Die IT großer Sportereignisse im digitalen Zeitalter

Olympische Spiele – eine technologische Rekordjagd

| Autor / Redakteur: Patrick Adiba* / Elke Witmer-Goßner

Zum ersten Mal Gastgeber der diesjährigen Olympischen Spiele: Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro.
Zum ersten Mal Gastgeber der diesjährigen Olympischen Spiele: Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro. (Bild: Getty Images/Flickr RF)

Viel hat sich verändert in den 120 Jahren seit die Olympischen Spiele in Athen ihre Rückkehr in die Welt des Sports gefeiert haben. Zahlreiche Sportarten wie Polo, Baseball und Exoten wie Tauziehen sind seit 1896 aus dem olympischen Programm verschwunden. Die Zahl der teilnehmenden Nationen stieg von 14 auf 206 in Rio de Janeiro. Ein technologischer Rückblick.

Die sportliche Entwicklung verläuft in Zeitlupe, verglichen mit den technischen Entwicklungen und Herausforderungen eines solchen Großereignisses: Das Publikum umfasst mittlerweile vier Milliarden Menschen mit mehr als acht Milliarden Empfangsgeräten. Insgesamt 306 Medaillenentscheidungen in 19 Tagen und die dazugehörige Berichterstattung generierten massive Datenmengen und verlangten nach entsprechenden technologischen Innovationen in der IT-Infrastruktur. Für Atos, seit 2001 weltweiter IT-Partner des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), ist das Ziel nicht weniger als ein unmittelbares, voll vernetztes und digitales Olympia.

Wie bei jedem teilnehmenden Athleten stehen auch bei der IT-Infrastruktur von Olympia ausführliche Planung, ständiges Training und rigorose Testverfahren vor dem eigentlichen Event. Und jeder neue Austragungsort bringt neue technologische Herausforderungen mit sich. Die Spiele in Rio standen ganz im Zeichen der Mobiltechnologie, die Zuschauern weltweit nie dagewesenen Zugang zu den Übertragungen ermöglichten. Wo sich 1948 die Menschen noch um die wenigen Fernsehgeräte scharen mussten, um das Geschehen in London verfolgen zu können, waren die Olympischen Spiele 2016 potenziell auf jedem Smartphone und Tablet weltweit zu sehen. Das größte Publikum aller Zeiten hatte für die IT der Olympischen Spiele zwei Dinge zur Folge: Stabile Verbindungen und Data Streams waren so wichtig wie nie zuvor und sowohl Zuschauer als auch Medien und Kommentatoren brauchten Zugriff auf immer mehr Informationen und Datenbanken, um die Übertragungen mit Inhalten zu füllen. Und dieser Zugriff musste möglichst umfassend und verzögerungsfrei erfolgen.

Erst wägen, dann wagen

Um Stabilität und Zuverlässigkeit der Netzwerke zu gewährleisten, wurden sämtliche Komponenten des IT-Netzwerks intensiven Tests unterzogen. In den zwei Jahren zwischen der Fußballweltmeisterschaft in Rio und der olympischen Eröffnungsfeier im Maracanã-Stadion wurde in mehr als 200.000 Stunden an Testläufen und Krisensimulationen sichergestellt, dass die Systeme für alle Eventualitäten gewappnet waren. Zu den simulierten Einsatzszenarien gehörten unter anderem weitflächige Stromausfälle, Hochwasser und Verbindungsfehler. Dank dieser Tests und einem Team aus über 1.000 Anwendungs- und Prozessspezialisten waren alle Ergebnisse zuverlässig bereits eine halbe Sekunde nach Wettkampfende online verfügbar.

Doch die Olympischen Spiele sind mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Wettkämpfen und Ergebnissen. Bereits im Vorfeld und auch während den Spielen mussten ständig Helfer, Verbandsmitglieder und Medienvertreter koordiniert und informiert werden. Gerade dafür setzte Atos verstärkt auf Cloud-Technologie, um die Server vor Ort zu entlasten. Sowohl die Akkreditierung als auch das Freiwilligenportal für die mehr als 50.000 Helfer wurden während den Sommerspielen in Rio erstmals über die Cloud verwaltet.

Das Technology Operations Center (TOC) erfasst sämtliche Ergebnisse von Vorrunden bis zu den Medaillenentscheidungen.
Das Technology Operations Center (TOC) erfasst sämtliche Ergebnisse von Vorrunden bis zu den Medaillenentscheidungen. (Bild: ISMARINGBER/Atos)

Auch weitere Kernkomponenten, wie Workforce Management und die Ergebnisse der Qualifikationsrunden, wurden mithilfe von Cloud-Computing-Technologie organisiert. Hier arbeitete Atos mit mehreren Technologiepartnern zusammen, um sicherzustellen, dass diese essenziellen IT-Funktionen den enormen Anforderungen des weltweit größten Sportevents gewachsen waren. Neben der organisatorischen Hilfestellung sorgte moderne Technologie auch dafür, dass aus den gewonnenen Daten und Ergebnissen spannende Stories und interessanter Content entstehen konnten. Das Commentator Information System (CIS) versorgte Kommentatoren, Nachrichtenagenturen und Verbandsmitglieder stets mit neuesten Ergebnissen, Entwicklungen und Informationen – alles in Echtzeit.

Digitaler Durchbruch

Patrick Adiba, Atos Group.
Patrick Adiba, Atos Group. (Bild: Atos)

Mit technologischen Innovationen kommen gleichzeitig auch neue Möglichkeiten und Erwartungen. Die Olympischen Spiele ziehen weiterhin eine stetig wachsende Zuschauerschaft an und diese verlangt nach einem immer umfassenderen und unmittelbareren Sporterlebnis. Live Streams, Social-Media-Integration und Content-Erstellung in dieser Größenordnung verlangen nach einem qualitativ hochwertigen und vor allem verlässlichen IT-Fundament. In Zusammenarbeit mit dem IOC hat Atos 1992 mit der digitalen Transformation der Olympischen Spiele begonnen und zusammen werden sie diesen Prozess auch 2016 in Rio de Janeiro fortführen.

* Der Autor Patrick Adiba ist Atos Group Executive Vice President sowie Chief Commercial Officer und CEO der Olympischen und Paralympischen Spiele.

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