Definition: Strategie zur modularen Softwareauswahl Was ist eine Best-of-Breed-Strategie?

Autor / Redakteur: chrissikraus / Elke Witmer-Goßner

Die Best-of-Breed-Strategie ist eine Vorgehensweise, um Software zu wählen, die den Anforderungen und Prozessen eines Unternehmens gerecht wird. Bei dieser Strategie wird eine individuelle Kombination aus verschiedenen Programmen manuell selektiert.

„Best of Breed“ bedeutet, die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten passende Softwareunterstützung einzusetzen. Im Prinzip geht es also um anwendungsspezifische Modularität und Kombination verschiedener Lösungen.
„Best of Breed“ bedeutet, die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten passende Softwareunterstützung einzusetzen. Im Prinzip geht es also um anwendungsspezifische Modularität und Kombination verschiedener Lösungen.
(Bild: gemeinfrei © Gerd Altmann / Pixabay )

Software ist aus dem betrieblichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie hilft dabei, verschiedenste Aufgaben computergestützt zu erledigen. Damit effizient gearbeitet werden kann, muss die Software die betrieblichen Prozesse im erforderlichen Rahmen abbilden. Die verwendete Software muss also dem Bedarf entsprechend ausgewählt werden. Manchmal bedeutet das, dass bereits eine relativ breit aufgestellte Allzweck-Software genügt.

Manchmal ist es aber auch am besten, eine branchenspezifische Komplettlösung zu verwenden, welche in etwa die wichtigsten täglichen Arbeitsgebiete abdeckt. Und manchmal ist es notwendig, dass man durch sorgfältige Auswahl ein individuelles Komplettsystem aus unterschiedlicher, teils hoch spezialisierter Software zusammenstellt. Hier spricht man von einer Best-of-Breed-Strategie.

Best-of-Breed: gezielte Auswahl der optimalen Software

Der Gedanke hinter dieser Strategie ist, die optimalen Programme für jeden Aufgabenbereich zu finden. Man wählt sich also aus jedem Anwendungsbereich die Software, die den betrieblichen Prozessen am besten entspricht, statt auf eine lückenhafte oder zu allgemeine Lösung zu setzen. So kann man sich Stück für Stück ein Komplettsystem aufbauen, das nahezu perfekt den realen Bedürfnissen im Unternehmen entspricht. Best-of-Breed aus Sicht von Softwareherstellern kann so interpretiert werden, dass man versucht, für eine bestimmte Nische die bestmögliche Software zu entwickeln, statt eine große, allumfassende Allgemeinlösung zu programmieren.

Best-of-Breed vs. Best-of-Suite

Der Best-of-Breed-Strategie wird häufig die Best-of-Suite-Strategie gegenübergestellt. Bei der Best-of-Suite-Strategie wird nach einer Gesamtlösung gesucht, welche alle wichtigen betrieblichen Prozesse integriert und möglichst noch einige Schnittstellen zu wichtigen Drittanbietern liefert. Häufig fällt die Wahl auf das Angebot des Marktführers, da diese Angebote in der Regel bereits ein sehr breites Spektrum an passenden Tools enthalten und zahlreiche Schnittstellen unterstützen. Zu den Nachteilen zählt, dass man sich in großem Maße an einen einzelnen Hersteller bindet und für Spezialfälle möglicherweise versuchen muss, zusätzliche Software in das System zu integrieren oder ein kostenpflichtiges Customizing beim Hersteller zu bestellen. Vorteile entstehen vor allem im Bereich der Wartung und Handhabung. Außerdem hat sich die Software in der Regel bereits über Jahre hinweg auf dem Markt etabliert, was höhere Zuverlässigkeit verspricht.

Vorteile einer Best-of-Breed-Strategie

  • Präzision: Wird das Gesamtsystem aus einzelnen spezialisieren Programmen zusammengesetzt, kann man es exakt auf die Bedürfnisse des Unternehmens zuschneiden. An jeder Stelle kann individuell entschieden werden, wie spezifisch oder allgemein ein Stück Software sein muss, um den Anforderungen gerecht zu werden. So vermeidet man ein System, das stellenweise zu oberflächlich ist oder insgesamt zu viele unnötige Funktionen mit sich bringt.
  • Flexibilität: Wählt man alle Programme individuell aus, kann man sehr flexibel vorgehen und die Software so kombinieren, wie es die internen Prozesse vorgeben. Ferner kann man das System auch in Zukunft leichter an sich wandelnde Anforderungen und Konditionen anpassen, z. B. wenn die Kosten für eine Komponente zu hoch werden, wenn ein Hersteller seine Software einstellt oder wenn Software auf den Markt kommt, die noch besser den Bedürfnissen des Unternehmens entspricht.
  • Implementierung: Einzelne Programme können in der Regel schnell im produktiven Umfeld implementiert werden, weil es vergleichsweise wenige Abhängigkeiten gibt. Auch können Programme jederzeit entfernt oder hinzugefügt werden, ohne dafür stark in das Gesamtsystem eingreifen zu müssen.
  • Unabhängigkeit: Wenn viele unterschiedliche Anbieter in Betracht gezogen werden können, ist man nicht gezwungen, sich von einem einzigen Hersteller abhängig zu machen. Der berüchtigte Vendor Lock-in lässt sich recht gut vermeiden und man bleibt bei der Wahl einzelner Komponenten relativ frei.

Mögliche Nachteile der Best-of-Breed-Strategie

  • Kosten: Eine individuell zusammengesetzte Softwarelandschaft aus vielen einzelnen Programmen kann unter Umständen teuer werden. Für jedes einzelne Programm fallen in der Regel Lizenzgebühren an und das Gesamtsystem kann damit in der Summe häufig mehr kosten als eine branchenspezifische Komplettlösung. Dieser Kostenfaktor fällt noch mehr ins Gewicht, wenn die individuelle Lösung mit dem wachsenden Unternehmen skaliert werden soll.
  • Aufwand: Bei der Auswahl einzelner Programme muss sorgfältig geplant und recherchiert werden. Man muss herausfinden, welche konkreten Anforderungen im Unternehmen bestehen und welche Kombination aus Software diese optimal erfüllt. Außerdem kann die Wartung zahlreicher unterschiedlicher Programme und Schnittstellen einen erhöhten Aufwand in der Wartung bedeuten.
  • Schnittstellen: Eine individuelle Zusammenstellung aus verschiedener Software stellt die Herausforderung, dass nicht unbedingt alle Programme die gewünschten Schnittstellen bieten bzw. vorhandene Schnittstellen nicht ohne Weiteres in der gewünschten Weise kompatibel sind. Es kann also zusätzlicher Aufwand entstehen, um das Gesamtsystem für die im Unternehmen typischen Szenarien zu optimieren.
  • Bedienkomfort: Es kann für Endanwender kompliziert und unkomfortabel sein, wenn sie regelmäßig zwischen vielen unterschiedlichen Programmen wechseln müssen, um ihre alltäglichen Aufgaben zu erledigen. So können ineffiziente Prozesse und Unsicherheiten bei den Mitarbeitern entstehen.
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