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20. Firmenjubiläum CSP – nicht Google oder Apple, aber auch aus der Garage

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Das Software-Haus CSP aus dem niederbayerischen Großköllnbach wird 20 Jahre alt. Gegründet in einer Garage, gewachsen auch in Krisenzeiten, erst spezialisiert, dann breiter aufgestellt, stellt sich die Firma derzeit aktuellen Herausforderungen wie der Globalisierung der Märkte und dem Fachkräftemangel.

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Hermann Pellkofer (li.) und Mario Täuber (re.) sind Geschäftsführer bei CSP.
Hermann Pellkofer (li.) und Mario Täuber (re.) sind Geschäftsführer bei CSP.

Anno 1991 war die Welt noch eine andere. Der IBM-Konzern verwandelte seine Druckersparte in eine Firma namens „Lexmark“, aufgrund des zweiten Golfkrieges fällt der Karneval in Deutschland aus und Nirvana veröffentliche das Album „Smells Like Teen Spirit“.

Und Hermann Pellkofer gründet das Software-Unternehmen CSP in seiner Garage mit ihm als einzigen Mitarbeiter.

Die Unternehmensgröße von Firmen wie Apple, Google und Hewlett-Packard hat Pellkofer zwar nicht erreicht, aber auch CSP ist eine der erfolgreichen Garagen-Gründungen in der IT-Branche. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Rückblickend steht die Firmenhistorie von CSP für viele Software-Häuser, die hierzulande erfolgreich eine lukrative Nische für sich gesucht und gefunden haben.

Spezialisierung oder nicht?

Schon kurz nach der Gründung konzentrierte sich das niederbayerische Unternehmen auf ein einziges Segment: Spezial-Software für die Automobil-Industrie. Die heute noch erfolgreichste Software „QS-Torque“, dient der Qualitätssicherung von Schraubverbindungen und wurde bereits Mitte der 90er Jahre entwickelt.

Im Zuge der Jahr-2000-Problematik wurden für etliche Kunden Anwendungen individuell angepasst. Der Branchen-Trend ging jedoch in eine andere Richtung: Weg von der Individual-Entwicklung und hin zu Standard-Software, die auf Prozesse angepasst wurde.

Es folgten weitere Standbeine: 2001 kam IPM für das Prozessdatenmanagement auf den Markt. Und im gleichen Jahr wurde die Basis für die Langzeitarchivierungslösung Chronos gelegt. Zu dieser Zeit platzte gerade die Dotcom-Blase, die viele IT-Unternehmen schmerzhaft zu spüren bekamen. „Für CSP lief es jedoch deutlich besser“, so Pellkofer. Langfristige Partnerschaften, an die angeknüpft werden konnte, waren der Grund.

In den nächsten Jahren folgten weitere Software-Produkte für die Industrie, aber auch für Händler und Dienstleister.

Globalisierung in Niederbayern

2007 war das Wachstum so weit fortgeschritten, dass erstmals mehr als 20 Mitarbeiter für CSP arbeiteten. Inzwischen sind es 30 und der 2002 errichtete Neubau in Großköllnbach ist zu klein für das Team geworden. Seit diesem Jahr sorgt ein Container für zusätzliche Bürofläche. Ein Büro in Frankfurt am Main wurde 2010 eröffnet, um auch Kunden im Rhein-Main-Gebiet und im Norden von Deutschland schneller zu erreichen.

Wie seinen Kunden bleibt auch dem Software-Haus die Globalisierung nicht erspart. Steigender Umsatz geht daher auch mit erhöhter Reisetätigkeit einher. „Was sich gerade abzeichnet, ist, dass wir für immer mehr weltweit tägige Unternehmen bei Produkt-Rollouts auch zumindest kurzzeitig in fernen Ländern vor Ort sein müssen, beispielsweise in den USA oder China“, sagt Mario Täuber, der seit dem Jahr 2000 neben dem Gründer Pellkofer auch Geschäftsführer bei CSP ist.

