Core-Umbau für Performance, bessere Migration und echte Server-Föderation Nextcloud Hub 26 Winter bringt ADA-Engine

Von Thomas Joos 5 min Lesedauer

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Nextcloud Hub 26 Winter bringt einen tiefgreifenden Umbau des Kerns. Die neue ADA-Engine reorganisiert Datenbank und Dateizugriff, reduziert Last bei großen Installationen und ermöglicht direkten Storage-Zugriff. Gleichzeitig erweitert das Release Migration, Föderation und Sicherheitsfunktionen.

Das aktuelle Nextcloud-Release „Hub 26 Winter“ zeigt eine neue Core-Architektur: Die ADA-Engine reorganisiert Datenbank und Dateizugriff.(Bild: ©  A_Bruno - stock.adobe.com)
Das aktuelle Nextcloud-Release „Hub 26 Winter“ zeigt eine neue Core-Architektur: Die ADA-Engine reorganisiert Datenbank und Dateizugriff.
(Bild: © A_Bruno - stock.adobe.com)

Nextcloud Hub 26 Winter verbindet eine tiefgreifende Überarbeitung der Kernarchitektur mit funktionalen Erweiterungen in sämtlichen Bereichen der Plattform. Im Mittelpunkt steht die neue ADA-Engine, die Dateizugriff, Metadatenverarbeitung und Berechtigungslogik grundlegend neu organisiert. Parallel erweitert das Release die Migration zwischen Instanzen, baut föderierte Zusammenarbeit aus, optimiert Performance in zentralen Komponenten wie Files, Talk, Photos und Assistant und integriert zahlreiche Detailverbesserungen in Clients, Office, Groupware und Whiteboard.

ADA-Engine im Core für skalierbare Datenarchitektur

Die ADA-Engine, Accelerated Direct Access, ersetzt wesentliche Teile der bisherigen Dateizugriffsschicht. Komponenten wurden in PHP, Go und Rust neu implementiert, um Latenzen bei Datei- und Metadatenzugriffen zu reduzieren und die stark integrierte modulare Monolith-Architektur von Nextcloud langfristig skalierbar zu halten. Dateien, Chat, Aufgaben, Kalender, Office, Whiteboard, Flow und Assistant greifen weiterhin auf ein zentrales Datenmodell zu, jedoch mit neu organisierter Datenbankstruktur.

Kern der Umstellung ist die Aufteilung zentraler Tabellen und die Einführung von Snowflake-IDs als 64-Bit-Identifier, die dezentral erzeugt werden können. Dadurch reduziert sich die Abhängigkeit von synchronen Datenbankoperationen bei hoher Last. Gleichzeitig schafft die neue Struktur die Grundlage für zukünftige Sharding-Szenarien, bei denen Daten auf mehrere Knoten oder Rechenzentren verteilt werden können.

Der bisherige Mount-Cache wird durch eine autoritative Tabelle ersetzt. Zugriffsrechte werden beim Erstellen oder Ändern von Freigaben persistent berechnet und gespeichert, anstatt bei jedem Lesevorgang rekonstruiert zu werden. Diese Verschiebung von Berechnungen auf Schreiboperationen beschleunigt Navigationsvorgänge deutlich, insbesondere bei umfangreichen Freigabestrukturen. Zusätzlich unterstützt Hub 26 Winter direkte Downloads bei S3-kompatiblem Storage. Clients erhalten Zugriffsinformationen und laden Dateien direkt vom Objektspeicher, ohne dass der Applikationsserver als Datenproxy fungiert.

Messbare Performance

Die Auswirkungen sind messbar. Die Generierung von Vorschaubildern in Photos benötigt laut den Entwicklern 40 bis 90 Prozent weniger Ressourcen. Der Abruf von Freigabedaten in Talk soll rund 20 Prozent schneller ablaufen. In produktionsnahen Umgebungen sank nach Messungen die Downloadzeit einer 10-Megabyte-Datei von durchschnittlich 2,5 Sekunden auf 0,4 Sekunden. Die High Performance Backends für Files und Talk, implementiert in Rust und Go, verteilen Änderungsinformationen aktiv an Clients. Diese erhalten Listen betroffener Dateien und vermeiden unnötige Synchronisationsläufe, wodurch der serverseitige Traffic für Update-Prüfungen in großen Installationen um bis zu 80 Prozent reduziert werden kann. Auch lokale KI-Verarbeitung profitiert, da Text- und Bildgenerierung sowie Sprachtranskription signifikant schneller reagieren und lokale Transkription fünf- bis achtmal schneller erfolgt.

Reibungslose Migration und Föderation auf Augenhöhe

Hub 26 Winter stärkt die Datenportabilität durch eine standardmäßig installierte Migrations-App. Neben Dateien unterstützt sie nun Export und Import von Mail-Konten, Kontakten, Kalendern, Tabellen und Deck-Boards. Benutzer können ihre komplette Arbeitsumgebung zwischen Instanzen übertragen, ohne proprietäre Werkzeuge oder direkten Datenbankzugriff. Damit adressiert Nextcloud Szenarien wie den Wechsel von Universitätsinstanzen zu privaten Servern oder Providerwechsel in regulierten Umgebungen.

