Wer sich im Lizenzdschungel des Oracle-Universums verlaufen hat, kann oftmals auf Hilfe von außen nicht verzichten. Mit Automatisierung können sich Unternehmen für die komplexen Metriken wappnen, denn bei Unterlizenzierung droht Ungemach im Falle eines Audits.
Den Weg durch den Lizenzdschungel muss man erst einmal finden.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Es ist die Mischung aus Technik, Verträgen und Policies, die das Linzenzmodell von Oracle so vertrackt macht. Zum einen sind da die technischen Faktoren: „Die Lizenzierung hängt von der Prozessor-Architektur, der Anzahl der Kerne und vom Einsatz von Virtualisierungstechnologien ab“, erläutert Owen Hughes, Solutions Engineering Leader bei Flexera, der zudem viele Jahre bei Oracle gearbeitet hat.
Gerade VMware sei in diesem Zusammenhang berüchtigt, „weil Oracle die Grenzen zwischen Hosts nicht anerkennt und dadurch im Zweifel ganze Cluster lizenzpflichtig sind“. Zusätzlich sorge das Produkt-Bundling von Oracle für Verwirrung, berichtet der Lizenzprofi aus der Praxis: Komponenten, die ein Inventarisierungstool entdeckt, können demnach entweder Bestandteil eines anderen Produkts sein – oder eine separate Lizenz erfordern.
Hinzu kommen vertragliche Faktoren. „Oracle arbeitet mit unterschiedlichen Metriken wie Prozessor- oder Named-User-Plus-Lizenzen, die jeweils eigene Regeln haben“, so Hughes. Viele Unternehmen hätten außerdem über Jahre hinweg verschiedene Verträge und Sonderkonditionen abgeschlossen. Diese Unterschiede erschweren es dann zusätzlich, eine klare und konsistente Gesamtbewertung zu behalten.
Der Teufel steckt im Detail
Darüber hinaus spielen auch die Rahmenbedingungen und Nutzungsszenarien eine wichtige Rolle: Oracle ändert laut Hughes regelmäßig seine Policies und zwingt Unternehmen damit, ihre Lizenzstrategie immer wieder anzupassen. Hinzu kommen demnach spezielle Regeln für Cloud-Angebote, die sich deutlich von klassischen On-Premises-Lizenzen unterscheiden. Besonders tückisch seien auch Datenbank-Funktionen oder Packs, die automatisch aktiviert werden und sofort lizenzpflichtig sein können, selbst wenn sie gar nicht bewusst genutzt werden. „All diese Ebenen zusammen sorgen dafür, dass das Oracle-Lizenzmodell für viele Unternehmen schwer durchschaubar und fehleranfällig ist“, weiß der ehemalige Oracle-Mitarbeiter.
Hintergrund
Software-Lizenzen auf dem Prüfstand
Flexera will im umfragebasierten „State of ITAM 2025 Report“ belegt haben, dass fast jedes zweite Unternehmen in den vergangenen drei Jahren über eine Million Euro an Audit-Strafen zahlen musste – unabhängig vom Anbieter. Diese Zahl zeige, wie schnell mangelnde Vorbereitung ins Geld geht und warum Audit Defense ganz oben auf der Agenda stehen sollte, heißt es aus dem Unternehmen.
Fehlende Transparenz
IT-Abteilungen kämpfen laut dem Flexera-Teamleiter vor allem mit fehlender Transparenz: „Viele IT-Abteilungen berichten uns, dass sie schlicht nicht wissen, welche Oracle-Produkte tatsächlich installiert sind und welche Zusatzoptionen im Hintergrund aktiv wurden.“ Ohne diesen Überblick können diese Firmen Compliance aber kaum zuverlässig nachweisen. Auch das Produkt-Bundling trage zur Komplexität bei – etwa wenn unklar ist, ob ein WebLogic-Server Teil eines anderen Oracle-Produkts ist oder separat lizenziert werden muss.
Wenn der Auditor zweimal klingelt
Das alles führe mitunter zu hohem Ressourcenaufwand. Teams verbringen viel Zeit damit, Daten manuell zu sammeln, Metriken zu prüfen und Vertragsdetails abzugleichen. „Wir erleben das immer wieder bei Kunden: Ein Audit wird kurzfristig angekündigt sodass der Druck für die IT-Verantwortlichen steigt, parallel zum Tagesgeschäft Nachweise zusammenzustellen. Eine weitere Herausforderung: Die Daten, die erhoben werden müssen, sind sehr spezifisch und erfordern Fachwissen in der Interpretation. Um in Verhandlungen und möglichen Einigungen eine stärkere Position zu haben, sind verlässliche Dateneinblicke entscheidend.“
Und schließlich belastet das Kosten- und Änderungsrisiko die Planung. Hybride IT-Landschaften verändern sich rasant, während Oracle regelmäßig Policies oder Preismodelle anpasst. „Viele erinnern sich noch an die Umstellung von Java SE auf ein Abomodell – da standen IT-Manager plötzlich vor ungeplanten Mehrkosten“, blickt der Manager zurück.
