IT-Services im Ausnahmezustand Wie ein ukrainisches SEO-SaaS-Unternehmen im Krieg arbeitet

Ein Gastbeitrag von Daria Ahieieva*

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Nachdem Russland den Krieg in der Ukraine begann, veränderte sich das Leben der Ukrainer dramatisch. Wie sich eine ukrainische SaaS-Plattform für digitale Marketer unter Kriegsbedingungen weiterentwickelt, erzählt Daria Ahieieva, Redakteurin bei Serpstat:

Der ukrainische SaaS-Anbieter Serpstat hat sich an die Bedingungen des Krieges angepasst, damit die 700.000 User weltweit die Tools nutzen können.
Der ukrainische SaaS-Anbieter Serpstat hat sich an die Bedingungen des Krieges angepasst, damit die 700.000 User weltweit die Tools nutzen können.
(Bild: Vitalii - stock.adobe.com )

„Serpstat ist eine All-in-One-Plattform für umfangreiche Wettbewerbsanalyse, Keywords- und Backlinks-Recherchen, die für Digital Marketing-Spezialisten nützlich ist. Im Moment zählt unser Team mehr als 80 Mitarbeiter aus Odesa, Kyiv, Charkiw, Lwiw und Iwano-Frankiwsk. Selbst jetzt, in der Zeit der russischen Militärinvasion, setzt das Serpstat-Team seine Arbeit ohne Unterbrechung fort und veröffentlicht Updates und neue einzigartige Tools für 700.000 User weltweit.

Sicherheit der Mitarbeiter steht an erster Stelle

In den ersten Kriegswochen war unklar, was wir tun sollten und wie wir weiterarbeiten konnten. Die oberste Priorität war natürlich Sicherheit. So hat das Unternehmen bei der Evakuierung aus Kyiv, Charkiw und anderen Städten geholfen, die unter Beschuss oder Okkupation geraten sind. Jetzt haben wir die Situation unserer Mitarbeiter im Blick und sind jederzeit bereit, beim Umzug zu helfen.

Der Krieg ist eine unglaublich stressige Situation, in der es sehr schwierig ist, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Selbst wenn man sich an einem relativ ruhigen Ort weit weg von der Front befindet, muss man mehrmals am Tag eine Arbeitspause einlegen, um sich vor der Bedrohung aus der Luft zu verstecken. Aus diesem Grund wurden für das Team Sitzungen mit einem Psychologen zur Unterstützung vereinbart, da sich viele in sehr schwierigen Situationen befanden. Und die Arbeitszeiten sind so flexibel geworden, wie die Arbeitnehmer es brauchen. Denn wie sollen Arbeitszeiten aussehen, wenn das ganze Team im Badezimmer oder im Keller arbeitet?

Mehr Eigenverantwortung, weniger Teamwork

Was die Produktentwicklung betrifft, so haben wir einige Änderungen im Team vorgenommen: „Der Krieg beeinflusst den Arbeitsplan unserer Teammitglieder. Wir arbeiten eigenverantwortlich, nur die Teilnahme an Sitzungen ist obligatorisch. Die Kollegen arbeiten während der häufigen Alarme in Schutzräumen, einige konnten nicht evakuiert werden und arbeiten weiterhin selbstständig in den besetzten Städten, wo es noch Internetzugang gibt“, berichtet Vitaly Maslyaninov, CTO bei Serpstat.

Neben der physischen Sicherheit ist es für uns auch wichtig, die finanzielle Stabilität unserer Mitarbeiter zu gewährleisten. So haben wir beispielsweise damit begonnen, die Gehälter im Voraus zu zahlen.

Wir haben einen Teil der internen Kommunikation innerhalb des Produktteams beseitigt, der die Entscheidungsfindung erschwert hat. Jetzt kann jeder so autonom wie möglich Entscheidungen treffen und ist nicht von anderen abhängig. Dies hilft uns, das Produkt weiterzuentwickeln und schneller Ergebnisse zu erzielen.

Alex Danilin, CPO bei Serpstat

Serpstat-Mitarbeiter im Widerstand

Seit Beginn des Krieges haben die Mitglieder des Serpstat-Teams ihr Leben wesentlich verändert. Sie evakuieren ihre Familien, unterstützen finanziell die Armee oder erweitern freiwillig die Reihen der Verteidiger. Außerdem führen einige Kollegen den Informationskrieg gegen Fake News und russische Propaganda.