Finanzkrise

Die dauerschwelende Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 zeigte Auswirkungen, denn die Krise führte dazu, dass zahlreiche Automobil-Hersteller ihre Budgets rigoros kürzten. Für CSP war das eine echte Herausforderung, weil damals noch fast alle Bestandskunden aus der Automobilindustrie kamen. Täuber beschreibt, warum die Angelegenheit rückblickend gut überstanden wurde: „In diesem Moment zahlten sich unsere Investitionen in branchenunabhängige Lösungen aus, wie zum Beispiel Chronos für die Langzeitarchivierung“. Es waren hauptsächlich Unternehmen aus den Bereichen Luftfahrt und Telekommunikationen, die als Kunden hinzu gewonnen wurden.

Dank Abwrackprämie und anziehender Konjunktur konnten Automobilhersteller ihre Budget wieder teilweise freigeben. Und CSP Software war relativ schnell wieder am Zug.

Fachkräftemangel

Angesprochen auf das Thema „Fachkräftemangel“ sagte CSP-Gründer Pellkofer, dass dieser insbesondere „bei uns im ländlichen Raum ein heikles Thema darstellt". Aufstiegspositionen seien naturgemäß rar und die Nähe zu München sorge dafür, dass viele junge Leute lieber dorthin gehen, um Karriere zu machen. Aber das Software-Haus aus Großköllnbach weiß sich zu helfen indem stets an einem guten Betriebsklima gearbeitet werde: „Gemeinsame Bowling-Abende, Firmenausflüge, Weihnachtsfeiern und weitere gemeinsame Aktivitäten sorgen dafür, dass die Fluktuationsrate sehr gering ist“. Außerdem wird die Nachwuchsgewinnung groß geschrieben: „Seit einigen Jahren arbeiten wir mit Ausbildungsstätten in der Region zusammen. Für Absolventen der Berufsschule für IT-Berufe und für verschiedene Hochschulen bieten wir Praktikumsplätze an.“ Oft ist das dann der Einstieg in eine erfolgreiche Laufbahn bei CSP.

Weiteres Recruiting

Insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Berufsschule für IT-Berufe sowie mit Hochschulen haben sich sehr bewährt, so der CSP-Chef Pellkofer: „Wir rekrutieren hierüber angehende Fachinformatiker, die frühzeitig im Rahmen von Praktika in unseren Berufsalltag hinein schnuppern und konkrete Aufgabenstellungen aus der Praxis kennenlernen“. Aber auch Internet-Stellenbörsen haben an Bedeutung gewonnen.

Neu ist zudem das Engagement des Unternehmens auf Facebook. Seit kurzem gibt es eine Fanpage und es habe sich gezeigt, dass sich vor allem jüngere Leute mit CSP vernetzen, die die Firma beispielsweise über Praktika kennengelernt haben. „Bestimmt ist dies langfristig gesehen ein sehr nützlicher Effekt im Recruiting“, so Pellkofer.

Im Gegensatz zu den Personalgewinnungsmaßnahmen in Konzernen wie den „Garagen-Gründungs-Kollegen“ Google oder Apple, deren Human-Resources-Abteilungen über Jobmessen, Headhunter und komplexe Auswahlverfahren ihre Bewerber gewinnen, geht es bei CSP also vergleichsweise familiär zu, wenn neue Mitarbeiter ausgewählt werden. „Für uns zählt nicht nur das fachliche Know-how, das ein Mitarbeiter mitbringt. Natürlich ist es die wichtigste Voraussetzung, dass er sich schnell in neue Themengebiete einbringen kann. Wichtig ist aber auch die soziale Kompetenz. Wenn ein Mitarbeiter nicht ins Team passt, kann sich das sehr negativ auswirken; die Folge wären Unzufriedenheit und sinkendes Engagement. Insofern müssen sowohl die fachlichen als auch die sozialen Aspekte bei einem Bewerber stimmen – und dann steht einer erfolgreichen Zukunft bei uns nichts im Weg“, beschreibt Mario Täuber die Kriterien, die letztlich zählen.

Und auch wenn CSP ein vergleichsweise kleines Unternehmen ist, sind Anstellungen hier eher von langfristiger Natur. □

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