Wird Edge Computing die Cloud ersetzen?

Macht euch auf, am Rand zu leben!

| Autor / Redakteur: Anna Kucirkova* / Elke Witmer-Goßner

IT am Rande des Netzwerks: Edge Computing ist die Antwort auf künftig noch rechen- und datenintensivere Anwendungen.
IT am Rande des Netzwerks: Edge Computing ist die Antwort auf künftig noch rechen- und datenintensivere Anwendungen. (Bild: © Sergey Nivens - stock.adobe.com)

Wenn man in der Informationstechnologie arbeitet, weiß man, dass sich alles ständig verändert. Sobald die Mehrheit der Menschen mit einer Technologie vertraut ist, ist die nächste bereit, diese aus dem Weg zu räumen. Eine der jüngsten Innovationen ist Cloud Computing. Dropbox, Google Drive und Amazon Web Services laufen alle in der Cloud. Mit der Cloud werden Informationen nicht auf einem lokalen Computer, sondern auf gemeinsamen Servern gespeichert. Die Cloud wird inzwischen von Großunternehmen genauso akzeptiert, wie von Einzelanwendern.

Doch egal! Es könnte bereits jetzt schon der Zeitpunkt erreicht sein, die Cloud zu ersetzen. Mit dem Internet der Dinge (IoT), wo gewöhnliche Dinge wie beispielsweise die Toilette, Toaster, Uhren oder auch Autos eine Verbindung zum Internet aufbauen können, müssen Daten schneller denn je gesendet und empfangen werden. Und gerade Autos benötigen eine besonders schnelle Verbindung. Experten gehen aber davon aus, dass die Cloud dieses nicht leisten kann und wird. Also wird es höchste Zeit für die nächste Innovation. Doch welche Technologie wird das sein? Sie heißt „Edge Computing“ und könnte alles verändern.

Was ist Edge Computing?

Edge Computing ist als verteilte, offene IT-Architektur definiert, die dezentrale Rechenleistung bietet und Mobile Computing und IoT-Technologien ermöglicht. Beim Edge Computing werden Daten nicht an ein Rechenzentrum übertragen, sondern vom Gerät selbst oder von einem lokalen Computer oder Server verarbeitet. Somit werden von IoT-Geräten erzeugte Daten näher am Entstehungsort verarbeitet, anstatt über lange Strecken an Rechenzentren oder die Cloud gesendet zu werden. Wenn dieses Computing aber näher am „Rand“ des Netzwerks stattfindet, können Unternehmen wichtige Daten nahezu in Echtzeit analysieren und IoT-Geräte Daten viel schneller und effizienter senden und empfangen. Edge Computing bewertet und verarbeitet die Daten lokal, wodurch der Backhaul-Verkehr zum zentralen Repository reduziert wird. Dies ist wichtig, da es die Abhängigkeit von WiFi oder Datennetzen verringert. Kein Autofahrer möchte Services in seinem selbstfahrenden Auto verlieren, nur weil das Signal schwach ist.

Ergänzendes zum Thema
 
Edge Computing: Begriffe und Definitionen

Vorteile von Edge Computing

Mit der neuen Technologie ergeben sich natürlich auch neue Vorteile. So verkürzen sich mit Edge Computing insbesondere die Reaktionszeiten. Ohne einen extra Rundreise in der Cloud reduziert Edge Computing die Latenzzeiten und führt zu schnelleren Reaktionen. Dies trägt dazu bei, dass der Betrieb nicht ausfällt oder gefährliche Vorfälle auftreten. Auch bei begrenzter Verbindung ist ein zuverlässiger Betrieb möglich. Unzuverlässige oder unzureichende Internetkonnektivität in Bereichen wie Ölquellen, Pumpen, Solarparks oder Windmühlen erschwert die Sache.

