Viele Unternehmen setzen auf generative KI, um Inhalte zu erstellen oder Prozesse zu unterstützen. Doch mit Agentic AI will sich die nächste Entwicklungsstufe ankündigen. Diese Systeme gehen über reine Contenterstellung hinaus.
Agentenbasierte KI kann für Cloud-Infrastrukturen so einiges bedeuten: Chancen, Herausforderungen sowie Erfolgsfaktoren.
(Bild: Jenar - stock.adobe.com)
Dass KI Prozesse beschleunigen kann, wird immer mehr Unternehmen in Deutschland bewusst. Agentic AI soll nochmal mehr bieten. Diese Systeme gehen über reine Contenterstellung hinaus und übernehmen eigenständig Aufgaben – inklusive Entscheidungsfindung, Planung und Umsetzung. Die potenziellen Effizienzgewinne sind beträchtlich, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Infrastruktur, Governance und Change Management. Besonders in der Cloud bietet Agentic AI neue Möglichkeiten für skalierbare und adaptive KI-basierte Services.
Die Leistungsfähigkeit von Agentic AI steht und fällt mit der technologischen Basis, auf der sie aufsetzt. Unternehmen, die diese neue Form autonomer Systeme erfolgreich einsetzen wollen, sollten drei zentrale Voraussetzungen erfüllen:
1. Datenqualität und Datenverfügbarkeit Agenten treffen Entscheidungen auf Grundlage verfügbarer Daten. Je aktueller, aussagekräftiger und besser strukturiert diese sind, desto präziser und sinnvoller kann ein Agent handeln. Das erfordert nicht nur die klassische Pflege von Stammdaten, sondern auch die Integration dynamischer Datenquellen – etwa aus Sensorik, Log-Dateien, Echtzeitanalysen oder externen APIs. Moderne Cloud-Plattformen bieten hier skalierbare Datenpools, leistungsfähige Datenpipelines und spezialisierte KI-Dienste zur Datenvorverarbeitung.
2. Infrastruktur-Readiness Die Ausführung von Agentic AI erfordert eine robuste, skalierbare und sichere Infrastruktur – sowohl für Trainingsprozesse als auch für Inferenz und kontinuierliche Ausführung. In vielen Fällen reichen klassische Rechenzentren nicht aus. Cloud-native Umgebungen mit Kubernetes, serverlosen Architekturen und GPU-gestützter Verarbeitung stellen hier eine ideale technische Grundlage dar. Sie ermöglichen flexible Ressourcenbereitstellung, automatische Skalierung und kurze Entwicklungszyklen.
3. Governance, Monitoring und Absicherung Agentic AI darf nicht zur Blackbox werden. Um regulatorischen Anforderungen wie dem EU-AI-Act oder der DSGVO zu entsprechen und Vertrauen aufzubauen, müssen Unternehmen Mechanismen implementieren, um Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. In der Cloud stehen hierzu spezialisierte Dienste für Audit-Logging, Policy Enforcement und Anomalieerkennung zur Verfügung. Damit lassen sich Compliance-Anforderungen ebenso wie interne Kontrollmechanismen effizient umsetzen.
Cloud als Enabler: Skalierbarkeit trifft Governance
Die hohen Rechenanforderungen agentenbasierter Systeme lassen sich mit On-Premises-Umgebungen oft nicht wirtschaftlich abbilden. Cloud-Plattformen wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud bieten hier passende Lösungen – von der Infrastruktur bis zu spezialisierten KI-Diensten. Neben der technischen Skalierbarkeit unterstützen sie auch bei regulatorischen Anforderungen, etwa durch Verschlüsselung, Zugriffskontrolle und Audit-Logs.
Zusätzlich bieten Hyperscaler zunehmend vortrainierte Agentenkomponenten und integrierte Toolchains zur Orchestrierung komplexer Agentensysteme. Diese Services ermöglichen eine zügige Entwicklung und erleichtern die Integration in bestehende Cloud-Workflows. Besonders relevant ist dies für Unternehmen, die bereits DevOps- oder MLOps-Strukturen in der Cloud etabliert haben.
Für Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen oder in sensiblen Branchen kann der Einsatz souveräner Cloud-Modelle oder hybrider Architekturen eine Alternative darstellen. Wichtig ist, dass Sicherheits- und Datenschutzaspekte bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.
