Thomas Saueressig im Interview Das kann der neue SAP-Bereich für SAP S/4HANA

Von Dr. Dietmar Müller 5 min Lesedauer

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Zum 1. April startete die SAP einen neuen Bereich, der Anwender bei ihrer Cloud-Transformation unterstützen soll. Im Gespräch mit CloudComputing-Insider erläutert Thomas Saueressig, Member of the Executive Board of SAP SE, Customer Services & Delivery, was insbesondere Bestandskunden erhoffen dürfen und wie sie in der neuen Cloud-Welt heimisch werden können.

Das Member of the Executive Board of SAP SE, Thomas Saueressig, war bis Ende März verantwortlich für das SAP Product Engineering, seitdem für den neuen Bereich Customer Services & Delivery.(Bild:  SAP)
Das Member of the Executive Board of SAP SE, Thomas Saueressig, war bis Ende März verantwortlich für das SAP Product Engineering, seitdem für den neuen Bereich Customer Services & Delivery.
(Bild: SAP)

Die Cloud treibt die SAP nun schon seit etlichen Jahren um. Nach ersten Gehversuchen mit „Business by Design“ und weiteren Angeboten eröffneten die Walldorfer zum 1. April einen neuen Vorstandsbereich mit Namen „Customer Services & Delivery“. Er ist für die Einführung und den Ausbau von Cloud-Lösungen zuständig und wird von Thomas Saueressig, Member of the Executive Board of SAP SE, geleitet.

„Wir haben die letzten drei Jahre nicht nur erfolgreich die Transformation der SAP gemeistert, sondern auch unsere Kunden mit Programmen wie ‚Rise with SAP‘ dabei unterstützt, ihre Cloud-Transformation voranzutreiben“, so Saueressig gegenüber CloudComputing Insider. Es seien viele Investitionen in die Modularisierung und Integration der eigenen Lösungen geflossen, auch habe man die Infrastruktur vereinfachen und vereinheitlichen müssen. Der Mann weiß, wovon er redet, hat er doch seit 2019 die Produktentwicklung der SAP verantwortet.

Für ihn steht fest: Die SAP ist heute ein Cloud-Unternehmen und die Cloud ist keine Zukunftsmusik, sondern Realität. „Diese technologische Realität für eine erfolgreiche Transformation zu nutzen, Geschäftsprozesse neu zu denken und zu gestalten, Ballast abzuwerfen und damit flexibler und wettbewerbsfähiger zu werden, ist jedoch ein komplexes Unterfangen. Daher liegt unser Fokus nicht auf einem Lift & Shift in die Cloud, sondern darauf, unsere Kunden ganzheitlich und aktiv in ihrer Transformation zu begleiten mit der besten Cloud-Infrastruktur, über den Betrieb, bis hin zu Tools, Dienstleistungen und Unterstützung, um die erfolgreiche Einführung von Innovationen zu erleichtern“, so der Vorstand weiter.

Die Kompetenzen hierfür lägen jetzt im neuen Vorstandsbereich gebündelt vor. Er umfasse Services, inklusive Professional Services, Premium-Engagements und Kundeninnovationen sowie Kundensupport. Hinzu kämen die Cloud-Infrastruktur, der Cloud-Betrieb, das Cloud-Lifecycle-Management und die Private-Cloud-Bereitstellung für SAP-Kunden weltweit.

SAP S/4HANA steht im Fokus

„Selbstverständlich“ stünde dabei SAP S/4HANA als Kernprodukt im Mittelpunkt aller Aktivitäten, „aber nicht ausschließlich“, SAP verfüge schließlich über ein integriertes Lösungsportfolio in den Bereichen Lieferkettenmanagement, Ausgabenmanagement, Geschäftsnetzwerk, Personalmanagement und Customer Relationship Management (CRM). Und auch wenn die Mainstream-Wartung für ältere SAP-Systeme Ende 2027 auslaufe, würde optional und gegen Aufpreis bis 2030 weiter Support angeboten. „Zudem steht unser Wartungsversprechen für SAP S/4HANA bis 2040“, so Saueressig.

Insgesamt liege der strategische Fokus aber klar auf Innovationen in der Cloud. Dafür habe die SAP stets die aktuellen Entwicklungen im Blick. Die Unterbrechungen der Lieferketten in den letzten Jahren etwa hätten dazu geführt, dass Supply-Chain-Lösungen massiv an Bedeutung gewonnen haben. Hier will Saueressig ein gewichtiges Wörtchen mitreden: „Moderne, künstlich intelligente (KI)-unterstützte Systeme können helfen, die Transparenz und damit Flexibilität zu schaffen, um schnell auf Änderungen oder Anforderungen zu reagieren. Das betrifft nicht nur die eigene Wertschöpfungskette im Unternehmen, sondern geht auch darüber hinaus – wir nennen das SAP Business Netzwerk.“

Domainspezifische Netzwerke wie Manufacturing-X für das produzierende Gewerbe oder branchenspezifische Netzwerke wie Catena-X für die Automobilindustrie seien dafür gute Beispiele. Die mit ihnen gewonnene Transparenz helfe beim Erreichen von Nachhaltigkeitszielen im eigenen Unternehmen und der gesamten Lieferkette.