Die Möglichkeit, Daten auf dem Edge zu speichern und zu verarbeiten, stellt sicher, dass es keinen Datenverlust oder Betriebsausfall gibt, falls die Internetverbindung begrenzt ist. Und auch die Sicherheit wird erhöht: Durch die Edge-Technologie werden Datenübertragungen zwischen Geräten und der Cloud vermieden. Zudem können sensible Informationen lokal gefiltert und ausgewählt werden, welche Informationen in die Cloud übertragen werden sollen. Nutzer können so einen angemessenen Sicherheitsrahmen schaffen, der für die Unternehmenssicherheit und Audits unerlässlich ist.

Auch hinsichtlich der Kosten kann Edge Computing punkten. Eines der Hauptanliegen des IoT sind die Vorabkosten aufgrund von Netzwerkbandbreite, Datenspeicher und Rechenleistung. Edge Computing kann lokal eine Vielzahl von Datenberechnungen anstellen, so dass Unternehmen entscheiden können, welche Dienste lokal ausgeführt werden und welche in die Cloud gesendet werden sollen. Auf diese Weise reduzieren sich die Gesamtkosten einer IoT-Lösung. Zudem können Edge-Geräte als Vermittler zwischen Legacy und modernen Maschinen fungieren. Dies ermöglicht es älteren Industriemaschinen, sich mit modernen Maschinen oder IoT-Lösungen zu verbinden und bietet sofortigen Erkenntnisgewinn aus alten oder modernen Geräten.

Kein IoT ohne Cloud und Edge Computing

Neues eBook "Cloud als Grundlage für das IoT"

Kein IoT ohne Cloud und Edge Computing

22.10.18 - Die meisten Umsätze im Internet of Things (IoT) werden mit IoT-Services erzielt, da sind sich die Marktforscher einig. Doch auch technisch gesehen, bilden Cloud und Edge Computing eine wesentliche Grundlage für das IoT. Das neue eBook untersucht das Verhältnis von IoT-Geräten, Edge und Cloud Computing und zeigt auf, was dies für die IoT-Sicherheit bedeutet. lesen

Weitere Top-Trends für die digitale Transformation im Jahr 2019

Edge Computing reiht sich ein hinter anderen digitalen Trends, die im Laufe des Jahres an Bedeutung gewinnen werden oder noch zu erwarten sind:

