AWS stellt auf der re:Invent 2025 in Las Vegas eine breite Palette an Produktneuheiten vor. Unternehmen und Entwicklern soll so der Einstieg in verlässliche und sichere agentische Systeme erleichtert werden.
Über 60.000 Teilnehmer aus der AWS-Community trafen sich Anfang Dezember 2025 auf der re:Invent in Las Vegas.
(Bild: Noah Berger)
Mit einer Vielzahl an Produktvorstellungen hat Amazon Web Services zum Auftakt der re:Invent ein klares Signal gesetzt: Die Cloud wird agentisch. Autonome KI-Systeme, multimodale Modelle und tiefgreifende Infrastruktur-Upgrades ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Keynotes.
„Ich glaube, dass das Aufkommen von KI-Agenten uns an einen Wendepunkt gebracht hat – KI wandelt sich von einem technischen Wunderwerk zu etwas, das uns echten Mehrwert liefert“, sagt AWS-CEO Matt Garman. Sein Kollege Swami Sivasubramanian, VP for Agentic AI, vergleicht KI-Agenten passend mit Teenagern: Noch sei nicht klar, wie viel Freiheit sie brauchen und wie stark Unternehmen ihre Aktivitäten trotz ihrer großen Talente regulieren müssen. Unternehmen erwarten autonome Systeme, die Entscheidungen treffen und Prozesse steuern, aber ebenso Kontrolle, Compliance und Sicherheit.
Nova-Familie erweitert
Zum Auftakt präsentiert AWS die vier neuen Modelle der Nova-2-Familie, die als technische Basis der nächsten Agentengeneration dienen. Nova 2 Lite, Pro, Sonic und Omni decken ein breites Spektrum ab – von kosteneffizientem Reasoning für Alltagsanwendungen bis hin zu komplexer multimodaler Verarbeitung über Stunden an Video, Audio und langen Textkorpora hinweg.
Besonders Nova 2 Sonic, das Sprache-zu-Sprache-Modell, soll Echtzeitdialoge in sieben Sprachen ermöglichen (Amerikanisches Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Hindi und Portugiesisch), während Nova 2 Omni als einheitliches Modell für Text, Bild, Video und Sprache konzipiert ist und teilweise mehrere hunderttausend Wörter Kontext verarbeiten kann.
Mit Nova Forge führt AWS zudem einen Trainingsservice ein, der Unternehmen erstmals Zugriff auf sämtliche Entwicklungsstufen der Nova-Modelle bietet. Das offene Trainingsprinzip erlaubt es, proprietäre Unternehmensdaten direkt mit kuratierten Nova-Datensätzen zu kombinieren – egal, ob die Anpassung früh im Vortraining oder erst in späten Phasen stattfindet. Dadurch sollen Organisationen erstmals Modelle entwickeln können, die über die frontier-ähnlichen Reasoning-Fähigkeiten von Nova verfügen, gleichzeitig aber unternehmenspezifisches Wissen tief integriert haben.
Parallel dazu stellt AWS mit Nova Act einen Dienst bereit, der agentische Systeme für UI-basierte Workflows erzeugt. Die Agenten werden durch Reinforcement Learning in simulierten Webumgebungen trainiert, wodurch sie widerstandsfähiger gegen Interface-Änderungen und Fehlbedienungen sein sollen. AWS betont, dass solche Agenten Aufgaben wie CRM-Aktualisierungen, Website-Tests oder administrative Vorgänge künftig zuverlässig automatisiert übernehmen können.
Neue Funktionen für Bedrock AgentCore
Damit diese neue Generation von Agenten produktiv betrieben werden kann, erweitert der Cloud-Anbieter auch seine Plattform Bedrock AgentCore. Neben Funktionen für Richtlinien und Evaluierungen kommt AgentCore Memory hinzu, das Agenten ermöglicht, aus vergangenen Interaktionen zu lernen und diesen Kontext strukturiert abzurufen. Regeln können in natürlicher Sprache definiert und in Echtzeit überprüft werden, während Evaluierungen kontinuierlich Leistungsdaten analysieren und bei Qualitätsverlusten automatisch warnen.
Deutlich wurde in Las Vegas allerdings auch, dass agentische KI weit über einzelne Modelle hinausgeht. In den Keynotes rückte das Bild eines vollständig agentenfähigen Cloud-Stacks in den Mittelpunkt. Dazu gehören nicht nur Entwicklerwerkzeuge und Modellfamilien, sondern auch eine neue Infrastruktur, die für KI-Workloads optimiert ist.
Mit den Trainium3-UltraServern liefert AWS beschleunigtes Training für Modelle jeder Größe und mit den neuen EC2-Instanzen auf Basis der Nvidia-GB300-Architektur adressiert der Hyperscaler Unternehmen, die große Modelle und massive Reasoning-Workloads produktiv betreiben wollen. Gleichzeitig skaliert Amazon S3 Vectors nun auf bis zu zwei Milliarden Vektoren pro Index und erleichtert die Einbettungsspeicherung direkt in S3 – ein entscheidender Baustein für agentische Systeme, die ständig Kontext abrufen müssen.
Frontier Agents
Auch der agentische Ansatz in der Softwareentwicklung selbst wurde weiter ausgebaut. Mit den Frontier Agents – darunter der Kiro autonomous agent, der AWS Security Agent und der neue DevOps Agent – bringt AWS Agenten auf den Markt, die nicht mehr als Assistenzsysteme agieren, sondern eigenständig Software entwickeln, Sicherheitsstandards prüfen, Penetrationstests durchführen oder operative Vorfälle analysieren und beheben. Die Frontier Agents sollen stunden- und tagelang kontinuierlich arbeiten, mehrere Aufgaben parallel managen und sich in Werkzeuge wie Jira, GitHub oder Slack einklinken können.
Stand: 08.12.2025
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Die Entwicklerseite adressiert AWS zusätzlich mit den neuen Kiro Powers, die Kiro-Agenten mit spezialisiertem Wissen über Toolchains und Workflows ausstatten, sowie einer TypeScript-Version des Strands Agents SDK, das bisher nur in Python verfügbar war. Strands, das modellgetriebene Framework für KI-Agenten, erhält nun außerdem Edge-Unterstützung. Ein Hinweis darauf, dass AWS agentische KI zunehmend auch jenseits klassischer Cloud-Umgebungen sieht, etwa im Automotive- oder Robotikbereich.
Klein aber fein
Auch die Weiterentwicklung der Modellanpassung spielt in diesem Jahr eine zentrale Rolle. AWS ermöglicht mit serverlosen Anpassungsprozessen in SageMaker AI und Reinforcement Fine Tuning in Bedrock erstmals Modelloptimierung ohne ML-Spezialwissen. Entwicklern reicht die Angabe eines Modells, einer Belohnungsfunktion und ihrer Daten; den Rest übernimmt ein automatisierter Workflow, der teils kleinere, effizientere Modelle erzeugt, die dennoch höhere Genauigkeiten erreichen sollen.
Die re:Invent 2025 zeichnet damit ein konsistentes Bild: AWS versucht, eine Umgebung zu bauen, in der Agenten nicht nur ein Feature sind, sondern zu einem grundlegenden Architekturprinzip werden – gestützt durch eine Cloud, die immer stärker auf Autonomie, Kontextverständnis und hochspezialisierte Workflows ausgelegt ist.