Schrittweise Einführung statt Big Bang
Die Einführung von Agentic AI ist kein isoliertes IT-Projekt, sondern ein tiefgreifender Wandel in der Art und Weise, wie Entscheidungen im Unternehmen getroffen und umgesetzt werden. Ein sinnvoller Einstieg gelingt über isolierte Use Cases mit klar definiertem ROI – zum Beispiel automatisierte Datenabgleiche, die Verarbeitung von Anträgen oder proaktive Wartungsmechanismen. Die Cloud bietet hier den Vorteil, dass Pilotprojekte schnell, flexibel und ohne große Vorabinvestitionen umgesetzt werden können.
Was ist Agentic AI?
Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die selbstständig Ziele verfolgen, Entscheidungen treffen und Handlungen ausführen – ohne menschliches Eingreifen. Grundlage dafür sind Methoden wie iterative Planung, logisches Schließen und kontinuierliches Lernen. Anders als bei klassischen generativen Modellen steht nicht die Inhaltserzeugung, sondern die aktive, kontextabhängige Interaktion mit Systemen und Prozessen im Vordergrund. Damit eignet sich Agentic AI, insbesondere für komplexe Automatisierungsaufgaben und das Management verteilter Cloud-Systeme.
Agentic AI darf keine Insellösung sein. Die Anbindung an bestehende IT-Landschaften – etwa ERP-, CRM- oder ITSM-Systeme – ist essenziell. Moderne Cloud-Plattformen bieten eine Vielzahl von Konnektoren und APIs, um Agenten nahtlos in bestehende Prozesse zu integrieren. Gleichzeitig muss die Prozesslogik flexibel genug sein, um autonome Entscheidungen und Handlungen zu ermöglichen, ohne dabei Sicherheits- und Stabilitätsanforderungen zu kompromittieren.
Der technologische Wandel muss durch ein aktives Veränderungsmanagement begleitet werden. Mitarbeitende müssen verstehen, welche Aufgaben künftig von Agenten übernommen werden – und wie sich ihre eigene Rolle verändert. Schulungen, transparente Kommunikation und klare Governance-Strukturen helfen, Ängste zu nehmen. Cloud-Anbieter unterstützen diesen Prozess mit Schulungsressourcen, Zertifizierungen und technischen Leitfäden für den Aufbau von Agentic-AI-Kompetenz.
Stand: 08.12.2025
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Wirtschaftliche Potenziale und typische Anwendungsfelder
Agentic AI verspricht nicht nur technische Innovation, sondern auch handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile. In Bereichen mit hohem manuellem Aufwand, komplexen Entscheidungsbäumen oder großer Datenvielfalt lassen sich durch Agenten spürbare Effizienzgewinne realisieren.
Prozesse wie Rechnungsvalidierung, Vertragsprüfung oder interne Support-Tickets lassen sich mit Agenten deutlich schneller und ressourcenschonender abwickeln. In der Cloud können diese Agenten jederzeit skaliert, aktualisiert und zentral verwaltet werden.
Durch autonome Entscheidungsfindung entfallen manuelle Freigaben, Eskalationen oder Medienbrüche. Cloud-native Agentensysteme reagieren in Echtzeit auf Ereignisse und können kontextbasiert agieren, was eine deutlich höhere Reaktionsgeschwindigkeit ermöglicht.
Planbarkeit, Prognosen und Wissen
Agentic AI kann kontinuierlich Daten analysieren und auf Basis historischer Entwicklungen Trends erkennen – etwa in der Produktionssteuerung, Wartungsplanung oder im Bestandsmanagement. Cloud-Plattformen unterstützen diese Analysen mit skalierbaren Analytics-Engines und Forecasting-Diensten.
Gerade in Unternehmen mit komplexer Wissensstruktur kann Agentic AI helfen, relevantes Wissen kontextabhängig bereitzustellen. Cloud-gestützte Wissensagenten sind rund um die Uhr verfügbar und können unternehmensweit konsistente Informationen liefern.
Der richtige Zeitpunkt ist jetzt
Agentic AI steht an der Schwelle zur produktiven Nutzung – mit erheblichem Potenzial für Unternehmen, die Prozesse intelligenter, schneller und autonomer gestalten wollen. Die Cloud bietet die notwendige Flexibilität, Rechenleistung und Sicherheit, um diese Entwicklung aktiv zu gestalten. Entscheidend für den Erfolg ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Technik, Governance und Mensch gleichermaßen berücksichtigt. Wer frühzeitig Pilotprojekte aufsetzt und die notwendigen Voraussetzungen schafft, kann sich einen klaren Vorsprung im Wettbewerb sichern.
* Der Autor Enrico Abate-Daga ist studierter Mathematiker und seit 2021 als Analytiker bei Skaylink tätig.