Monopolgefahr bei Cloud-Providern

Unzufriedenheit mit Softwareanbietern in Europa steigt

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Sowohl die Preise als auch die Nutzungsverträge sorgen für schlechte Laune bei den Anwendern.
Sowohl die Preise als auch die Nutzungsverträge sorgen für schlechte Laune bei den Anwendern. (Bild: gemeinfrei - PDPics, Pixabay / CC0)

Europäische Softwareanwender sind sehr unzufrieden mit der Preispolitik sowie unflexiblen On-Premises-, Lizenz- und -Vertragsmodellen ihrer Softwareanbieter. Die Unzufriedenheit stieg damit gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2016 deutlich.

In einer Umfrage von EuroCIO, dem europäischen Dachverband des VOICE Bundesverband der IT-Anwender e.V., übten über 100 europäische Anwenderunternehmen zum Teil massive Kritik an den großen Software-Anbietern. Durchschnittlich lag die allgemeine Zufriedenheit mit den Software-Lieferanten bei rund 46 Prozent.

Die im „Supplier Satisfaction Survey“ befragten Anwender sind Mitglieder der im EuroCIO vertretenen nationalen CIO-Verbände aus sieben Ländern sowie Direktmitglieder des EuroCIO. Im Durchschnitt haben sie On-Premise-Lizenzverträge mit vier Service-Providern. Im Cloud-Bereich sind es durchschnittlich zwei. Während im On-Prem-Sektor Microsoft, Oracle, VMware, SAP und IBM die wichtigsten Lieferanten sind, hat im Cloud-Segment Microsoft (63 Prozent der Verträge) sehr eindeutig die Nase unter den 102 Befragten vorn, gefolgt von Amazon (24 Prozent) und Salesforce (23 Prozent).

Weniger wollen wechseln

Gegenüber der Zufriedenheitsstudie 2016 sinkt die Zustimmung zu den wichtigen On-Prem-Anbietern zum Teil sehr deutlich. Beurteilten 2016 noch 87 Prozent der Befragten die lizenzierten Produkte mit „OK“, waren es 2018 nur noch 77 Prozent. Eine äußerst zurückhaltende Einschätzung, wenn man bedenkt, dass sich die Anwender aktiv für die Produkte und Services entschieden hätten, erklärt Patrick Quellmalz, Leiter VOICE-Services. Ähnlich verhält es sich mit der Zustimmung zum Lizenzmodell und zur Vertragsgestaltung. Sie ist in den zwei Jahren um 20 bzw. um 22 Prozent gesunken.

Trotzdem ist die Bereitschaft, bestehende Verträge zu verlängern, deutlich gesunken, nämlich von 70 Prozent auf unter 50 Prozent. Die Bereitschaft zur Vertragserneuerung sinkt damit um über 20 Prozent. Allerdings ist auch zu konstatieren, dass die meisten Anwender aus ihrer zurückgehenden Zufriedenheit keine Konsequenzen ziehen. Nur etwa 25 Prozent wollen zu einem anderen Provider wechseln und noch weniger (etwa 18 Prozent) arbeiten an konkreten Exit-Plänen. Auch wenn die Werte vor zwei Jahren noch höher lagen, sollten Anbieter das keinesfalls als Entwarnung werten und hoffen, dass ihr Vendor-Lock-in weiterhin greife, warnt Quellmalz: „Wir gehen davon aus, dass ab einer gewissen Schmerzgrenze trotz aller Schwierigkeiten der Anbieter gewechselt wird. Das kann sehr schnell gehen.“

Cisco on top, Oracle floppt

Insgesamt am zufriedensten sind die Befragten mit Cisco, VMware und Microsoft. Am wenigsten zufrieden sind sie mit Oracle. Nur 29 Prozent der Befragten sind insgesamt zufrieden mit dem Anbieter. Hier arbeiten auch die meisten Anwender an Exitplänen (39 Prozent). SAP schneidet mit einer allgemeinen Zufriedenheitsrate von 43 Prozent unter den wichtigen sechs Providern leicht unterdurchschnittlich ab. Auffällig ist beim deutschen Softwarehaus, dass die Bereitschaft der Befragten, ihre Verträge erneut abzuschließen, von 80 Prozent im Jahr 2016 auf aktuell unter 40 Prozent gefallen ist.

Im Cloud-Bereich weist die Studie nur für Amazon und Microsoft detaillierte Ergebnisse aus. Demnach sind 88 Prozent der Befragten insgesamt mit Amazon zufrieden und 62 Prozent mit Microsoft. Das Verhalten der Cloud-Provider weise, so die Autoren der Studie, trotz inzwischen stärkerer Konkurrenz im Cloud-Markt monopolistische Züge auf. Doch angesichts steigender Preise werden Provider-Wechsel für Anwender wirtschaftlich attraktiver. „Das wird den Cloud-Markt in Bewegung bringen“, glaubt Quellmalz.

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