Intelligente Vernetzung der Ladeinfrastruktur

Cloud-basierte Ladelösungen bringen Stromer auf Fahrt

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Intelligente Ladestationen zeigen, welches Potenzial in cloud-basierter Vernetzung steckt.
Intelligente Ladestationen zeigen, welches Potenzial in cloud-basierter Vernetzung steckt. (Bild: wallbe GmbH)

Wer einen Blick auf die Zukunft der Mobilität werfen will, muss dafür nicht ins Silicon Valley reisen. In Schlangen bei Paderborn entwickelt die wallbe GmbH Hightech-Ladekonzepte für Elektrofahrzeuge. Inzwischen setzt das Unternehmen konsequent auf den Einsatz von Cloud-Technologien in seinen Ladelösungen.

Elektrofahrzeuge sind Teil eines neuen Umgangs der Gesellschaft mit dem Thema Mobilität und werden diese in Zukunft mitbestimmen. Neue Antriebsmodelle erlauben andere Nutzungsmöglichkeiten und bringen neue Geschäftsmodelle mit sich. Eine bedeutende Rolle beim Ausrollen dieser Technologie spielt die passende Ladeinfrastruktur. Genau dafür entwickelt wallbe aus Schlangen bei Paderborn moderne Lösungen. Es ist ein langer Weg, den das 1928 gegründete Unternehmen, einst ein klassischer Installationsbetrieb, inzwischen gegangen ist. Wallbe sieht sich daher selbst als Beispiel dafür, was Transformation bedeutet und wie sich Geschäftsmodelle verändern können. Denn inzwischen verdient das Unternehmen sein Geld mit intelligenten Ladelösungen für Elektromobilität und hat sich in dem boomenden Markt einen guten Namen gemacht.

Einer der Erfolgsbausteine ist der konsequente Einsatz von Cloud-Technologien in den eigenen Ladecontrollern. Für wallbe-Geschäftsführer Dr. Dominik Freund, der zuvor in unterschiedlichen Positionen rund um die Themen Energie und Smart Grid für die Unity AG aktiv war, leitet sich das Thema „Cloud“ fast zwangsläufig aus dem Markt ab, in dem sich sein Unternehmen bewegt: „Wir beschäftigen uns mit Internet-of-Things-Technologien und Energie. Wer seinen Kunden hier ganzheitliche Lösungen anbieten will, kommt an vernetzten Systemen nicht vorbei.“ Für wallbe bedeutet das, aus Hardware, Software und integrierten Services wie beispielsweise Abrechnungs- und Bezahlmodalitäten ein integriertes Paket zu schnüren. Die Cloud-Lösung ist dabei der Dreh- und Angelpunkt des Angebotes. Anwender können individuelle Ladevorgänge über die Cloud, beispielsweise über Smartphone-Apps starten und stoppen. Gleichzeitig stehen sämtliche Informationen über den Ladevorgang (Ladeleistung oder Lademenge) quasi in Echtzeit in der Cloud zur Verfügung und können für die weitere Bearbeitung wie beispielsweise das Abrechnen genutzt werden.

Höhere Attraktivität für E-Mobilität

Mit zunehmenden Reichweiten und einem besser ausgebauten Netzwerk von Ladestationen steigt die Attraktivität von Elektroautos auch für Unternehmen. Sie können Mitarbeitern ein Fahrzeug als Firmenwagen auf Basis der noch für alle Antriebstechniken geltenden 1-Prozent-Regel zur Verfügung stellen. Dabei haben diese Mitarbeiter bisher aber das Problem, das nächtliche Aufladen über das heimische Stromnetz dem Arbeitgeber gegenüber korrekt abrechnen zu können. Mithilfe des wallbe-Controllers ist es möglich, jeden Ladevorgang exakt und automatisch zu berechnen und entsprechend zu vergüten.

Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz der vernetzten Ladestationen in Hotels: Gäste können sich mit ihrer Zimmerkarte an der Station anmelden und ihren Wagen aufladen. Die Abrechnung erfolgt automatisch über die Hotelrechnung. Möglich sind aber auch Treueprogramme für Handelsunternehmen. Diese können den Besitzern von Kundenkarten anbieten, das Fahrzeug während des Einkaufens zu vergünstigten Konditionen aufladen zu lassen. Auch hier erfolgt die Abrechnung automatisiert über das in der Kundenkarte hinterlegte Zahlungsmittel.

Über diese Geschäftsmodelle hinaus, die dank der vernetzten Ladestationen jetzt schon realisiert werden, zeigt sich ein weiterer großer Vorteil im tagtäglichen Betrieb der Systeme. „Dank der Möglichkeiten zur Fernwartung können wir direkt auf die Ladestation zugreifen, Fehler in Echtzeit sehen und auch aus der Ferne beheben“, erläutert Dr. Freund. Diese Cloud-Anbindung ermögliche den Kunden einen reibungslosen Betrieb ihrer Ladestationen.

