Studie von Forrester: „ROI of Sustainability” Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Redakteur: Ulrike Ostler

Ein erstes, zaghaftes Modell in Richtung einer Kreislaufwirtschaft präsentiert das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Forrester in einer Studie, die zeigt, dass Investitionen in eine stärker die Ressourcen schonende Vorgehensweise auch im IT-Bereich mittelfristig mehr Geld bringen als sie benötigen.

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Investitionen in eine Kreislaufwirtschaft zahlen sich im IT-Bereich mittelfristig nicht nur für den Planeten, sondern auch für das investierende Unternehmen aus.
Investitionen in eine Kreislaufwirtschaft zahlen sich im IT-Bereich mittelfristig nicht nur für den Planeten, sondern auch für das investierende Unternehmen aus.
(Bild: anncapictures auf pixabay)

Nachhaltiges Wirtschaften ist das Gebot der Stunde. Wer als Unternehmer hier zu spät kommt, den bestraft das Leben. Verweigerte Kredite, hohe Zinssätze und stetig steigende Kosten für Verschmutzungs-Zertifikate bestimmen das Strafmaß.

In seiner gerade erschienenen Studie „The ROI of Sustainability“ mit dem Untertitel „A technology leader´s guide to where und how sustainability fits into your business strategy” will das Marktforschungsunternehmen Forrester Unternehmen – sowohl als Hersteller als auch als Verbraucher – dazu ermutigen, nachhaltiger zu wirtschaften. Das bringe nicht nur gesellschaftliches Ansehen und reduziere die Kündigungsneigung der eigenen Mitarbeiter, sondern rechne sich zumindest mittelfristig auch pekuniär.

Faktoren positiver Nachhaltigkeits-Effekte

Basis der monetären Aussage bildet eine Modellierung, die den „Total Economic Impact“ (TEI) berechnet und die auf einem Strukturrahmen (Framework) aus vier Faktoren aufsetzt. Der erste Faktor besteht aus einem Bündel von „Vorteilen“, die sich aus Einsparungen durch eine geringere Mitarbeiterfluktuation, geringere Kosten durch Energie-Effizienz und günstigere Kredite, die Vermeidung von Strafen durch staatliche Stellen und nicht-staatliche regulativ tätige Instanzen sowie ganz allgemein durch höhere Gewinne aufgrund neuer geschäftlicher Möglichkeiten zusammensetzen.

Der zweite Faktor ist etwas schwammig mit „Flexibilität“ benannt und bezieht sich einmal mehr auf die Vermeidung von Strafzahlungen in puncto „Green Compliance“ und vor allem auf die Prüfung von Lieferanten auf nachhaltiges Wirtschaften. Hier schreiben die Analysten mit vollem Recht, dass dies bei vielen Herstellern eine komplexe Mammutaufgabe ist, die man besser heute als morgen angeht und die durch Verschieben auf Morgen oder Übermorgen immer teurer wird.

Als dritten Faktor enthält das Forrester-Framework Planungs- und Implementierungskosten, zusätzliche Kosten für Produktentwicklung, fortlaufende Kosten der Nachhaltigkeits-Kampagne und laufende Betriebskosten. Alle diese Punkte sind nicht besonders spezifiziert, aber man darf davon ausgehen, dass sie in der einen oder anderen Form bei einer intensiven Nachhaltigkeits-Kampagne anfallen.

Als vierten Faktor thematisieren die Analysten in ihrem Framework alle möglichen Risiken, die mit einer Nachhaltigkeits-Kampagne einhergehen können. Viele der genannten Risiken gelten im Grunde zwar für jede geschäftliche Initiative, aber der Schreiber dieser Zeilen konzediert gern, dass in Sachen Green Economy noch einmal spezielle Hindernisse auftreten können: beispielsweise, dass Kunden und Lieferanten nicht so (schnell) kooperativ sind, wie vielleicht erhofft und in der Planung unterstellt ist; oder auch, dass die eigenen Mitarbeiter in ihrer Gesamtheit etwas länger brauchen, um die „neue Nachhaltigkeits-Linie zu verstehen und engagiert mitzutragen.

Branchenspezifische Zugänge zu Nachhaltigkeit

Je nach Branche wird ein Unternehmen den Schwerpunkt seiner Nachhaltigkeits-Initiativen mehr auf die Beschaffungsseite, die betrieblichen Abläufe oder das Recycling legen, meinen die Forrester-Analysten. So lägen entsprechende Anstrengungen von Datacenter-Betreibern beispielsweise auf der Beschaffungs- und operativen Seite (grüne Energiequellen zum Beispiel), diejenigen von Herstellern von Konsumgütern vermutlich eher auf der Recycling-Seite, die bei Forrester unter „Stilllegungskosten“ beziehungsweise Kreislaufwirtschaft „firmiert“.

Tatsächlich sind solche Einteilungen nur eine planerische „Krücke“, weil „Nachhaltigkeit“ letztlich immer „vom Ende her“ gesehen muss, also von der Wiederverwendungsseite. Ganz egal, was man produziert, seien es bauliche Infrastruktur, so genannte Verbrauchsgüter (!) oder Dienstleistungen, unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sollte eigentlich NICHTS verbraucht werden, sondern alles in einen Kreisprozess eingespeist werden. Das gilt nota bene nicht zuletzt auch und besonders für CO2-Emissionen.

Mittelfristiger Investionshorizont

Trotz dieser eben geäußerten Einwände beziehungsweise Zweifel: Es wäre sicher der wichtigen Sache „Nachhaltigkeit“ nicht dienlich, dem Forrester-Ansatz Kurzatmigkeit oder Augenwischerei vorzuwerfen. Schließlich will das Marktforschungsunternehmen mit dem vorgestellten Framework den Unternehmen einen Ansatz an die Hand geben, mit dem sich quantitativ zeigen lässt, dass Investitionen in nachhaltige Wirtschaftskreisläufe nicht „rausgeschmissenes Geld“ sind, sondern sich auszahlen, wenn auch nicht kurzfristig, wie die Forrester-Analysten betonen. „Strong sustainability ROI takes time“, heißt es wörtlich.

Es handle sich bei Nachhaltigkeits-Initiativen ganz eindeutig um mittelfristige Investitionsprojekte. Bei der Anwendung des TEI-Modells auf ein hypothetisches Unternehmen ergibt sich, dass nach gut dreieinhalb Jahren Investition die „Nachhaltigkeitsquelle“ zu sprudeln beginnt, in genauen Zahlen: 33 Prozent „ROI“ nach genau 43 Monaten.

Solche erfreulichen Zahlen sind wichtig, einmal für die internen Diskussionen in den Unternehmen selbst, aber nach Meinung der Studienmacher vor allem auch für die politischen Entscheidungsträger als Vertreter von uns allen. Die Berechnungen zeigen, dass Nachhaltigkeits-Investitionen oder ganz allgemein gesagt, Ökologie und Ökonomie, sinnvoll und in universeller Weise „zukunftsverträglich“ verzahnt werden können.

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