Ende August gaben Ionos und VNC gemeinsame Entwicklungsarbeiten an einer neuen, souveränen und in Deutschland gehosteten Cloud-Lösung für die sichere digitale Kommunikation bekannt. CloudComputing-Insider fragte nach bei VNC-Geschäftsführerin Andrea Wörrlein: Hat die deutsche Wirtschaft wirklich auf noch ein Angebot dieser Art gewartet?
Ende August gaben Ionos und VNC gemeinsame Entwicklungsarbeiten an einer neuen, souveränen und in Deutschland gehosteten Cloud-Lösung bekannt. Braucht es das?
(Bild: frei lizenziert, Pexels / Pixabay)
Wie berichtet arbeiten der europäische Hosting-Anbieter Ionos und der Open-Source-Experte seit neustem zusammen. Geplant sind eine gemeinsame „Deutschland-Cloud“, für die die Ionos-Plattform (= Platform-as-a-Service; PaaS) mit dem Open-Source- und Kubernetes-basierten, mit Microservices und Micromodulen arbeitenden Software-Stack für Kommunikation und Kollaboration von VNC verbunden werden soll.
Wie aber soll das Projekt eigentlich heißen? „An dem Namen VNClagoon für unser SaaS-Angebot wird sich auf der Ionos-Plattform nichts ändern“, erklärt Andrea Wörrlein, Geschäftsführerin von VNC in Berlin und Verwaltungsrätin der VNC AG in Zug, gegenüber CloudComputing-Insider. Anders sehe das allerdings für Partner aus: „Dank der Whitelabeling-Option können sie, falls gewünscht, entweder ihr eigenes Branding oder das Corporate Design ihres jeweiligen Kunden nutzen.“
Dringender Bedarf für eine wirklich vertrauenswürdige Cloud
Nun gibt es in Deutschland bereits mehrere „souveräne“ Cloud-Angebote, zu nennen wären beispielsweise das Gaia-X-Projekt des Kölner Provider Plusserver „pluscloud open“, die „T-Systems Sovereign Cloud in Zusammenarbeit mit Google“ oder die „Open Telekom Cloud“. Selbst Oracle offeriert hierzulande eine „European Sovereign Cloud“. Vor über einem Jahr ist Ionos zudem als erster deutscher Vertreter der „Sovereign Cloud Initiative“ von VMware beigetreten. Wieso dann noch eine souveräne Cloud?
„Wir sehen trotz – oder vielleicht gerade wegen – dieser Initiativen dringenden Bedarf für eine hochsichere, DSGVO-konforme, wirklich vertrauenswürdige Cloud-Plattform, die die Kriterien digitaler Souveränität für deutsche Anwender ohne Wenn und Aber erfüllt und praktisch umsetzt“, so Wörrlein. „Und das auf allen Cloud-Layern – also Infrastructure-as-a-Service (IaaS), PaaS und der Applikationsebene, i.e. Software-as-a-Service (SaaS) – in einer integrierten Umgebung. Genau das ist der Ansatz für unsere Zusammenarbeit mit Ionos. Eines der Souveränitätskriterien ist beispielsweise die Entwicklungsumgebung und die davon abhängige Transparenz und Auditierbarkeit, also die Frage: Closed Source oder Open Source?“
Andrea Wörrlein ist Geschäftsführerin von VNC in Berlin und Verwaltungsrätin der VNC AG in Zug
(Bild: VNC)
Alle VNClagoon-Komponenten seien dank Open Source jederzeit auditierbar und voll transparent. Auf der offenen Entwicklungsplattform VNCfactory sei dafür eine weltweite Entwickler-Community zusammengekommen. In diesem Developer-Netzwerk werde gemeinsam daran gearbeitet, synergetische Lösungen zu integrieren oder neue vertikale Anwendungen für verschiedene Branchen zu schaffen. „Dabei hilft unsere konsequente Kubernetes-Orientierung, die fantastische Installationszeiten der Basis-Suite von unter einer Stunde möglich macht. So lassen sich nicht nur Mandanten in einer SaaS-Umgebung schnell aufsetzen, sondern auch dedizierte, dezentral verteilte Instanzen in hybriden Umgebungen. Das ist technologisch wohl einzigartig – und unsere Kunden finden es ausgesprochen cool“, so Wörrlein weiter.
