Trotz des Cloud-Hypes – die Cloud gilt mittlerweile als Commodity – bevorzugen fast 60 Prozent der Unternehmen für ihr Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) immer noch den Eigenbetrieb on-premises. Das geht so weit, dass 23,8 Prozent die Public Cloud prinzipiell ablehnen.
Die Migration auf SAP S/4HANA bietet Vorteile wie Automatisierung durch künstliche Intelligenz.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Besonders regulierte Branchen, die umfangreiche Governance- und Compliance-Richtlinien erfüllen müssen, gehören zu dieser Gruppe, hat die Umfrage „SAP Survey 2024“ der Digitalisierungberatung Valantic unter mehr als 200 SAP-Experten in Deutschland ergeben. Für einige besonders sicherheitskritische Unternehmen untersagt der Gesetzgeber explizit den Cloud-Betrieb oder macht sehr strenge Vorgaben. Sorgen bereiten den Cloud-Zögerern aber nicht nur die Datensicherheit und der Datenschutz. Die große Anzahl an Eigenentwicklungen, die ja auch in die Cloud migriert werden müssen, und geringere Einflussmöglichkeiten im Cloud-Betrieb bereiten den Abwartenden Kopfschmerzen (beide jeweils 47,6 % laut Valantic-Umfrage).
Cloud findet Zustimmung und macht doch Kopfschmerzen
Der Mehrheit der Unternehmensentscheider, das zeigen die Umfrageergebnisse, sind die vielen Vorteile des Cloud-Betriebs sonnenklar. Dazu zählen: Unternehmen, die Public-Cloud-Lösungen präferieren, müssen sich nicht mehr selbst um das Hosting kümmern (57,1 %), denn das übernimmt der Cloud Provider. Sie profitieren außerdem automatisch und als Erste von Updates, Funktionsverbesserungen und Innovationen (52,4 %), ohne dass unternehmensinterne Ressourcen dafür aufgewendet werden müssen. Zusätzlich harmonisieren Best Practices die Geschäftsprozesse der Cloud-Kunden und generieren dadurch weitere unternehmerische Vorteile.
Die Antworten der Teilnehmer der Valantic-Umfrage auf die Frage: „SAP S/4HANA Public Cloud: Was sind sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Vorteile?“
(Bild: Valantic)
Bei größeren Upgrades und der Migration in die Cloud bereiten jedoch unternehmensinterne Eigenentwicklungen Kopfschmerzen. In großen Unternehmen kann sich die Anzahl der Erweiterungen schnell auf einige hundert oder sogar mehrere tausend sogenannter „SAP Extensions“ aufsummieren. Warum tun sich Unternehmen das an? Trotz der Nutzung von Best Practices und der Fokussierung auf Standard-Prozesse erachten es Business-Entscheider als notwendig, ihre Enterprise-Anwendungen anzupassen und Erweiterungen vorzunehmen.
Viele Unternehmen sehen in individuellen Prozessen oder Prozessvarianten Wettbewerbsvorteile. Mit individuellen und innovativen Erweiterungen möchte man sich vom Wettbewerb differenzieren. Das gelingt auch. Nur erfordern Eigenentwicklungen, die nicht dem SAP Standard entsprechen, bei Software-Upgrades und Cloud-Migrationen häufig zeit-und personalintensive Anpassungsmaßnahmen, die jedes Unternehmen gerne vermeiden möchte.
Die Rolle der SAP Business Technology Platform
Mit seiner „Business Technology Platform“ (BTP) offeriert SAP eine Lösung, Eigenentwicklungen zu programmieren und gleichzeitig im Standard zu bleiben. Außerdem bietet die BTP viele weitere Vorteile, auch bei der Integration von Künstlicher Intelligenz. 56 Prozent der Umfrageteilnehmer des Valantic SAP Survey 2024 haben das bereits erkannt und setzen die BTP ein – eine markante Steigerung gegenüber den 34 Prozent des Vorjahres – und weitere knapp 21 Prozent planen gerade die Einführung.
