Open Source vs. proprietäre Software Nur mit Offenheit gelingt digitale Souveränität in Europa

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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Proprietäre Softwareanbieter werben oft mit einer besseren Nutzererfahrung und einer nahtlosen Integration ihrer Produkte. Doch sind sie damit Open-Source-Lösungen wirklich überlegen? Peter Ganten von Univention erklärt gegenüber CloudComputing-Insider, warum Open Source in Sachen Integration und Benutzer­freundlich­keit keineswegs unterlegen ist und welche Rolle Politik und Unternehmen dabei spielen.

Univentions CEO Peter Ganten sieht Europa zwar durch die IT-Dominanz Chinas und der USA bedroht. Digitale Unabhängigkeit sei trotzdem möglich angesichts des disruptiven Potenzials neuer Technologien wie KI.(Bild:  Univention GmbH)
Univentions CEO Peter Ganten sieht Europa zwar durch die IT-Dominanz Chinas und der USA bedroht. Digitale Unabhängigkeit sei trotzdem möglich angesichts des disruptiven Potenzials neuer Technologien wie KI.
(Bild: Univention GmbH)

Integration ist keine Frage der Lizenz

„Die Lizenz einer Software – ob proprietär oder Open Source – hat nichts mit deren technischer Qualität oder Integrationsfähigkeit zu tun“, betont Ganten, der als CEO die Univention GmbH leitet. Es gebe sowohl im proprietären als auch im Open-Source-Bereich gut und schlecht integrierte Lösungen.

Der entscheidende Punkt sei, dass Open Source mit ihrem Community-Ansatz eine ebenso hohe End-to-End-Integration erreichen kann. Beispiele wie Open-Xchange, Nextcloud oder OpenProject zeigten, dass offene Lösungen leistungsfähig und optimal integrierbar sind – besonders wenn offene Standards und Schnittstellen genutzt würden.

Der „München-Effekt“ ist überholt

Ein weiterer Vorteil von Open Source ist die Wahlfreiheit. Kunden können sich darauf verlassen, dass kommerzielle Open-Source-Anbieter ebenso zuverlässige und integrierte Produkte liefern wie proprietäre Anbieter – mit dem Unterschied, dass sie nicht an einen einzigen Anbieter gebunden sind. „Wer sich für eine proprietäre Plattform entscheidet, läuft Gefahr, dass der Wechsel zu einem anderen Anbieter teuer oder sogar unmöglich wird“, warnt Ganten. „Bei Open Source bleibt die Kontrolle über die eigenen Daten und Systeme erhalten.“

Immer wieder wird Open Source mit dem gescheiterten Open-Source-Projekt der Stadt München in Verbindung gebracht. Doch Ganten sieht diese Argumentation als längst überholt: „Es ist 20 Jahre her und München hat inzwischen längst wieder auf Open Source umgestellt.“ Die damaligen Probleme seien nicht auf Open Source als Konzept zurückzuführen, sondern auf organisatorische Herausforderungen. Zudem hätten sich Open-Source-Lösungen in den letzten zwei Jahrzehnten massiv weiterentwickelt.

Die Zukunft von Open Source: Boom voraus!

In den nächsten fünf bis zehn Jahren erwartet Ganten einen regelrechten Boom für Open Source. Die Herausforderungen der Digitalisierung in Europa – von innovativer Industrie über effizientere Verwaltungen bis hin zur digitalen Souveränität – ließen sich nur mit Open Source meistern. „Nur wenn wir strategisch auf Open Source setzen, können wir Abhängigkeiten abbauen und wieder Kontrolle über unsere Daten und Prozesse gewinnen“, erklärt er.

Es ist höchste Zeit, dass Deutschland aufwacht und aktiv gegen digitale Abhängigkeiten steuert.

Ein radikaler Wechsel, insbesondere in der öffentlichen Hand, könnte nicht nur die digitale Unabhängigkeit Europas stärken, sondern auch enorme Investitionen in Open Source freisetzen. Dies hätte weitreichende positive Effekte auf die europäische Wirtschaft und Innovationskraft.

Univention selbst sieht seine Rolle darin, diesen Wandel so einfach wie möglich zu gestalten. Das Unternehmen bietet mit Univention Nubus eine vollständig offene, kontrollierbare und hochintegrierbare Lösung für das Identity- und Access-Management – das Herzstück jeder IT-Infrastruktur. „Damit ermöglichen wir Organisationen den sicheren und flexiblen Zugriff auf unterschiedlichste Anwendungen, unabhängig davon, ob sie Open Source oder proprietär sind, in der Cloud oder On-Premises betrieben werden. Das sorgt nicht nur für mehr digitale Souveränität, sondern senkt auch Kosten und stärkt Compliance und Sicherheit“, fasst Ganten zusammen.

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Warum kommt der Wandel so langsam voran?

Die Politik wird seit Jahren aufgefordert, sich stärker für digitale Souveränität und Open-Source-Lösungen einzusetzen. Doch warum kommt der Wandel so langsam voran? Ganten sieht ein zentrales Problem in der kleinteiligen IT-Budgetverteilung der öffentlichen Verwaltung: „Es gibt viele kleine Entscheidungsbereiche, aber kaum übergreifende Steuerung. Dabei gibt der Staat für Digitalisierung fast so viel aus wie die gesamte Wirtschaft. Der Hebel wäre enorm.“ Internationale Vorbilder wie die USA und China zeigten, wie eine strategische Digitalpolitik aussehen könne.

Die Forderung an die Politik ist daher klar: „Es ist höchste Zeit, dass Deutschland aufwacht und aktiv gegen digitale Abhängigkeiten steuert“, so Ganten.


Peter Ganten ist Mitbegründer und seit 2011 Vorsitzender des Vorstands der Open Source Business Alliance - Bundesverband für digitale Souveränität. Die Univention GmbH, die er 2002 gegründet hat und die er als CEO leitet, bietet international Open-Source-Lösungen für Identitätsmanagement, Anwendungsintegration und Endanwender-Portale an. Neben seinen Führungspositionen bei Univention und der OSB Alliance engagiert er sich als Mitglied, Berater und Experte in verschiedenen Gremien wie APELL und der Fokusgruppe „Digitale Souveränität“ des Digitalgipfels der Bundesregierung.

Bildquelle: Univention GmbH

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