Genau diese Unsicherheiten würden das Lizenzmanagement so schwierig machen, ist Hughes überzeugt und fügt an, dass in hybriden IT-Landschaften Maschinen zudem in eine andere Virtualisierungstechnologie oder in die Cloud verschoben werden können – mit direkten Auswirkungen auf die Lizenzierung. Wenn das Software-Asset-Management-Team dabei nicht eingebunden ist, hole man sich schnell zusätzliche Risiken ins Haus.
Audit-Vorbereitung als Stressfaktor
Doch wie können sich Unternehmen seiner Ansicht nach gezielt auf Oracle-Lizenz-Audits vorbereiten, um Compliance-Risiken zu minimieren? IT-Teams können sich seiner Überzeugung nach nur absichern, wenn sie ihre Oracle-Umgebungen kontinuierlich überwachen und Daten in auditkonformer Form bereithalten. Denn es sei so, dass gerade bei Oracle IT-Manager vor der Herausforderung stehen, kurzfristige Audit-Ankündigungen mit komplexen Datenanforderungen zu vereinen. Sie müssen dann Installationen, aktivierte Funktionen und Vertragsdetails sauber nachweisen – sonst akzeptiert Oracle die Angaben mitunter nicht.
Stand: 08.12.2025
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Erstaunlich sei für ihn, wie oft Lücken erst im Audit selbst auffallen, was teuer werden kann. Oracle nutze seiner Überzeugung nach bestimmte Situationen auch gezielt als Audit-Trigger. Typische Beispiele seien das Auslaufen oder Neuverhandeln eines Unlimited License Agreement oder wenn Datenbankoptionen wie Partitioning oder Advanced Compression plötzlich aktiv sind. In solchen Momenten stehen Hughes´ Erfahrung nach die Unternehmen besonders im Fokus. Wer darauf nicht vorbereitet ist, laufe seiner Erfahrung nach Gefahr, in eine teure Nachlizenzierung zu geraten.
Hintergrund
Kosten für Software-Auditierungen steigen
Für Software-Audits fallen laufende Kosten an. Da gibt es interne Kosten, die für das laufende IT- und Software-Asset-Management (ITAM) im Zusammenhang mit Audits anfallen, sowie Kosten, die extern angestoßene Überprüfungen nach sich ziehen, beispielsweise wenn Microsoft oder Oracle einen Auditierungs-Besuch abstatten. Diese Kosten steigen tendenziell. Viele ITAM-Teams arbeiten mit FinOps zusammen, um im Zusammenspiel der Lizenzen Cloud-Kosten zu kontrollieren und zu optimieren. FinOps ist eine Disziplin des Cloud-Finanzmanagements, die finanzielle Verantwortung mit Technik und Geschäftsabläufen kombiniert, um den Geschäftswert von Cloud-Investitionen zu maximieren. Sie fördert die Zusammenarbeit zwischen Technik-, Finanz- und Geschäftsteams, um datenbasierte Entscheidungen und eine transparente Kostenverteilung umzusetzen. Ziel ist es, Cloud-Ausgaben mit Geschäftszielen abzustimmen und die finanzielle Auswirkung der Cloud-Nutzung zu verstehen und zu steuern.
Automatisierte Erkennung von Oracle-Installationen
Aus Flexera-Sicht ist die Automatisierung der Erkennung von Oracle-Installationen wichtig und manuellen Prozessen überlegen. Zur Einordnung: Flexera bietet solche Lösungen im Oracle-Lizenzmanagement, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Oracle-Lizenzen effizient zu verwalten. Hughes sagt, dass die Erfahrungen bei seinem Arbeitgeber zeigen, dass dies manuell schlicht nicht mehr zu bewältigen sei. Das gelte für Oracle-Lizenzen aber auch für das Lizenzmanagement allgemein. „IT-Teams müssten Installationen auf allen Systemen durchforsten, Editionen unterscheiden und prüfen, ob Zusatzoptionen oder Packs aktiv sind. In großen, dynamischen Umgebungen ist das praktisch unmöglich und führt fast zwangsläufig zu blinden Flecken“, so seine Überzeugung.
Automatisierung schaffe an dieser Stelle den Unterschied. „Ein spezialisiertes Tool erkennt nicht nur jede Installation – von der Datenbank über WebLogic bis hin zu Solaris Containern –, sondern liefert auch auditkonforme Daten“, so der Teamleiter. Es gibt zudem an, welche Edition im Einsatz ist, und warnt, wenn lizenzpflichtige Funktionen versehentlich aktiviert wurden. „Was Unternehmen dann regelmäßig berichten: Partitioning oder Advanced Compression war aktiv – und niemand wusste davon“, berichtet er aus der Praxis.
