Der Weg in die SAP-Cloud So gelingt die digitale Operation am offenen Herzen

Von Thomas Lorenz* 5 min Lesedauer

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Die Migration auf SAP-S/4HANA-Cloud steht für viele Unternehmen ganz oben auf der digitalen Agenda. Der Mainstream-Support für SAPs ERP läuft bis Ende 2027 aus. Was nach einem logischen Technologieschritt klingt, entpuppt sich in der Praxis als Mammutaufgabe.

Die Migration auf SAP-S/4HANA-Cloud ist für viele Unternehmen eine dringende Priorität und Herausforderung.(Bild:  ASGraphicsB24 - stock.adobe.com)
Die Migration auf SAP-S/4HANA-Cloud ist für viele Unternehmen eine dringende Priorität und Herausforderung.
(Bild: ASGraphicsB24 - stock.adobe.com)

Die Realität in vielen Unternehmen: Sie haben komplexe IT-Landschaften, zahlreiche individuell angepasste Prozesse und eine Infrastruktur, die über Jahre gewachsen ist. Wer hier einen radikalen Schnitt plant, riskiert nicht nur technische Reibungsverluste, sondern auch geschäftskritische Ausfälle. Die Frage ist also nicht, ob Unternehmen migrieren sollen, sondern wie – ohne dabei den laufenden Betrieb zu gefährden.

Warum die SAP-Migration so herausfordernd ist

Die Umstellung auf SAP-S/4HANA-Cloud geht weit über ein simples System-Upgrade hinaus. Es handelt sich um einen grundlegenden Wechsel der Plattform – weg von monolithischen On-Premises-Lösungen hin zu modularen, cloudbasierten Architekturen. Dabei treffen Unternehmen auf zahlreiche Stolpersteine: hochgradig angepasste Altsysteme, nicht dokumentierte Eigenentwicklungen, über Jahre gewachsene Prozessvarianten – und nicht zuletzt interne Unsicherheit darüber, wie tiefgreifend die Transformation wirklich sein wird.

Dazu kommt: Die Migration muss meist parallel zum Tagesgeschäft erfolgen. IT-Abteilungen sind ohnehin stark ausgelastet, Mitarbeitende benötigen Schulung und Change Management, und jeder Fehler im System kann unmittelbare Auswirkungen auf das Geschäft haben. Die größte Herausforderung liegt deshalb oft nicht in der Technik, sondern in der Komplexität der Organisation.

Ein smarter Ansatz für die SAP-Transformation

Prozessorchestrierungs-Plattformen bieten einen Weg, diese Komplexität zu beherrschen. Anstatt den großen „Big Bang“ zu riskieren, ermöglichen sie eine schrittweise Migration: Bestehende Prozesse und Systeme werden nicht auf einmal abgelöst, sondern sukzessive eingebunden, erweitert und modernisiert, ohne das operative Geschäft zu gefährden.

Die Plattform fungiert dabei als Integrationsschicht zwischen dem alten und dem neuen System. Sie verbinden SAP-Module mit bestehenden CRM-, HR- oder Finanzsystemen, gleichen Datenflüsse ab, automatisieren Workflows und erlauben ein konsistentes Prozessdesign – unabhängig davon, auf welchem System die Daten gerade liegen. So entsteht eine „Agilitätsschicht“ (engl. Agility Layer), die es Unternehmen erlaubt, Innovation und Stabilität gleichzeitig zu denken.

Den SAP-Kern sauber halten

Ein zentrales Ziel bei der Migration auf S/4HANA-Cloud ist es, den sogenannten „Clean Core“ beizubehalten – also möglichst auf individuelle Anpassungen innerhalb des SAP-Kerns zu verzichten. Nur so bleibt das System updatefähig und langfristig wartbar. Doch wie lässt sich das mit den vielen Sonderlösungen vereinbaren, die Unternehmen mitunter über Jahrzehnte echte Wettbewerbsvorteile ermöglicht haben?

Auch hier setzen Prozessorchestrierungs-Plattformen an: Statt Anpassungen im Kern selbst umzusetzen, werden sie ausgelagert – in Form von Low-Code-Workflows oder externen Services, die eng mit dem SAP-System kommunizieren, ohne es zu verändern. Unternehmen bleiben dadurch flexibel, ohne die Vorteile eines standardisierten Systems zu verlieren.

Automatisierung als Effizienztreiber in der Migration

Die Verbindung von Alt und Neu ist nicht nur eine technische Herausforderung – sie bietet auch die Chance, Prozesse neu zu denken. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Automatisierung: Standardprozesse wie Genehmigungen, Antragsprüfungen oder Freigaben lassen sich digital abbilden, in Workflows überführen und weitgehend automatisieren.

