Studie zu Service Integration Management

Wie digital Unternehmen mit Lieferanten zusammenarbeiten

| Autor: Elke Witmer-Goßner

IT-Fachkräfte verstehen den Business-Nutzen von SIAM besser als ihre Vorgesetzten – eigentlich sollte es umgekehrt sein.
IT-Fachkräfte verstehen den Business-Nutzen von SIAM besser als ihre Vorgesetzten – eigentlich sollte es umgekehrt sein. (Bild: Fotogestöber, Fotolia)

Auch für deutsche Unternehmen wird es Zeit, ihre Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Das wäre besonders wichtig angesichts zunehmend komplexer werdender Lieferantenbeziehungen. Doch wie aufgeschlossen ist man da, wollte das Markforschungsunternehmen Opinion Matters wissen.

Im Auftrag von Cherwell Software wurden hierzu 100 IT-Senior-Fach- und Führungskräfte aus großen Unternehmen mit Sitz in Großbritannien, Deutschland und Frankreich befragt. Die Unternehmen sollten angeben, wie und mit welchen Prozessen sie die Zusammenarbeit mit einer stetig wachsenden Anzahl von Lieferanten und Partnern steuern, und inwieweit das Konzept des Service Integration und Management (SIAM) bereits in den Führungsetagen angekommen ist. Das Fazit: Die Unternehmen sind zwar Vorreiter in Sachen Service Management, haben jedoch bei Prozessmanagement, Personaleinsatz und Transparenz noch Nachholbedarf.

SIAM ist ein Ansatz für die Integration und das Management von IT-Dienstleistungen verschiedener Hersteller und bietet Anwendern eine einheitliche und geschäftsorientierte Organisation ihrer IT. SIAM zielt darauf ab, voneinander abhängige Services interner und externer Lieferanten nahtlos zu integrieren. Dadurch soll es die schnelle und effiziente Bereitstellung unternehmensweiter Business-Anwendungen ermöglichen. Eine gut implementierte SIAM-Strategie bietet zwei Vorteile: Mehr Governance und Kontrolle über die interne IT. Zudem können einheitliche Service Level Agreements (SLA) für Qualität, Performance oder Verfügbarkeit festgelegt werden. Organisationen haben zudem die Kontrolle darüber, dass sie nur für tatsächlich genutzte Services zahlen und alle Dienstleister entsprechend der jeweiligen Unternehmensrichtlinien arbeiten.

Noch Verbesserungspotenzial

Rund 56 Prozent der befragten Unternehmen aus Deutschland gaben an, dass sie für die Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten bereits gemeinsam genutzte Online-Portale einsetzen In England und Frankreich sind es immerhin 52 Prozent. Obwohl das Konzept des Service Integration Management noch relativ neu ist, haben 60 Prozent der Unternehmen hierzulande bereits entsprechende Lösungen und Prozesse implementiert. Dennoch setzen 40 Prozent bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten nicht auf automatisierte Prozesse, 48 Prozent nutzen keine Business-Service-Kataloge und 12 Prozent arbeiten sogar händisch. Das bedeutet im Klartext: Viele Informationen müssen nach wie vor mit teils hohem Aufwand manuell recherchiert werden oder erfordern zeitaufwändige zusätzliche Absprachen mit den Servicepartnern.

Viele Unternehmen nutzen zwar bereits Tools zur Automatisierung von Prozessen. Dennoch wird noch ein Teil der Arbeit klassisch von Hand erledigt.
Viele Unternehmen nutzen zwar bereits Tools zur Automatisierung von Prozessen. Dennoch wird noch ein Teil der Arbeit klassisch von Hand erledigt. (Bild: Cherwell Software)

Einer der Vorteile der Digitalisierung von Lieferantenbeziehungen ist eine erhöhte Kostentransparenz. Monitoring-Systeme helfen dabei, einen Überblick darüber zu erhalten, dass Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten nur für genutzte Dienste zahlen. Ein Großteil der Befragten Fach- und Führungskräfte gaben an, dass sie dieses System permanent (32 Prozent), oft (48 Prozent) oder nur gelegentlich (12 Prozent) verwenden. Großbritannien liegt in dieser Kategorie an der Spitze: 38 Prozent der britischen Befragten gaben an, dass sie ihr System permanent nutzen, in Deutschland liegt der Anteil bei 32 Prozent, in Frankreich bei 20 Prozent.

Verständnis von SIAM

Die Studien-Ergebnisse zeigen außerdem, dass über alle drei Länder hinweg mehr Senior-IT-Fachkräfte (38 Prozent) SIAM-Prozesse implementiert haben als im Vergleich dazu die befragten Führungskräfte (21 Prozent). Fachkräfte, die sich tagtäglich mit IT-Management-Themen beschäftigen, verstehen den konkreten Nutzen von Service Integration und Management erwartungsgemäß besser als ihre Vorgesetzten und treiben entsprechende Projekte stärker voran. Führungskräfte haben also offensichtlich noch starken Nachholbedarf in Sachen IT Management. Außerdem liegt es nahe, dass Senior-IT-Fachkräfte zur Bewilligung entsprechender Projekte auf Seiten des Managements noch reichlich Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Senior-IT-Fachkräfte engagiert und proaktiv ihre Lieferantenbeziehungen verwalten. Dennoch haben mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der befragten Unternehmen nach wie vor weder ein SIAM-Framework noch SIAM-Prozesse eingeführt. Matthew Neigh, Vice President EMEA von Cherwell Software, empfiehlt Unternehmen daher dringend neue und effiziente Möglichkeiten zu schaffen, um mehr Wettbewerbsfähigkeit und Kosteneinsparungen zu erzielen, „anstatt eine Armee von IT-Fachkräften für das reine Management von Lieferanten und Business-Services zu unterhalten“.

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