Grundsätzlich empfiehlt sie allen Entwicklungshäusern, sich intensiv mit dem Thema Microservices, Micromodule und Container zu befassen. „Wir sehen die Zukunft ganz klar in modularisierten, verteilten und skalierbaren Container-Anwendungen. Aber selbstverständlich lassen sich auch nicht-containerisierte Anwendungen über unsere offenen Schnittstellen integrieren – vorzugsweise über RestfulAPIs. Diese Option ist auch wichtig für die Einbindung von Legacy-Anwendungen, etwa im Finance-Umfeld.“
Channel ist nochmal wichtig
Als Zielgruppen für die Cloud mit Ionos werden einerseits Unternehmen, andererseits Systemhäuser, Integratoren und Independent Software Vendors (ISV) genannt. „Letztlich“, erläutert Wörrlein, seien aber immer Unternehmen die Zielgruppe, „auch für Systemhäuser, Integratoren und ISV. Das haben wir immer im Blick. Der Channel ist für uns in diesem Zusammenhang unter vielen Aspekten wichtig: Die Partner kennen ihre Kunden und deren Bedürfnisse und sie haben die passende Lösungs-Kompetenz. Genau dafür ist die Kooperation mit Ionos gedacht. Unternehmen erhalten darüber einen schnellen, sicheren, hochskalierbaren und hochverfügbaren Cloud-Zugang zu Kollaborations- und Kommunikationslösungen.“
Das könne VNClagoon im Original sein oder aber spezifische VNClagoon-basierende Lösungen von Partnern, die diese Plattform für die Entwicklung und Bereitstellung nutzen. Als vertikale Lösung könne das beispielsweise als E-Akte für kommunale Behörden dienen. „Oder wie wäre es mit einem Corporate Knowledge Repository als horizontale Anwendung, also eine Kombination aus Wissens-Pool und Suchmaschine für Unternehmen?“, so die Geschäftsführerin, die bereits früher eine ähnliche Kooperation initiiert hat, nämlich mit ownCloud. Mit den Nürnbergern hat man eine vertrauenswürdige Suite von Kommunikations- und Kollaborationslösungen für Unternehmen auf die Beine gestellt.
Stand: 08.12.2025
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„Mit der langjährigen Kooperation mit ownCloud haben wir zwei Ziele verfolgt: erstens auf der technischen Ebene die Integration von ownCloud Sync & Share in die VNClagoon-Suite. Darauf aufbauend haben wir zweitens eine Reihe wichtiger Projekte gewonnen, die wir erfolgreich umgesetzt haben. Diesen Ansatz werden wir auch in Zukunft weiterverfolgen.“
Anwendungen rund um das Confidential Computing.
Ein zweites Kooperationsfeld mit Ionos ist dem Thema Confidential Computing gewidmet. Intern treiben die beiden Partner derzeit nach eigenen Angaben die softwaretechnischen Voraussetzungen dafür bis auf Chip-Ebene (Intel SGX) voran. Damit werde es in naher Zukunft möglich sein, neue Technologien für die hochsichere Nutzung von Cloud-Lösungen anbieten zu können. „Hier geht es um die Verschlüsselungsfunktionen von Intel-Prozessoren. Sie kommunizieren mit einer Reihe von in VNClagoon verwendeten Komponenten, wie beispielsweise Vault, Nginx oder Ruby, um eine Encryption des Prozessors während der Compute-Prozesse zu garantieren. Diese Implementierung wird gerade vorgenommen“, berichtet Wörrlein.
Auch sitze man an „neuen Technologien für die hochsichere Nutzung von Cloud-Lösungen, die die Nutzung von Trusted Execution Environments (TEE) für besonders kritische Daten wie persönliche Informationen und interne oder externe Schlüssel einschließen. „Hier nutzen wir gemeinsam mit Ionos das sogenannte Confidential Computing auf Basis von Intel Software Guard Extensions (SGX), um damit Daten während Speicherung, Übertragung und erstmals auch während der Verarbeitung durch Verschlüsselung vertraulich zu handhaben. Das Hardware-geschützte Verfahren sorgt dafür, dass der Zugriff auf solche Daten ausschließlich für Befugte möglich ist - Stichwort: Mandantenfähigkeit - und dadurch auch das Risiko versehentlicher Datenlecks minimiert wird.“ Alle Mechanismen dieser Technologie seien quelloffen und können unabhängig validiert werden.
„Wir sind der festen Überzeugung, dass die sogenannte Secure Cloud über die ganze Prozesskette hinweg gedacht werden muss. Sprich, neben den Cloud-Schichten IaaS, PaaS und SaaS muss die Hardware stärker in den Blick rücken. Und das umfassend von den Prozessoren und Servern bis zu den Clients. Nur dann können wir wirklich von souveränen Clouds sprechen.“
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(Bildquelle: CloudComputing-Insider)
Der Wunsch nach einer souveränen Cloud ist mehr als greifbar. Mehrere Konzepte und Initiativen sind bereits in der Umsetzung, jedoch stellt sich dabei die Frage, welche Rolle die Herkunft der Technologien wirklich spielt.
Wie man Souveränität im Cloud Computing erreichen will.
Viele Ansätze zur Umsetzung einer souveränen Cloud.
Die beiden Projekte sollen den Auftakt einer langfristig angelegten Kooperation bilden: Via Partner möchte man der deutschen Wirtschaft sichere und hochmoderne Cloud-Services zur Verfügung stellen. „Im ersten Schritt werden die VNClagoon-Produkte über die Ionos-Cloud entweder im SaaS-Mode oder als dedizierte Instanz für spezifische Cases bereitgestellt. Das Spektrum reicht dann von Communication und Collaboration bis hin zu den ersten Referenzimplementierungen VNCproject und VNCcrm“ berichtet Wörrlein. „Aktuell entwickeln wir auf Basis von VNClagoon eine Reihe von sogenannten Fachverfahren für den öffentlichen Sektor, die dann auf dieser Plattform bereitgestellt werden.“
Zusammenfassend hält sie fest, dass sowohl Deutschland-Cloud als auch Confidential Computing zwei Technologien seien, ohne die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit nicht aufrechterhalten könnten: „Gemeinsam mit Ionos sind wir jetzt in der Lage, in beiden Bereichen entscheidende Fortschritte zu erzielen und schnell ebenso innovative wie praktikable Lösungen anzubieten.“