Dabei sehen die Entscheidern in den Unternehmen die BTP vor allem als Integrationsmaschine (64 %). Damit eng zusammenhängend wird der BTP aber vor allem in der Applikationsentwicklung, das heißt bei der Programmierung eigener Module und Extensions, eine hohe Relevanz zugesprochen (58,2 %). Außerdem wichtig in Sachen BTP, wenn es um praktische Mehrwerte geht: SAP Analytics Cloud Reporting (41,8 %), Automation (36,3 %) und künstliche Intelligenz (29,7 %).
Der „Chatbot Joule“ ist für die Teilnehmer der Valantic-Umfrage der interessanteste angekündigte KI-Service der SAP BTP.
(Bild: Valantic)
Vorteile der SAP-S/4HANA-Migration
Es gibt also einen Königsweg, durch Erweiterungen die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und gleichzeitig aufwändige Anpassungsarbeiten in Zukunft zu vermeiden: die SAP BTP. Die BTP unterstützt auch bei der Migration auf SAP „S/4HANA“. Die Teilnehmer der Umfrage, so eines der Ergebnisse, setzen dabei großes Vertrauen in SAPs Zukunftsplattform S/4HANA.
76,5 Prozent, das ist mit großem Abstand der höchste Wert, wollen durch eine Migration auf S/4HANA vor allem Automatisierungsmöglichkeiten durch KI, Predictive Analytics und verwandte Data-Science-Technologien stärker ausschöpfen als bisher, um sich dadurch im Wettbewerb besser aufstellen und in Zukunft erfolgreicher wirtschaften zu können.
Im Urteil der Umfrageteilnehmer bietet die Migration auf S/4HANA sogar noch weitere unternehmerische Vorteile: Mit S/4HANA lassen sich SAP-Anwendungen leichter standardisieren und Geschäftsprozesse schneller in Real-time-Prozesse transformieren. Das sind klare Vorteile und starke Motivatoren. 23,8 Prozent haben daher die Umstellung auf S/4HANA bereits abgeschlossen, 21,4 Prozent (Vorjahr: 9,5%) stecken aktuell mitten im Migrationsprojekt.
Die größte Steigerung und mehr als eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr: 45,2 Prozent denken intensiv über eine Umstellung nach und planen die Transformation auf SAP S/4HANA. Im Vorjahr 2023 waren es lediglich 13,2 Prozent.
Gründe für Verzögerungen
Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis SAP Kunden Transformationsprojekte auf S/4HANA endlich in Angriff nehmen? Mit Abstand der Hauptgrund scheinen fehlende Ressourcen zu sein (69,1 %). Nun beklagen sich Führungskräfte in Unternehmen eigentlich regelmäßig über zu knappe Ressourcen und es gäbe ja den perfekten Workaround über externe Dienstleister, um diesen Bottleneck zu umschiffen. Interessant ist es deshalb, einen Blick auf die weiteren Antworten zu werfen.
Stand: 08.12.2025
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54,8 Prozent sehen ihre ERP-Landschaft als stark individualisiert und befürchten daher hohe Arbeitsaufwände bei der Migration auf S/4HANA. 38,1 Prozent ist bislang schlicht und einfach der Kostenaufwand zu hoch.
Komplexe Herausforderungen wie Clean Core-, Cloud Readyness- und Future proof-Konzepte erzwingen die Entwicklung einer maßgeschneiderten Erweiterungsstrategie für die Organisation. Hier kann die „SAP Application Extension Methodology“ unterstützen und den Weg weisen, indem sie einen strukturierten, technologie-agnostischen Ansatz für Kunden und Partner bietet, um eine organisationsbezogene Erweiterungsstrategie zu definieren. Sie unterstützt den Enterprise-Architekten dabei, seine Erweiterungsanwendungsfälle zu bewerten und eine Erweiterungsziel-Lösung auf strukturierte und formalisierte Weise zu definieren.
* Der Autor Rüdiger Hoffmann ist Managing Director beim IT-Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen Valantic.