Parallel erweitert das Release die serverübergreifende Zusammenarbeit. Föderation erlaubt Interaktion zwischen unabhängigen Instanzen über Federated-Cloud-IDs. Deck-Boards können organisationsübergreifend mit Schreibrechten geteilt werden, Kalender lassen sich instanzübergreifend mit vollständigem Zugriff freigeben, und Teams unterstützen Mitglieder aus unterschiedlichen Nextcloud-Umgebungen. Dateisperren greifen nun ebenfalls föderiert. Wird eine Datei lokal geöffnet und gesperrt, sehen externe Föderationspartner diesen Status. Talk-Räume können direkt mit Nutzern externer Instanzen befüllt werden, ohne neue Konten anzulegen.

Sicherheit first

Sicherheitsmechanismen bleiben integraler Bestandteil der Plattformarchitektur. Hub 26 Winter erweitert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Browser. Verschlüsselte Ordner lassen sich direkt im Web-Frontend erstellen, verwalten und über öffentliche Links teilen, inklusive verschlüsseltem File-Drop. Neben TLS-Transportverschlüsselung und serverseitiger Verschlüsselung steht E2EE weiterhin als optionale Schutzschicht zur Verfügung.

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Administratoren erhalten eine explizite Warnung bei fehlender Zwei-Faktor-Authentifizierung, die nun Bestandteil der Quick-Presets ist. Die Data-Loss-Prevention-Funktion aktualisiert Sicherheitslabels in Echtzeit, wenn sich Dokumenteigenschaften oder Metadaten ändern. Zusätzlich kann der Versand externer Kalendereinladungen restriktiv konfiguriert werden.

Collaboration-Boost in Talk, Mail und Office

Nextcloud Talk integriert anpinnbare Nachrichten, zeitgesteuerten Versand, ein optionales dialogorientiertes Layout, Live-Transkription mit Echtzeit-Übersetzung sowie konfigurierbare Audiooptionen wie Auto-Gain, Echounterdrückung und Rauschunterdrückung. Die Hintergrundunschärfe nutzt GPU-Beschleunigung. Chat-Nachrichten und Teilnehmerinformationen werden verstärkt über das High Performance Backend verteilt.

Nextcloud Mail zeigt Anhänge direkt in Thread-Übersichten, bietet einen Kompaktmodus, favorisierte Threads und erweiterte Schnellfilter. Meeting-Einladungen können automatisch als vorläufige Kalendereinträge erscheinen. Mail-Einstellungen lassen sich im Rahmen der Migration exportieren und importieren.

Nextcloud Office integriert einen Dokumentvergleich in einer Side-by-Side-Ansicht sowie im Modus „Änderungen verwalten“, inklusive Filterung nach Datum oder Person. Sheet Views ermöglichen individuelle Filter- und Sortieransichten innerhalb derselben Tabelle. Die Registerkarte „Tabellenentwurf“ passt Tabellenstile in XLSX-Dateien an. Mit „Allen präsentieren“ lassen sich Präsentationen synchronisieren, sodass Teilnehmer Folien lokal öffnen und ohne Bildschirmfreigabe verfolgen können. Mobile Toolbars kollabieren automatisch, und iOS VoiceOver unterstützt das Vorlesen von Dokumentinhalten.

Nextcloud Text unterstützt LaTeX-Formeln und bleibt auch bei instabiler Netzwerkverbindung arbeitsfähig, da Änderungen lokal gepuffert und später synchronisiert werden. Whiteboard erweitert sein Funktionsspektrum um Timer, Abstimmungen, Kommentare, Emoji-Reaktionen, Tabellen sowie Versionierung mit Vergleichsansicht.

KI und Automatisierung in Flow

Der Nextcloud Assistant bleibt optional und integriert sich in Mail, Chat und Dateisystem. Neu sind KI-Inhaltskennzeichnungen mit Wasserzeichen, eine konfigurierbare Memory-Funktion sowie Unterstützung zusätzlicher Modelle wie Olmo 3 und selbstgehosteter IBM watsonx-Instanzen. OpenAI-Integrationen wurden hinsichtlich Quota-Management erweitert.

Nextcloud Flow ermöglicht automatisches Tagging, regelbasierte Aktionen und Genehmigungsprozesse mit Begründungen bei Ablehnung. Nextcloud Tables unterstützt erweiterte Datumsfilter und öffentliche Leselinks für strukturierte Datensätze. Ein OpenMetrics-Endpoint erlaubt die Bereitstellung von Metriken für Monitoring-Werkzeuge.

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Clients, APIs und Deployment

Die Desktop-Clients für macOS und Windows wurden vereinheitlicht. VFS und Selective Sync sind in einer Anwendung wählbar, Windows unterstützt On-Demand-Synchronisierung. Dynamische Kontextmenüs ermöglichen serverseitige Dateiaktionen direkt im Betriebssystem. Mobile Clients für iOS und Android erhalten Performance-Verbesserungen, Assistant-Integration, QR-Code-Login und optimierte Suche.

Die Files-API erreicht Version 4.0.0 mit erweitertem Kontextobjekt, die Sidebar-API basiert auf Web Components, die Profil-App wurde auf Vue 3 migriert, und Snowflake-ID- sowie Mount-Point-APIs stehen Entwicklern zur Verfügung. Die Plattform unterstützt Private Cloud, On-Premises-Installationen, All-in-One Docker, Snap, Enterprise-AIO für Kubernetes sowie Managed-Hosting-Modelle.

Rund 96 bis 98,5 Prozent der Pull Requests betreffen Wartung und Stabilisierung. Hub 26 Winter kombiniert damit strukturelle Architekturarbeit mit funktionalen Erweiterungen und kontinuierlicher Pflege.

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