Die Telekommunikationsbranche steht unter Druck, denn neue Wettbewerber kämpfen um Marktanteile. Ein effizientes Betriebsmodell ist daher unerlässlich. Lange galt die Public Cloud als erste Wahl, doch die Lösung liegt woanders.
Obwohl Konnektivität nach wie vor das Kerngeschäft der Branche ist und in der digitalen Wirtschaft relevanter denn je, geraten traditionelle Anbieter zunehmend unter Druck.
Eigentlich müsste sich die Telekommunikation die Hände reiben: Die digitale Wirtschaft boomt und mit ihr die Bereitstellung von Konnektivität. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Der Markt ist weitgehend gesättigt, und stagnierende Umsätze sowie steigende Investitionen in Netzinfrastruktur und Technologien setzen die Profitabilität vieler Telekommunikationsunternehmen zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wird von ihnen erwartet, einen Beitrag zu gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Zielen zu leisten – sei es durch die Erschließung ländlicher Räume oder den Ausbau umweltfreundlicher Infrastrukturen.
Auf der anderen Seite gewinnen neue Wettbewerber wertvolle Marktanteile: Mit ihren speziell für moderne Anwendungen entwickelten Services – von autonomen Fahrzeugen über Live-Streaming bis hin zu IoT („Industry of Things“) – ziehen sie Kunden an, die Mehrwerte jenseits der klassischen Telekommunikation suchen. Diese sogenannten Over-the-Top-Player (OTT) wie Google, Amazon oder WhatsApp sind dank ihrer Marktdurchdringung und globalen Präsenz in der Regel nicht nur schneller, sondern nutzen aufgrund der zunehmenden IP-Konvergenz die Infrastruktur der Telcos im Prinzip kostenlos.
Die Anwendung bestimmt das Betriebsmodell
Angesichts dieser Herausforderungen wird deutlich, dass Telekommunikationsanbieter ihre Geschäftsmodelle überdenken und ihre Rolle in der digitalen Wirtschaft neu definieren müssen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Mindestens genauso wichtig ist aber auch die richtige IT und damit die Frage, wo zentrale Anwendungen am besten aufgehoben sind.
Hier spielen Aspekte wie Performance, Funktionsumfang, Datenschutz und Kosten eine Rolle. Ein gutes Beispiel ist das sogenannte Operations Support System (OSS): Diese Suite unterschiedlichster Komponenten ist für das Management der komplexen Netzinfrastruktur zuständig, von der Abrechnung über das Monitoring bis hin zur Bereitstellung neuer Dienste. Es orchestriert sozusagen alle Netzwerkressourcen in Echtzeit, um Verfügbarkeit und Performance sicherzustellen. Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein KI-basiertes System sammelt und analysiert nicht nur Fehler- und Alarmmeldungen aus den unterschiedlichsten Netzkomponenten, sondern kann mit Hilfe prädiktiver Modelle mögliche Störungen und Engpässe frühzeitig erkennen und präventiv beheben, bevor sie den Service überhaupt beeinträchtigen.
Außerdem optimiert die Technologie kontinuierlich die Leistungsfähigkeit des Netzes, indem sie Konfigurationen dynamisch an sich ändernde Bedingungen anpasst, ohne dass ein menschliches Eingreifen erforderlich ist. Darüber hinaus ermöglicht KI den Telekommunikationsunternehmen, die Bedürfnisse ihrer Kunden noch detaillierter zu analysieren und auf dieser Basis vollständig personalisierte Dienstleistungen anzubieten.