Das reduziert manuelle Aufwände, minimiert Fehlerquellen und beschleunigt Abläufe. Gleichzeitig verbessert die Automatisierung die Transparenz – insbesondere dann, wenn alle beteiligten Systeme über eine gemeinsame Plattform orchestriert werden. Integrierte Dashboards zeigen in Echtzeit, wo Prozesse nicht wie geplant ablaufen, Ressourcen fehlen und wo Optimierungspotenzial zu finden ist.

Vom Dokument zur Entscheidung

Ein weiterer Baustein moderner Prozessorchestrierung ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Technologien wie Intelligent Document Processing (IDP) erlauben es, unstrukturierte Informationen – etwa aus E-Mails, PDFs oder eingescannten Dokumenten – automatisiert zu erfassen, zu klassifizieren und in strukturierte Daten zu überführen. So entsteht die Grundlage für durchgängig digitale, automatisierte Workflows.

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Die nächste Stufe: Generative KI-Modelle und Large Language Models, die Zusammenhänge erkennen, Entscheidungen vorbereiten und selbstständig Handlungsvorschläge ableiten können. Dabei wird zunehmend auf Private AI gesetzt – also auf KI-Systeme, die ausschließlich mit unternehmensinternen Daten arbeiten. Nur so lassen sich Datenschutz, Sicherheit und regulatorische Anforderungen zuverlässig erfüllen. Plattformen wie Appian setzen diese Sicherheitsstandards bereits heute konsequent um.

Der Mensch bleibt im Zentrum – gerade in der Automatisierung

So viel Automatisierung, so viel KI – wo bleiben da die Menschen? Die gute Nachricht: Sie bleiben unverzichtbar. Denn Automatisierung bedeutet nicht, Mitarbeitende überflüssig zu machen. Sie bedeutet zuerst, ihnen Freiräume zu schaffen. Repetitive, fehleranfällige Aufgaben entfallen, während mehr Zeit für strategische, kreative oder kundennahe Tätigkeiten geschaffen wird.

Gerade im Kontext des Fachkräftemangels wird das zu einem entscheidenden Vorteil. Unternehmen, die ihre Prozesse effizient organisieren und ihre Mitarbeitenden produktiv einsetzen, sind klar im Vorteil – nicht nur im Wettbewerb um Talente, sondern auch bei der Umsetzung ihrer Digitalstrategie.

Silos aufbrechen

Ein oft unterschätzter Aspekt der SAP-Migration ist die Chance, Zusammenarbeit neu zu denken. Prozessorchestrierungs-Plattformen fördern abteilungsübergreifende Transparenz: Daten aus Vertrieb, Einkauf, Produktion und Finance laufen in einem zentralen Prozessmodell zusammen. So entsteht ein ganzheitlicher Blick auf das Unternehmen und die Grundlage für kontinuierliche Prozessoptimierung.

Auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern, Dienstleistern oder Kunden lässt sich über diese Plattformen neu aufsetzen – sicher, nachvollziehbar und ohne Systembrüche. Das stärkt die gesamte Wertschöpfungskette.

Der Erfolgsfaktor Change-Management

So durchdacht die technische Architektur auch ist: Sie kann ihr Potenzial nur entfalten, wenn die Organisation mitzieht. Deshalb ist Change-Management ein zentraler Erfolgsfaktor der SAP-Migration. Mitarbeiter müssen verstehen, warum Prozesse sich verändern, welche neuen Werkzeuge ihnen zur Verfügung stehen und wie sie diese effektiv nutzen können.

Dazu gehören Schulungsmaßnahmen, klare Kommunikation und die frühzeitige Einbindung aller Stakeholder. Nur so kann eine Unternehmenskultur entstehen, die Veränderung nicht als Risiko, sondern als Chance begreift.

Migration mit Perspektive

Die Umstellung auf SAP-S/4HANA-Cloud ist eine Herausforderung. Aber sie ist auch eine große Chance. Wer sich frühzeitig mit Prozessorchestrierung, Automatisierung und KI auseinandersetzt, kann nicht nur Altlasten abbauen, sondern echte Innovation schaffen. Die richtige Plattform macht den Unterschied – sie ermöglicht Flexibilität, minimiert Risiken und legt den Grundstein für eine moderne, resiliente und zukunftsfähige IT-Landschaft. Statt „Entweder-Oder“ gilt heute: Stabilität und Wandel, Standardisierung und Individualität, Effizienz und Menschlichkeit – alles auf einer Plattform, die Alt und Neu miteinander verbindet.


* Der Autor Thomas Lorenz ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker mit umfangreicher Erfahrung in den Bereichen Solutions Consulting und Software Delivery. Er hat sich während seiner Laufbahn insbesondere mit den Themen Prozessautomatisierung, künstliche Intelligenz, Service-Management, Projektmanagement und Coaching sowie Teambuilding beschäftigt. Zurzeit leitet er das Solutions Consulting Team für Appian in der Region Central Europe.

Bildquelle: Appian

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