  • Ganz oben steht der Mobilfunkstandard 5G. Die Technik ist an einem Punkt angelangt, dass sie auch endlich Verbreitung finden sollte. Es ist eine aufregende Zeit – für 5G und entsprechende Mobilgeräte gleichermaßen. 2018 war das Jahr, in dem feste 5G-Anwendungen auf die Beine gestellt wurden. Im Jahr 2019 sollten wir 5G also endlich in der oberen Ecke auf den Displays unserer mobilen Geräte sehen.
  • Hinsichtlich der Verbreitung von Chatbots werden weiterhin große Schritte in Richtung natürlicher Sprachverarbeitung und Stimmungsanalyse unternommen werden. Viele Experten gehen davon aus, dass Natural Language Processing (kurz NLP) die gesamte Dienstleistungsbranche auf eine noch nie da gewesene Weise erschüttern wird. Wie viele Dienstleistungen könnten bald ohne Menschen erbracht werden! NLP ermöglicht es Unternehmen, Erkenntnisse zu sammeln und ihren Service darauf aufbauend zu verbessern. Etwa 40 Prozent der Großunternehmen setzen es bereits eine oder werden NLP-Services bis Ende 2019 übernehmen.
  • Ein weiterer Trend zeigt sich zum Thema Connected Clouds. Unternehmen haben bereits erkannt, dass es nicht die beste Option ist, entweder ausschließlich Public Clouds, Private Clouds oder ein Rechenzentren zu betreiben. So entwickeln sich die Connected Clouds weiter, um den sich ändernden Anforderungen der Unternehmen gerecht zu werden. Große Public-Cloud-Anbieter wie Amazon und Alibaba haben den Ball bereits aufgenommen und bieten private Cloud-Optionen an. „Multicloud“ wird weiter das Schlagwort für die Cloud-Konversation bleiben.
  • Von Politik und Wirtschaft gleichermaßen als Wunderwaffe und Lösung vieler Übertragungsprobleme gerühmt, scheint sich die Blockchain-Technologie eher als floppender Hype zu entpuppen. Tatsächlich zeigt sich im Moment, dass die Blockchain eher Chaos mit sich bringt. Die Technologie ist momentan noch zu kompliziert für „normale“ Menschen, um sie zu benutzen. Und es gibt keine Standardmethode, um sie verwenden, weil jeder sie eigentlich für sich und anders einsetzen möchte. Der einzige Weg, eine Massen-Blockchain-Akzeptanz zu erreichen, ist die Erstellung einer Plug-and-Play-Version, die wir alle nutzen und verstehen können. Bis dahin werden aber höchstwahrscheinlich noch zwei oder drei Jahre vergehen.
  • Und auch das Thema Datenschutz wird uns noch länger beschäftigen. Bis August 2018 war etwa ein Drittel der Unternehmen noch immer nicht mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung (GDPR oder DSGVO) konform, die Nutzern einen umfassenden Datenschutz bieten soll. Informierte Kunden sehen also ganz deutlich, welche Unternehmen sich wirklich um den Schutz ihrer Daten kümmern und welche nicht. Die GDPR wird künftig Unternehmen für den Umgang mit dem Datenschutz und personenbezogenen Daten zur Verantwortung ziehen.
  • Der Name des Spiels im Jahr 2019 für digitale Transformationstrends heißt Augmented Reality (AR). AR findet bereits zahlreiche Anwendungen bei der Schulung von Mitarbeitern in Unternehmen. Und 2019 wird sicherlich die AR-Anwendungsentwicklung weiter voranbringen.
  • Wenn das IoT wächst, brauchen wir mehr Platz und mehr Raum, um alles zu verarbeiten. Smart Cities und autonome Fahrzeuge haben keine Chance, realisiert zu werden, wenn die Datenverarbeitung in der Cloud erfolgen muss. Analysen und Daten werden in Echtzeit verarbeitet. Das ist etwas, das zurzeit nur Edge Computing unterstützen kann.
  • Verbrauchsbasierte IT-Services werden ebenfalls noch stärker nachgefragt werden. Die Vorstellung von allem und jedem als Dienstleistung bleibt definitiv. Mit dem Wachstum der As-a-Service-Branche entscheiden sich Unternehmen für À-la-carte-IT-Services, die ihren Bedürfnissen entsprechen.
  • Schließlich werden 2019 die CEOs endlich die Arbeit aufnehmen, nachdem sie erkannt haben, dass eine digitale Transformation alleine nirgendwo hinführt. Es wird Priorität haben, mehr Personal einzustellen und den Wandel innerhalb der Unternehmenskultur festzuschreiben. Die Bosse werden den Wert von Mitarbeiterschulungen erkennen und ihre Einstellung bezüglich größerer Agilität innerhalb der Unternehmen ändern müssen.

Es wird also ein lustiges Jahr werden. Edge Computing ist dabei, das Netzwerk, wie wir es kennen, zu verändern. Durch Edge Computing werden autonome Fahrzeuge, Smart Homes und sogar Smart Cities zur neuen Norm. Die Cloud reicht da nicht aus – Edge Computing wird deshalb die Oberhand gewinnen müssen. Und es gibt noch viele andere Dinge, auf die man sich 2019 freuen kann, darunter AR, anspruchsvolle Chatbots und 5G. Also, schnallen Sie sich an! Es wird eine rasante Fahrt!

* Der Beitrag von Anna Kucirkova wurde erstmals unter dem Titel „Do We Need To Replace The Cloud With Edge Computing?“ auf IQS Directory veröffentlicht.

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