Warum Cloud-Services nicht immer die kostengünstigste Lösung sind
KI ist jedoch auf die Flexibilität und Agilität der Cloud angewiesen. Galten lange Zeit die Hyperscaler als erste Adresse, so ist dieser Trend längst gebrochen. Denn ihre Angebote sind alles andere als ein Rundum-Sorglos-Paket. Gerade die versprochenen oder zumindest erhofften Kostenvorteile haben sich in vielen Fällen nicht eingestellt. Bei schlechter Planung kann der Schritt in die Wolke sogar deutlich teurer werden als gedacht – nämlich dann, wenn die Services nicht passend konzipiert, geplant und umgesetzt werden. Wer angesichts der fast unüberschaubaren Anzahl an unterschiedlichen Cloud-Diensten, Bezahloptionen, Rabattierungsmöglichkeiten und Vertragslaufzeiten sowie verschiedensten Service Level Agreements und Supportleistungen die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick verliert und das falsche Abrechnungsmodell wählt, zahlt schnell drauf.
Viele Unternehmen dimensionieren zudem ihre Cloud-Ressourcen lieber zu groß als zu klein. In der Folge kann es sogar passieren, dass man mehr ausgibt, als der Betrieb eines eigenen Rechenzentrums gekostet hätte. Hinzu kommt: Workloads, die eine hohe Leistung und geringe Latenzzeiten erfordern, sind in einer lokalen Infrastruktur normalerweise besser aufgehoben. In der Folge haben viele Telcos ihre Anwendungen zurück ins eigene Rechenzentrum geholt. Ein reiner On-premises-Ansatz ist allerdings nicht automatisch die bessere Alternative – es sei denn, man entscheidet sich für ein Modell, das die Vorteile beider Welten unter einem Dach vereint.
Stand: 08.12.2025
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Das Beste aus beiden Welten vereinen
Wenn die Unternehmen ihre Infrastruktur End-to-End verwalten wollen, um eine wirklich agile und effiziente IT zu realisieren, kommen sie nicht umhin, die Cloud-Prinzipien über die gesamte Umgebung hinweg anzuwenden. Nur so ist eine einheitliche Sichtbarkeit und Kontrolle aller Systeme, Anwendungen und Services möglich und nur so lässt sich der IT-Betrieb rationalisieren und der Innovationszyklus beschleunigen.
Telcos, die keine Private Cloud im eigenen Rechenzentrum betreiben wollen, müssen nicht einmal in den Aufbau einer Infrastruktur investieren. Ihnen stehen andere Optionen offen: Sie können ihre Systeme beispielsweise in ein externes Rechenzentrum auslagern, wobei die Administration in ihrer Verantwortung bleibt. Wirklich entlastet wird die IT-Abteilung aber erst durch As-a-Service-Modelle. Dabei übernimmt ein externer Partner den Betrieb und das Management der IT-Komponenten für die Private Cloud und hält die Infrastruktur dafür entweder im Rechenzentrum des Kunden oder an einem Colocation-Standort bereit.
Der Telekommunikationsanbieter behält jederzeit die volle Kontrolle über Daten und Prozesse. Moderne Lösungen überzeugen zudem mit einer zentralen Managementkonsole, die das Bereitstellen und Aktivieren der benötigten Infrastruktur- und Cloud-Services inklusive der direkten Anbindung an die gängigsten Hyperscaler so einfach macht wie das Bestellen in einem Online-Shop. Diese Konsole ist fortan die einzige Schnittstelle, die das gesamte IT-Inventar verwaltet, über die alle Abrechnungen laufen und über die alle weiteren Ressourcen im Blick behalten werden können. Hohe Vorab-Investitionen entfallen, denn bezahlt wird per Flatrate oder Pay-per-Use nur das, was tatsächlich genutzt wird.
Klar ist: Die Cloud ist für Telekommunikationsanbieter weit mehr als eine IT-Infrastruktur – sie ist ein strategischer Hebel, um sich im digitalen Zeitalter neu zu positionieren. Dabei ist die Cloud kein Ort, sondern ein Betriebsmodell mit all seinen Vorteilen bezüglich Flexibilität und Agilität. Und die lassen sich überall realisieren.
* Der Autor Chris Kramar ist Managing Director bei OEM Solutions DACH bei Dell Technologies.