Cloud und IoT geben Initialzündung

Ende 2015 war das aber noch Zukunftsmusik. Um all dies realisieren zu können, machte sich wallbe auf die Suche nach einem passenden Partner für die Umsetzung der Cloud-Pläne. Am Ende des Auswahlprozesses setzten sich die Experten der com2m GmbH aus Dortmund durch. Com2m ist Spezialist auf den Gebieten „Internet of Things“ (IoT) und „Maschine-zu-Maschine-Kommunikation“ (M2M), an dem der IT-Dienstleister Adesso AG mit mehr als 60 Prozent beteiligt ist. Das Kernprodukt ist eine skalierbare IoT-Plattform zur Entwicklung und für den Betrieb von IoT- und Industrie-4.0-Lösungen. Die neuentwickelte Cloud-Backend-Lösung für die Ladestationen von wallbe basiert auf der Internet-of-Things-Plattform von com2m.

Seit Anfang 2016 stehen das Management von wallbe und die IoT-Experten von com2m im regelmäßigen Austausch, diskutieren die Anforderungen von Kunden, prüfen die technische Machbarkeit und erweitern die vorhandene Lösung Schritt für Schritt. So setzte das Team beispielsweise das Thema RFID-Kartenmanagement um, ergänzte das System um weitere Auswertungsmöglichkeiten für Anwender oder integrierte Anbieter für Abrechnungslösungen wie beispielsweise PlugSurfing. Über die Entwicklung hinaus hostet com2m das System auch und stellt sicher, dass Wallbe-Kunden aus aller Welt – inzwischen werden die Lösungen in Thailand, Australien oder Neuseeland eingesetzt – rund um die Uhr auf ihre Daten zugreifen können. So können die Anwender auf individuellen Dashboards in Echtzeit verfolgen, wer wann lädt, wann es Spitzenzeiten gibt und wann es eher ruhiger ist. Das System unterstützt sie also auch dabei, besser mit Lastspitzen umgehen zu können.

Weltweiter Erfolg und doch erst der Anfang

Die Montage der Ladestation erfolgt dann in der unternehmenseigenen Produktion. Und so entsteht ein Gesamtpaket aus Hardware, Software und Services rund um Elektromobilität, das immer mehr Unternehmen überzeugt: Inzwischen hat die wallbe GmbH viele Unternehmen mit ihrem Gesamtpaket aus Hardware, Software und Services rund um Elektromobilität überzeugt und mit acht der Top Ten der deutschen Energieerzeuger geschäftliche Verbindungen. Und auch zahlreiche Hotels und Einzelhandelsunternehmen wie Lidl setzen die Lösungen ein. Sogar Tesla, quasi die Ikone der Elektromobilität, empfiehlt auf Nachfrage den Einsatz der Wallbe-Ladelösungen.

Trotz der schon guten Erfolge sieht Dr. Freund den Markt für Elektromobilität erst am Beginn seiner Entwicklung. Mit seinem Team arbeitet er an weiteren Möglichkeiten, um Anwendern das Leben rund das Thema E-Mobilität zu erleichtern. Im Sommer 2017 haben die Entwickler von com2m eine Smartphone-Anwendung fertiggestellt. Dank der Wallbe Professional App hat der Elektrofahrzeugbesitzer alle Informationen wie den Ladestatus oder die geladenen Einheiten direkt im Blick. Und sind die Akkus voll, schickt die App eine Push-Nachricht aufs Handy.

Ein weiteres Thema, das Wallbe gerade verfolgt, ist die Integration von Ladecontrollern in Laternenmasten. Damit würde sich das größte E-Mobility-Problem in Städten lösen können: Wo das Elektrofahrzeug aufladen, wenn es keinen festen Parkplatz mit vorhandenen Lademöglichkeiten gibt? Wallbe ist es gelungen, alle notwendigen Funktionen in einem einzigen Gehäuse unterzubringen. Das System ist also so kompakt, dass es in einen Laternenmast passt. Vorhandene Infrastruktur in Kommunen lässt sich jetzt also nutzen, um Elektromobilität attraktiver zu machen.

Das Beispiel wallbe GmbH zeigt, welches Potenzial in der Vernetzung steckt. Denn egal ob Maschine, Fahrzeug oder auch Ladestation: Für jedes Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, tun sich neue Möglichkeiten auf, ergeben sich neue Anwendungsfälle, sind neue Geschäftsmodelle denkbar.

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