Mit OpenCloud steht ein weiterer Fork von Owncloud aus Deutschland zur Verfügung. Die Cloud-Lösung kann durchaus als Alternative zu Nextcloud betrachtet werden. Wir zeigen in diesem Beitrag die private Cloud-Lösung sowie deren Einrichtung.
OpenCloud kann komplett im eigenen Rechenzentrum bereitgestellt oder über Partner gehostet werden.
OpenCloud ist ein Fork der Plattform Owncloud Infinite Scale, die ursprünglich aus Owncloud hervorging. Die zugrunde liegende Architektur wurde vollständig in Go neu entwickelt und ersetzt den früheren LAMP-Stack durch einen containerisierten Microservices-Ansatz. Träger des Projekts ist die Heinlein Gruppe, die bereits andere Open-Source-Projekte wie Mailbox.org und OpenTalk betreibt. Die Veröffentlichung von OpenCloud erfolgte Anfang 2024. Aktuell liegt die Software in Version 2.2.0 vor.
Technologie und Architektur
Das Backend verwendet Go und unterstützt unter anderem WebDAV, gRPC, OCS, OCM 1.1, Microsoft Graph API und OpenID Connect. Das System läuft ohne relationale Datenbank. Die Kommunikation zwischen Diensten erfolgt über interne APIs. Als Reverse Proxy wird standardmäßig Traefik eingesetzt, was die Integration in bestehende Serverumgebungen erschwert, etwa wenn bereits ein Nginx-Proxy verwendet wird. Die Docker-Compose-Variante gilt als bevorzugte Installationsmethode.
Das Webfrontend basiert auf Vue.js und TypeScript, vereinzelt wird in Testumgebungen ein React-basiertes Interface verwendet. Der Desktop-Client ist als Fork des Nextcloud-Synchronisationsclients erkennbar und steht für Windows, macOS und Linux zur Verfügung. Die Plattform unterstützt Drag-and-drop, eine Kachel- und Tabellenansicht sowie Tastenkombinationen zur Navigation. Dateien lassen sich via Link oder passwortgeschützten Freigaben bereitstellen. Spaces dienen als persistente Arbeitsbereiche, unabhängig von Benutzerkonten.
Funktionen im Dateiumfeld
OpenCloud konzentriert sich auf die Dateiverwaltung. Hochgeladene Inhalte lassen sich durchsuchen, versionieren und mit Wasserzeichen absichern. Die integrierte Volltextsuche basiert auf Apache Tika und erkennt auch Text in Bildern über OCR. Unterstützt werden Office-Dokumente, PDFs sowie gescannte Inhalte. Änderungen lassen sich über eine Aktivitätsanzeige nachvollziehen. Dateiaktionen wie Umbenennen, Ausschneiden oder Wiederherstellen stehen direkt im Kontextmenü zur Verfügung.
Über die Konfigurationsdatei der Docker-Umgebung lassen sich Zusatzfunktionen aktivieren. Dazu zählen Online-Editoren wie Collabora Online und OnlyOffice, das Diagrammtool Draw.io sowie ein Markdown-Editor. Ein zentraler App Store existiert, befindet sich aber im Aufbau. Neue Module lassen sich bislang vor allem über das Dateisystem einbinden.
Administration und Datenschutz
Administratoren können Benutzer anlegen, App-Tokens verwalten, Quotas vergeben und Spaces konfigurieren. Ein vollautomatisierter Export personenbezogener Daten nach DSGVO ist integriert. Eine Update-Funktion über das Webinterface fehlt. Einstellungen erfolgen derzeit primär über YAML-Dateien. Bereits geringe Formatierungsfehler in der Konfiguration können dazu führen, dass der Container-Stack nicht mehr startet.
Nextcloud verfolgt einen Groupware-Ansatz und integriert Funktionen wie Kalender, Kontakte, Aufgaben, Mailclient, Videokonferenzen und Projektverwaltung. OpenCloud beschränkt sich auf den Dateibereich. Die modulare Architektur ermöglicht jedoch eine gezielte Erweiterung. Im direkten Vergleich zeigt sich OpenCloud ressourcenschonender und reaktionsschneller. Auf kleinen Servern lassen sich mit OpenCloud niedrigere Latenzen und geringere Lasten erzielen.
Allerdings fehlt derzeit eine tiefere Integration von Groupware-Funktionen. Kalender- und Kontaktsynchronisation sind nicht vorhanden, mobile Clients nur eingeschränkt nutzbar. Auch der Reverse Proxy ist nicht flexibel anpassbar.
Zielgruppen und Perspektiven
Die Plattform richtet sich vorrangig an technisch versierte Administratoren in Unternehmen oder Organisationen mit dedizierten Anwendungsfällen. Für produktive Umgebungen empfiehlt sich derzeit die Nutzung mit Standardkonfiguration.
OpenCloud bietet eine schlanke Grundlage für selbst gehostete Dateidienste, setzt jedoch Kenntnisse in Container-Deployment und Reverse-Proxy-Konfiguration voraus. Die Weiterentwicklung hängt von der Akzeptanz in der Community und der Verfügbarkeit zusätzlicher Funktionen ab.
Die Integration von OpenCloud in das eigene Netzwerk erfolgt idealerweise über Docker-Container. Daher muss auf dem entsprechenden Server erst Docker zur Verfügung stehen. Danach wird das OpenCloud-Repository auf den Server geklont:
Danach wechselt man in den Ordner mit den Docker Compose-Dateien:
Stand: 08.12.2025
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cd opencloud/deployments/examples/opencloud_full
Jetzt kann man die Standardkonfiguration von OpenCloud direkt starten:
docker compose up -d
Für den Zugriff sollte noch die Datei /etc/hosts bearbeitet und die Beispielkonfiguration hinterlegt werden. Diese Einträge sollten eingebunden werden:
Danach lässt sich die Weboberfläche mit der URL cloud.opencloud.test aufrufen. Die standardmäßige Anmeldung erfolgt mit dem Benutzernamen „admin“ und dem Kennwort „admin“.
Erste Schritte mit OpenCloud
Open links steht in der Weboberfläche das Menü für die verschiedenen Apps zur Verfügung, die in OpenCloud genutzt werden können. Hier lässt sich auch der App-Store öffnen, indem bereits einige Apps zur Verfügung stehen.
Neue Nutzer lassen sich hier über „Admin Settings -> Users“ anlegen. Hier kann auch der Standard-Admin geändert werden. An dieser Stelle können auch die Spaces angezeigt, verwaltet und neue Spaces erstellt werden. Jeder Nutzer kann seine eigenen Einstellungen über das Benutzer-Symbol oben rechts selbst anpassen.