Spezifische Risiken ergeben sich laut Hughes zudem bei der Oracle-Lizenzierung in virtualisierten Umgebungen wie VMware, weil Oracle VMware als sogenanntes Soft Partitioning einstuft, so Hughes. Das bedeute, dass Oracle die Grenzen zwischen virtuellen Maschinen letztlich nicht anerkennt, so die Interpretation des Flexera-Mitarbeiters. Schon eine einzige Datenbank-Instanz auf einer VM könne seinen Ausführungen nach dazu führen, dass man als Unternehmen die komplette physische Infrastruktur lizenzieren muss. „Nach Oracles Auslegung betrifft das nicht nur alle Hosts in einem Cluster, sondern in manchen Fällen sogar alle Cluster, die von demselben vCenter Server verwaltet werden“, so der Manager. Ein typisches Beispiel fügt er hinzu: „Ein Unternehmen mit zehn Hosts, das plötzlich alle Systeme lizenzieren muss – obwohl Oracle tatsächlich nur auf einem einzigen Host installiert ist.“
Mit den neueren VMware-Versionen sei die Situation noch schwieriger: Oracle dehnt seine Interpretation demnach auf sämtliche Hosts aus, die ein vCenter Server managt, „egal, wo die Workloads tatsächlich laufen“. Damit kann schon das Verschieben eines Workloads oder das Hinzufügen eines Hosts die Lizenzpflicht dramatisch ausweiten, betont Hughes.
Lizenzänderungen von Broadcom bei VMware-Produkten
Zusätzliche Komplexität entstehe aktuell auch durch die jüngsten Lizenzänderungen von Broadcom bei VMware-Produkten, so der Flexera-Experte. Broadcom verlange inzwischen mindestens 16 CPU-Core-Lizenzen pro Host – unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. Das zwinge Unternehmen, Workloads auf größere Hosts mit mehr CPUs zu konsolidieren oder auf Technologien wie Hard Partitioning zu setzen, mit denen sich die Lizenzierung auf bestimmte Cores begrenzen lasse. „Andere überlegen, Oracle-Workloads auf dedizierte ESX-Server auszulagern oder gleich in die Cloud zu wechseln – etwa zu Azure, AWS, Google Cloud oder in die Oracle Cloud Infrastructure“, so der Lizenzprofi.
Hintergrund
Wer ist Owen Hughes?
Owen Hughes ist Solutions Engineering Leader bei Flexera in der EMEA-Region. Während seiner über neun Jahre bei Oracle war er maßgeblich an der Einführung von Produkten beteiligt und spielte eine wichtige Rolle im Exadata-Engineered-Systems-Geschäft. Darüber hinaus hatte er leitende Positionen bei Unternehmen wie MongoDB und ServiceNow inne.
Tools, die aus dem Lizenzdschungel helfen
Es liegt auf der Hand, dass Owen Hughes von spezialisierten Tools in diesem Umfeld überzeugt ist, wie sie sein Arbeitgeber anbietet. Diese würden IT-Teams den nötigen Überblick verschaffen, den sie in komplexen Oracle-Umgebungen brauchen. Die Tools erkennen demnach automatisch alle Installationen, unterscheiden zwischen Editionen und zeigen sofort, wenn eine lizenzpflichtige Option aktiv ist. Damit können Unternehmen die Transparenzlücke schließen, die mit manuellen Prozessen nie zuverlässig zu schließen wäre, sagt der Manager.
Wie der Lizenzprofi darlegt, akzeptiert Oracle im Auditfall nur Nachweise aus bestimmten, akkreditierten Tools. Wer diese einsetzt, liefert die Daten in genau der Form, die Oracle verlangt, und vermeidet endlose Diskussionen über die Validität. IT-Manager können so jederzeit ihren Lizenzstatus belegen, sagt Hughes.
Gerade in virtualisierten Umgebungen wie VMware seien diese Tools unverzichtbar. „Sie bilden Workloads und Cluster realitätsnah ab und zeigen, welche Folgen ein verschobener Workload auf die Lizenzpflicht hat. Damit können Unternehmen Risiken quantifizieren und rechtzeitig gegensteuern. Ein positiver Nebeneffekt: Mit den Tools lassen sich auch Workloads und die gesamte Lizenzposition optimieren“, so der Teamleiter bei Flexera.
Letztlich würde so eine solide Basis für Kostenkontrolle und Planung geliefert werden. „Nach meiner Erfahrung lassen sich Szenarien so viel fundierter durchspielen“, so der Solutions Engineering Leader. Fragestellungen wären beispielsweise:
Was passiert, wenn neue Hosts ins Cluster kommen?
Was passiert, wenn Teile der Infrastruktur in die Cloud wandern?
Welche Kosten entstehen, wenn virtuelle Maschinen zu einem der von Oracle akzeptierten Cloud-Anbieter – AWS, Azure, GCP oder Oracle Cloud Infrastructure (OCI) – verschoben werden?
Die Entscheidungen aus diesem Bereich basieren dann auf harten Fakten und nicht auf dem Bauchgefühl.