Ob in Unternehmen oder Behörden: Der Trend zur Digitalisierung und zum Einsatz von Cloud-Plattformen und -Services ist ungebrochen. Umso wichtiger ist es, dabei für Datenschutz und -sicherheit sowie Compliance und Governance zu achten. Souveräne Clouds bieten maximale Unabhängigkeit bei optimaler Kontrolle und Einhaltung aller Vorschriften.
Die rechtssichere Nutzung von IT-Infrastrukturen und -Services in sogenannten souveränen Clouds bieten sichere, lokalisierte Umgebungen für die Datenspeicherung und -verarbeitung.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)
Das Thema digitale Souveränität wird seit einiger Zeit in Deutschland und auf EU-Ebene eingehend debattiert. Im Mittelpunkt steht dabei der Wunsch nach möglichst vollständiger Anbieterunabhängigkeit und Transparenz sowie hoher Sicherheit bei gleichzeitig umfassender Einhaltung aller landesspezifischen Gesetze und Vorgaben. Zudem darf keinerlei ungewollter Datenzugriff durch Dritte möglich sein. Die Kontrolle über die gespeicherten Daten muss stets vollständig beim jeweiligen Besitzer liegen.
Ein Beispiel für ein entsprechendes Projekt rund um Datensouveränität ist die europäische Initiative Gaia-X, zu deren Mitgliedern zahlreiche Cloud-Spezialisten, aber auch bekannte große und mittelständische europäische Unternehmen zählen – darunter etwa DE-CIX, die Deutsche Telekom, SAP und Siemens. Über Cloud-Provider sind mittlerweile souveräne Cloud-Dienste verfügbar, die sich die Umsetzung der genannten Eckpunkte auf die Fahnen geschrieben haben.
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Wie sieht eine souveräne Cloud aus?
Eine souveräne Cloud („Sovereign Cloud“) unterscheidet sich teils deutlich von gängigen Public-Cloud-Angeboten. So werden die Daten der Kunden ausschließlich lokal in ihrem jeweiligen Land oder der betreffenden geografischen Region wie etwa der EU gespeichert. Auch die dafür nötige Infrastruktur befindet sich vor Ort. Dies sorgt dafür, dass entsprechende gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Dazu zählt zum Beispiel die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Sie sieht strenge Regeln vor, deren Nichtbeachtung empfindliche Strafen nach sich ziehen kann. Die Hoheit über die Daten und ihre Nutzung liegt deshalb stets beim jeweiligen Cloud-Kunden: Er allein legt fest, wer auf welche Informationen zugreifen kann und wie genau diese zu verwenden sind.
Die Provider von souveränen Clouds erfüllen meist etliche nationale und internationale Sicherheits- und Compliance-Vorgaben sowie Industriestandards. Sie setzen bevorzugt auf Open-Source-Lösungen, um für möglichst weitreichende Kompatibilität und Interoperabilität mit anderen Systemen zu sorgen. Auf diese Weise wird auch sichergestellt, dass sich Daten und Workloads weitgehend nahtlos mit herkömmlichen Cloud-Umgebungen austauschen lassen. Grundsätzlich werden alle Datenzugriffe und Nutzeraktivitäten auditierbar überwacht und protokolliert. Ein Informationssicherheitssystem („Information Security Management System“, ISMS) sorgt zudem dafür, dass die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen stets am Puls der Zeit sind.
Sicherheit im Fokus
Bei der souveränen Cloud hat für die Nutzer vor allem die (Daten-)Sicherheit höchste Priorität. Sie wollen sensible Informationen möglichst so speichern und nutzen, dass nicht nur sämtliche gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind, sondern auch jegliche missbräuchliche Verwendung ausgeschlossen ist. Die dafür nötigen Maßnahmen und der Aufbau einer rechtskonformen Infrastruktur sind für die meisten Organisationen nicht in Eigenregie zu bewältigen. In diese Bresche springen die Anbieter souveräner Clouds: Sie erfüllen diese Anforderungen und stellen zudem die Integration in bestehende Umgebungen sowie die Zukunftssicherheit und Skalierbarkeit ihrer Plattform sicher. Kunden können je nach Bedarf zusätzliche Ressourcen hinzubuchen, um mit veränderten Geschäftsbedingungen Schritt zu halten. Zudem weisen die Cloud-Provider über spezifische Zertifizierungen wie etwa BSI C5 („Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue“) oder PCI DSS („Payment Card Industry Data Security Standard“) die Konformität zu spezifischen Vorgaben nach.
Dementsprechend ist die souveräne Cloud für etliche Branchen und Anwendungsfälle sowie Behörden und öffentliche Einrichtungen interessant. Gängige Beispiele sind etwa Finanz- und Gesundheitswesen mit großen Mengen an äußerst sensiblen Daten, die nur unter Berücksichtigung zahlreicher regulatorischer und datenschutzrechtlicher Vorgaben gespeichert und verarbeitet werden dürfen. Auch im behördlichen Umfeld und bei der öffentlichen Verwaltung sieht es ähnlich aus.
Stand: 08.12.2025
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Potenzial groß, Bekanntheitsgrad noch ausbaufähig
Die potenziellen Vorteile einer souveränen Cloud sind allerdings noch wenig bekannt: Nur 4 Prozent der Entscheider in Unternehmen können laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom erklären, worum es dabei handelt. Immerhin: 31 Prozent der Befragten wissen zumindest ungefähr, worum es geht. 21 Prozent haben von souveränen Clouds gehört, können ihre Funktion aber nicht erklären. Dem Großteil (41 %) sind die souveränen Angebote völlig unbekannt.
„Anbieter souveräner Cloud-Angebote müssen noch viel Aufklärungsarbeit leisten, wenn sie sich am Markt etablieren wollen“, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Das Potenzial für souveräne Clouds sei aber auf jeden Fall groß.