Private Cloud bleibt wichtig

Von großer Bedeutung bleiben aber auch die Angebote rund um die Private Cloud, so der Vorstand. Die SAP Enterprise Cloud Services enthielten Bereitstellungsoptionen, mit denen Kunden ein modernes ERP-System auf ihrer bevorzugten Infrastruktur betreiben könnten. „Aber wir verstehen uns nicht als Cloud-Provider, der auch Private-Cloud-Angebote im Portfolio hat, sondern vor allem natürlich als Anbieter unserer Public-Cloud-Lösungen, die eine gesamtheitliche Unternehmenstransformation ermöglichen. Mit ‚Rise with SAP‘ sind wir da sehr dran.“

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Der Weg in die Private Cloud stelle für Anwender oft nur einen erster Schritt dar, um Systemlandschaften auf Software-as-a-Service-Lösungen in der Public Cloud umzustellen. Das sei für langjährige Kunden mit gewachsenen, komplexen Systemlandschaften eine strategische Entscheidung und eine große Herausforderung gleichermaßen. „Die Unternehmens- und Cloud-Transformation ist mit Aufwand verbunden, verspricht aber auch Planungs- und Zukunftssicherheit durch Aspekte wie Verfügbarkeit, Verlässlichkeit, aber auch Standardisierung, Erweiterbarkeit, Sicherheit sowie – das ist ganz entscheidend – kontinuierliche Innovationen. Daher sehen wir deutlich, dass unsere Kunden den Mehrwert von Software-as-a-Service-Lösungen nutzen wollen und die Cloud für sie ein ebenso strategischer Hebel ist wie für uns bei SAP.“

Kunden erhalten viel Unterstützung

Überhaupt: Die Bestandskunden. „Uns begegnet oft Unsicherheit darüber, wann und wie Kunden ihre Transformation in die Cloud beginnen und umsetzen können, ohne dass sie Einschnitte ins operative Geschäft fürchten müssen. Gerade geschäftskritische Anwendungen wie ERP sind heute hochvernetzt, optimiert und in zahlreiche interne Governance-Prozesse eingebunden. Oft haben die Kunden jedoch über die Jahre gewachsene, komplexe Systemlandschaften mit unzähligen Eigenentwicklungen oder Anpassungen. Diese sind jedoch häufig im wahrsten Sinne des Wortes in die Jahre geraten und erfordern eine Modernisierung der IT-Prozesse“, berichtet Saueressig aus der Praxis.

Eine Überführung der Standardprozesse in SAP S/4HANA bringe klare Vorteile, müsse aber auch vollumfänglich und detailliert geplant und orchestriert werden. Nichtsdestotrotz macht Saueressig einen massiven Trend hin zu ERP-Systemen als Cloud-Service aus: „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wann und Wie.“

Gemeinsames Sprachrohr der Anwender

Da die S/4HANA Produkt-Roadmap beständig an die sich gelegentlich ändernden Bedürfnisse der Anwender angepasst werden muss, arbeite er eng mit seinem Nachfolger Muhammad Alam zusammen, der seit 1. April die Verantwortung für das Product Engineerin trägt. „Gemeinsam mit meinem Vorstandskollegen Scott Russell, der für den Vertrieb unserer Lösungen verantwortlich zeichnet, bilden wir das Sprachrohr der Kunden, um Feedback schnell in die Entwicklung zu tragen.“ Das betreffe aber nicht nur SAP S/4HANA, sondern das gesamte Produkt- und Technologieportfolio.

„Das Thema Cloud ist nicht erst jetzt im Vorstand angekommen. Wir haben die letzten drei Jahre nicht nur erfolgreich die Transformation der SAP gemeistert, sondern auch unsere Kunden mit Programmen wie ‚Rise with SAP‘ bei ihrer Cloud-Transformation unterstützt. Wir haben viel investiert, um unsere Lösungen zu modularisieren und zu integrieren, einschließlich der Vereinheitlichung und Vereinfachung der Infrastruktur, der Cloud-Plattform und den zugrundeliegenden Datenmodellen bis hin zum Design und der User Experience für unsere Anwendungen“, konstatiert Saueressig im Gespräch mit CloudComputing-Insider.

„Die Integration liefert die Grundlage für Innovationen, die ein hohes Maß an Standardisierung erfordern und daher nur in der Cloud sinnvoll zu nutzen sind, wie etwa im Bereich Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz. Deswegen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um unseren Kunden noch besser zur Seite zu stehen, das Potential dieser Innovationen voll auszuschöpfen.“

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