Unser Blog-Redakteur Taras Pristatsky hat eine ukrainische freiwillige Journalisten-Initiative gegründet, die Nachrichten aus der Ukraine überprüft, übersetzt und sie direkt an europäische Journalisten weiterleitet. Seit dem 27. Februar haben Nachrichten von Taras 1.310 Medientreffer erzielt, die die Ukraine ohne russische Propaganda darstellen.

Andrii, Spezialist für Performance-Marketing, hat die Widerstandsbewegung in Charkiw koordiniert. Zu seinen Aufgaben gehörte die Bearbeitung der Daten von Zivilisten über die Bewegungen von russischen Gruppen, die für den Einsatz von Bayraktar-Drohen, Artillerie und Flugzeugen verwendet wurden. Derzeit haben unsere Verteidiger alle Besatzer in Charkiw-Richtung zurückgedrängt und Andrii hat die Cyber-Truppen verstärkt.

PHP-Entwickler Oleksandr und QA-Ingenieur Artem sowie andere Serpstat-Mitarbeiter sind derzeit zur Territorialverteidigung bei den Streitkräften und tun alles Mögliche, um unsere Heimat zu schützen. Wir sind sehr stolz darauf, dass die Ukraine mehr denn je vereint ist. Sie unterstützen sich gegenseitig und helfen einander.

Wir lassen uns nicht entmutigen!

Was hat sich sonst noch an der Strategie des Unternehmens geändert? Serpstat war eines der ersten SaaS-Unternehmen, das die Accounts von Nutzern aus Russland gesperrt hat. „Im ersten Kriegsmonat haben wir etwa 50 bis 60 Prozent des Gewinns verloren, aber es ist schwer vorherzusagen, wie die Ergebnisse in Zukunft aussehen werden“, sagt unsere CEO, Ekaterina Kabakova.

Wir haben unsere Pläne zur Erschließung anderer Ländermärkte umgehend aktualisiert. Europa, die Vereinigten Staaten, Kanada und Australien sind die Länder, auf die wir uns jetzt am meisten konzentrieren. Wie auch immer – das Produkt funktioniert und wir entwickeln unsere Plattform weiter. Einerseits sind wir für unsere Nutzer verantwortlich, die einen ununterbrochenen Zugang zu den Suchanalysedaten benötigen.

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Andererseits befindet sich die Wirtschaft der Ukraine in einer schwierigen Lage. Der IT-Sektor spielt eine wichtige Rolle für das ganze Land, indem er Steuern zahlt und Arbeitsplätze erhält. Wir haben also nicht einen einzigen Tag lang aufgehört zu arbeiten und veröffentlichen weiterhin Updates für unsere Plattform.“

SEO-Services in Kriegszeiten

Einige Tools von Serpstat helfen beim Informationskrieg. Zum Beispiel haben wir vor kurzem Keyword Trends veröffentlicht: Das Tool für Journalisten, mit dem man populäre Themen sammelt, nach denen Leser im Internet suchen. Mithilfe dieses Tools haben wir Trends in verschiedenen Ländern seit Beginn des Krieges in der Ukraine untersucht (siehe Abbildungen):

Trendanfragen in Deutschland vor Kriegsbeginn.
(Bildquelle: Serpstat)

Trendanfragen in Deutschland nach Kriegsbeginn.
(Bildquelle: Serpstat)

Außerdem hat unsere Plattform eine wichtige Bedeutung für ukrainische Unternehmen, die neue Märkte und Kunden finden möchten. Mehrere von ihnen haben den russischen Markt verlassen, um den Krieg nicht zu finanzieren. Zur Unterstützung der ukrainischen Unternehmen plant unser Gründer Oleg Salamaha, einen Kurs über Suchmaschinen für Business zu starten. Darüber hinaus boykottieren wir russische Tools und Software. Wenn Sie bei Ihrer Arbeit auf solche Tools zurückgreifen, können Sie diese durch Ähnliche ersetzen, die diesen Krieg nicht mitfinanzieren und somit nicht für den Tod von Zivilisten verantwortlich sind. Das Serpstat-Redaktionsteam hat eine Liste mit Alternativen zusammengestellt mit Tools für Business, Marketing und Produktivität.

* Über die Autorin
Daria Ahieieva ist eine Outbound- und Inbound-Redakteurin bei Serpstat, der All-in-One-Plattform für Digital-Marketing-Spezialisten. Daria kümmert sich um Content-Kooperationen mit Influencern, Blogs und Medien. Als erfahrene Content-Erstellerin arbeitet sie mit allen möglichen Content-Formaten: von Interviews und Fallstudien bis hin zu analytischen Studien auf Basis von Serpstat-Daten.

Bildquelle: Serpstat

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