EY-Studie sieht inländische Wirtschaft auf der Verliererstraße

Deutsche Unternehmen stecken im Digitalisierungsdilemma

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Viele Unternehmen haben den Ernst der Sache noch nicht erkannt, obwohl Digitalisierung zunehmend integraler Bestandteil einer Unternehmensstrategie sein muss, um den Anschluss im internationalen Wettbewerb nicht zu verlieren.
Viele Unternehmen haben den Ernst der Sache noch nicht erkannt, obwohl Digitalisierung zunehmend integraler Bestandteil einer Unternehmensstrategie sein muss, um den Anschluss im internationalen Wettbewerb nicht zu verlieren. (Bild: Gina Sanders, Fotolia)

Viele Unternehmen in Deutschland würden noch weit mehr in die Digitalisierung investieren, hätten sie nur genug Geld und Personal. Einer aktuellen Studie von Ernst & Young zufolge läuft man hierzulande Gefahr, den Anschluss im internationalen Vergleich zu verlieren.

Gerade deutsche Unternehmen werden mehr als andere von der digitalen Revolution verändert werden. Weltweit und auch hierzulande musste bereits mehr als jedes zweite Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren deutliche Änderungen am eigenen Geschäftsmodell vornehmen. Grund sind in erster Linie neue Technologien, die das Kundenverhalten ändern und neue Wettbewerber auf den Plan treten lassen. Bislang waren besonders die Telekommunikations- und Medienbranche sowie Automobilunternehmen betroffen. Aber die digitale Revolution erfasst immer mehr Branchen und zwingt in Zukunft immer mehr Unternehmen, sich zunehmend neu zu erfinden – vor allem deutsche Betriebe: Immerhin fast jeder zweite richtet sich bereits darauf ein, dass neue Technologien künftig das eigene Geschäftsmodell infrage stellen werden – mehr als in allen anderen untersuchten Ländern. Weltweit liegt der Durchschnitt bei 39 Prozent.

Eigentlich ist man willig und die deutsche Wirtschaft in Sachen Digitalisierung grundsätzlich auf Kurs. Blickt man aber aufs Eingemachte, sprich die tatsächlich geplanten Investitionen, liegen deutsche Firmen im weltweiten Vergleich hinten: So geben die befragten Unternehmen im weltweiten Durchschnitt an, 1,0 Prozent ihres Jahresumsatzes in Digitalisierung investieren zu wollen, was im Durchschnitt einem absoluten Wert von 29 Millionen Euro je befragtes Unternehmen entspricht. In Deutschland soll deutlich weniger investiert werden: 0,8 Prozent des Umsatzes bzw. 22 Millionen Euro. Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Unternehmenslandschaft (nur Unternehmen mit mindestens zehn Millionen Euro Jahresumsatz) ist damit also in diesem Jahr mit Digitalisierungsinvestitionen von 41 Milliarden Euro zu rechnen.

Wirtschaftsstandort in Gefahr

Wir hätten viel lieber noch mehr investiert, gab jedes zweite Unternehmen für die Studie „Digitalisierung: Wer investiert und profitiert – wer verliert?“ des Beraterunternehmens Ernst & Young (EY) an. Insgesamt wurden 1.025 Unternehmen in zwölf Ländern befragt, davon 135 in Deutschland. Doch woran hapert es? Am Geld. Aber auch am fehlenden Know-how. Das sind die Hauptgründe, warum die Investitionen in Deutschland deutlich hinter denen im internationalen Vergleich hinterherhinken. Markus Heinen, Partner bei EY und Leiter der Strategieberatung für EMEIA (Europa, Mittlerer Osten, Indien und Afrika), sieht darin eine große Gefahr auf den Wirtschaftsstandort zukommen: „Deutschland ist ein Hochtechnologie- und Industriestandort. Hier bekommen die Unternehmen die Folgen der digitalen Revolution ganz unmittelbar zu spüren. Gleichzeitig entstehen in den kommenden Jahren neue Geschäftsmodelle und Wachstumschancen. Verlieren werden die Unternehmen, die zu lange an ihrem über Jahre oder Jahrzehnte bewährten Geschäftsmodell festhalten und nicht in alternativen oder diversifizierten Geschäftsmodellen denken.“

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