Suchen

Native-, Web-, und Hybrid-Apps Die Anatomie des App-Hypes

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Elke Witmer-Goßner

Sebastian Baltes, Web- und App-Entwickler bei Objectcode, verrät im Interview mit unserer Schwesterpublikation IT-BUSINESS, welcher Form von Apps aus seiner Sicht die Zukunft gehört, welche Skills App-Entwickler mitbringen müssen und warum „das Web gewinnt“ und dabei Plattformen nebensächlich werden.

Firmen zum Thema

Apps haben die Welt des Computing nachhaltig verändert.
Apps haben die Welt des Computing nachhaltig verändert.
( © Scanrail - Fotolia)

ITB: Von „Software“ oder „Programmen“ ist tendenziell immer seltener die Rede, stattdessen rücken „Apps“, was so etwas wie der Rufname für „Applikationen“ ist, in den Vordergrund. Bei den Apps wird gerne unterschieden, zwischen „Native-Apps“, „Web-Apps“ und „Hybride Apps“. Was ist damit gemeint; fangen wir bei den Native Apps an?

Sebastian Baltes: Native Apps sind die klassische Form der Apps. Sie müssen für jede mobile Plattform wie iOS, Android oder Windows Phone von Grund auf neu entwickelt werden. Native Apps sind daher perfekt auf die jeweilige Plattform zugeschnitten.

Und was verstehen Sie unter „Web-Apps“?

Baltes: Web-Apps sind streng genommen keine Apps, sondern normale Webseiten, die für mobile Geräte optimiert sind. Man kann diese also nicht über den App-Store installieren. Stattdessen werden Web-Apps wie jede Webseite, über einen Webserver ausgeliefert und basieren auf Webtechnologien. Web-Apps haben viele Einschränkungen, vor allem im Bereich der technischen Schnittstellen wie beispielsweise der Abfrage der Sensoren. Mit der zunehmenden Unterstützung und Reifung von HTML5 bessert sich die Lage allerdings.

Wie würden Sie den Begriff „Hybride Apps“ von den anderen App-Arten abgrenzen?

Baltes: Hybride Apps sind eine Mischung aus Nativen und Web-Apps. Sie werden nur einmal für alle Plattformen programmiert. Im Kern handelt es sich um eine mobile Webseite, die in einer nativen Hülle verpackt wird. Diese Hülle ist als Open-Source-Komponente vorgefertigt, und man programmiert nur die Webseite. Hybride Apps werden ganz normal über den App-Store installiert und laufen auch ohne Webserver. Im Gegensatz zu den Web-Apps hat man auch vollen Zugriff auf alle Schnittstellen des Systems.

Laut Gartner gehört hybriden Apps die Zukunft. Wie sehen Sie das?

Baltes: Das sehe ich genauso. Der größte Vorteil der hybriden App gegenüber der nativen App sind die Kosten – die hybride App muss man nur einmal entwickeln, sie läuft dann auf allen Geräten. Gartner prognostiziert einen zunehmend heterogenen Markt mit vielen Plattformen, was man an der bisherigen Entwicklung gut sieht – gab es anfangs nur das iPhone, so kamen bald Android und jüngst Windows Phone hinzu. Und je mehr Plattformen es am Markt gibt, desto größer wird der Kostenvorteil. Allerdings haben hybride Apps auch Nachteile. Der hauptsächliche Kritikpunkt ist die Oberfläche. Hybride Apps sehen auf allen Plattformen gleich aus, sind also nicht optimal an die Plattform angepasst. Sie laufen oft nicht so flüssig. Es ist auch nicht alles möglich, was man mit nativen Oberflächen umsetzen kann. Gerade für aufwändige Oberflächen wie Spiele sind hybride Apps eher ungeeignet. Eine Möglichkeit sind teil-hybride Apps, dabei wird die Oberfläche nativ implementiert. Allerdings verliert man dabei wieder einen Teil des Kostenvorteils, so dass sich das nur lohnt, wenn die App viel im Hintergrund erledigt. Der hybride Ansatz spielt zurzeit seine Stärke vor allem bei Apps aus, die eher der Informationsanzeige und -verarbeitung dienen, und bei Apps, die unternehmensintern eingesetzt werden. Die Zeit spielt aber für den hybriden Ansatz, weil in Zukunft die Webstandards reifen und besser unterstützt werden.

Es werden derzeit viele Freelancer zur App-Programmierung gesucht. Welche Skills und welche Programmiersprachen sind denn besonders gefragt?

Sebastian Baltes ist Web- sowie App-Entwickler bei Objectcode.
Sebastian Baltes ist Web- sowie App-Entwickler bei Objectcode.
(Bild: Objectcode)

Baltes: Für hybride Apps benötigt man vor allem Webtechnologien, also HTML5, CSS und Javascript sowie Kenntnisse des Phonegap-Frameworks. Wer moderne Webseiten programmieren kann, kann prinzipiell auch hybride Apps bauen. Jedoch sind bei nativen Apps ganz unterschiedliche Skills gefragt, je nach System. Für iOS braucht man einen Mac, die Entwicklungsumgebung XCode und muss die Sprache ObjectiveC und die iOS-API beherrschen. Hingegen muss man bei Android, Java und die Android-API kennen. Und bei dem Windows Phone braucht man einen Windows 8 Rechner, die Entwicklungsumgebung Visual Studio und muss Know-how in C# und der Windows Phone-API mitbringen.

Bei Windows 8 scheiden sich die Geister. Aber ein Aspekt könnte hier von Bedeutung sein: Statt Apps lassen sich auch HTML5-Kacheln einbinden. Könnte die Einbindung von HTML5 in Oberflächen den App-Hype einbremsen?

Baltes: Langfristig wird das Web gewinnen und die konkrete Plattform wird nebensächlich. Webtechnologien werden sogar bereits von Desktop-Systemen benutzt, so beispielsweise bei einigen Linux-Desktops. Aber noch sind Web-Apps in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, so dass Apps, die aus dem App-Store installiert werden – egal ob hybride oder native – noch für einige Jahre der Standard bleiben werden.

(ID:42348480)