtigt, dass GAIA-X nur wenigen Unternehmen überhaupt bekannt ist – eine solche Plattform die Bereitschaft zum Datenteilen durchaus positiv beeinflusst.

Die größten Vorteile einer Plattform wie GAIA-X sehen viele Unternehmen im Zugewinn an Sicherheit und in deren neutralen Stellung.
Die größten Vorteile einer Plattform wie GAIA-X sehen viele Unternehmen im Zugewinn an Sicherheit und in deren neutralen Stellung.
(Bild: BDI)

Schließlich wurden die Unternehmen gefragt, welche konkreten Vorteile GAIA-X dem Unternehmen bieten könnte. Das größte Potenzial sehen die Unternehmen im Zugewinn von Sicherheit und in der neutralen Stellung einer solchen Plattform. Auch bei den infrastrukturellen Aspekten sowie in geringerem Maße beim Umfang und der Vielfalt verfügbarer Daten können sich die Unternehmen Vorteile vorstellen. Kaum relevant ist dagegen die potenzielle Homogenität der Teilnehmer auf einer solchen europäischen Plattform. Die digitalen Unternehmen sehen mehr Vorteile: Im Durchschnitt stimmen sie jeder genannten Aussage in gut 70 Prozent der Fälle zu, unter den weniger digitalen Unternehmen teilen diese Ansicht dagegen gut 64 Prozent.

Maßnahmen zur Stärkung der Datenwirtschaft

Aus den Ergebnissen der repräsentativen Befragung lassen sich folgende Maßnahmen zur Stärkung der Datenwirtschaft ableiten:

  • Politik und Datenschutzbehörden müssen bestehende datenschutzrechtliche Hemmnisse abbauen, etwa durch rechtssichere Prozesse zur Anonymisierung und Pseudonymisierung personenbezogener Daten.
  • Datenteilungspflichten müssen vermieden werden; sie nehmen Unternehmen den Anreiz zur digitalen Transformation.
  • Marktreife Anwendungen für Gaia-X sind zügig verfügbar zu machen, damit sich digitale Geschäftsmodelle auf Basis eines sicheren Datenaustauschs zwischen Unternehmen entwickeln.
  • Politik, digital affine Unternehmen und Verbände müssen die Vorteile datengetriebener Geschäftsmodelle gemeinsam deutlicher herausstellen, um Datennutzung und die Bereitschaft zum Datenaustausch insbesondere im Mittelstand zu erhöhen.

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