Erfolgreich auf SAP S/4HANA migrieren Sechs Praxistipps für die SAP-Migration

Von Thomas Joos 5 min Lesedauer

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Die Migration auf SAP S/4HANA ist ein komplexer Prozess. Eine gute Vorbereitung, klare Ziele und ein strukturiertes Vorgehen sind entscheidend, um die Umstellung erfolgreich zu meistern. Die folgenden Tipps bündeln wesentliche Aspekte und helfen dabei Fehler bei der Migration zu vermeiden.

Die SAP S/4HANA-Migration muss nicht unbedingt kompliziert sein. Mithilfe dieser Sechs-Punkte-Anleitung gelingt die Migration unkompliziert.(Bild:  Arsenii - stock.adobe.com)
Die SAP S/4HANA-Migration muss nicht unbedingt kompliziert sein. Mithilfe dieser Sechs-Punkte-Anleitung gelingt die Migration unkompliziert.
(Bild: Arsenii - stock.adobe.com)

Eine erfolgreiche Umstellung beginnt damit, realistische Ziele festzulegen. Unternehmen sollten frühzeitig die wichtigsten Anforderungen definieren und sicherstellen, dass alle beteiligten Teams koordiniert arbeiten. Die Migration ist ein Teamprojekt, an dem sowohl technische Berater wie Basis- und ABAP-Spezialisten (kurz für: Advanced Business Application Programming) als auch Fachexperten aus Bereichen wie Finanzen und Logistik beteiligt sind. Alle Beteiligten übernehmen spezifische Rollen, um eine effiziente Umsetzung zu gewährleisten.

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Eine Migration auf SAP S/4HANA bietet nicht nur die Möglichkeit, veraltete Technologien abzulösen, sondern kann auch erhebliche strategische Vorteile mit sich bringen. Generell birgt die Migration die Chance, zur umfassenden Modernisierung und Effizienzsteigerung. Durch die Migration in die Cloud können Unternehmen redundante Systeme eliminieren und Kosten senken. Gleichzeitig können Ineffizienzen beseitigt werden, dadurch dass die Prozesse verschlankt werden. Die Migration erfordert auch eine Analyse der Abhängigkeiten zwischen SAP und anderen Systemen – so können Prioritäten bei der Modernisierung gesetzt werden.

Ein Fokus kann dabei darauf liegen, Systeme zu identifizieren, die für das Geschäft entscheidend sind, während nicht-kritische Bereiche zu einem späteren Zeitpunkt modernisiert werden können. Dieser hybride Ansatz ermöglicht eine schrittweise Transformation, ohne den operativen Betrieb zu gefährden.

Systemanforderungen prüfen und aufbereiten

Die technischen Voraussetzungen des bestehenden Systems spielen eine zentrale Rolle. Systeme, die nicht Unicode-fähig sind, müssen zunächst umgestellt werden. Der „SAP Readiness Check“ und der „Maintenance Planner“ bieten Einblicke, um notwendige Vorbereitungen zu identifizieren. Dazu gehört auch die Entscheidung, welche Business Functions und Add-Ons aktiviert werden müssen. Vor der eigentlichen Migration ist es wichtig, das System durch Backups und Tests abzusichern.

Eine umfassende Analyse der vorhandenen Daten ist ein wesentlicher Schritt vor der Migration. Daten können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  • Hot-Daten: Aktuell genutzte, operative Daten, die in das neue System migriert werden.
  • Warm-Daten: Selten genutzte Daten, die archiviert oder in separate Speicher ausgelagert werden.
  • Kalte Daten: Historische oder veraltete Daten, die für den laufenden Betrieb nicht mehr benötigt werden.

Datenbereinigung und Archivierung tragen zur Effizienz der neuen Umgebung bei. Produktionsaufträge, offene Posten oder doppelte Firmencodes sollten vor der Migration bereinigt oder geschlossen werden. Durch diesen Prozess werden Altlasten vermieden und die Performance des neuen Systems optimiert.

Nutzung des SAP S/4HANA Migration Cockpits

Das SAP S/4HANA Migration Cockpit ist ein zentrales Werkzeug für die Migration von Daten in die SAP S/4HANA Public oder Private Cloud Edition. Es wird nur im Rahmen von Neuimplementierungen eingesetzt und ermöglicht die Migration von Stammdaten, offenen Posten und Salden aus Altsystemen. Historische Daten kann man nicht migriert und erfordern eine umfangreiche Datenbereinigung im Vorfeld. Das Migration Cockpit bietet zwei Vorgehensweisen:

Staging-Tabellen: Die Daten werden in vordefinierte Tabellen geladen, die mit Templates (XML oder CSV) gefüllt werden. Dieser Ansatz eignet sich für große Datenmengen und für Systeme ohne direkte Cloud-Anbindung.

Direct Transfer: Daten werden direkt aus SAP ECC-Systemen über eine Kommunikationsschnittstelle in das Zielsystem übertragen. Dieser Ansatz ist auf bestimmte Migrationsobjekte beschränkt und setzt eine Dreisystemlandschaft voraus.

Das Tool verwendet eine geführte Prozedur, die den Benutzer durch die Migration führt, von der Auswahl der Objekte über Simulationen bis hin zur endgültigen Datenübertragung. Es ermöglicht auch die Transformation von Daten, zum Beispiel die Anpassung von Kostenstellenhierarchien an das Zielsystem.

In der Praxis wird das Migration Cockpit über das SAP Fiori Launchpad gestartet. Dort können Projekte für die direkte Übernahme oder für den Staging-Ansatz angelegt werden. Ein typischer Prozess besteht aus den folgenden Schritten:

  • 1. Projekt anlegen: Auswahl des Migrationsansatzes, der zu migrierenden Objekte und der Zielsysteme.
  • 2. Datenvorbereitung: Verwendung von Excel- oder XML-Vorlagen, um die Daten im erforderlichen Format bereitzustellen.
  • 3. Datenvalidierung: Überprüfung der hochgeladenen Daten auf Konsistenz und Richtigkeit. Fehler wie fehlende Pflichtfelder oder falsche Formate werden identifiziert.
  • 4. Mapping: Zuordnung von Quell- und Zielwerten für verschiedene Objekte.
  • 5. Simulation: Testlauf der Migration, um mögliche Probleme zu identifizieren, ohne dass Daten tatsächlich in das Zielsystem geschrieben werden.
  • 6. Migration: Endgültige Übertragung der Daten in das Zielsystem, einschließlich der automatischen Erstellung von Staging-Tabellen.

Das Tool bietet eine umfangreiche Fehlerdiagnose und die Möglichkeit, Korrekturdateien zu erstellen. Diese enthalten nur die fehlerhaften Datensätze, die nach einer Anpassung erneut hochgeladen werden können. Dies erhöht die Effizienz und minimiert Wiederholungsaufwände.

Greenfield-Ansatz: Neuaufbau für maximale Flexibilität

Der Greenfield-Ansatz steht für einen radikalen Neuanfang. Unternehmen implementieren SAP S/4HANA von Grund auf neu, ohne Einschränkungen durch bestehende Systeme. Dieser Ansatz bietet die Möglichkeit, veraltete Prozesse zu beseitigen und moderne, standardisierte Workflows zu etablieren.

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Ein entscheidender Vorteil des Greenfield-Ansatzes ist die Nutzung der von SAP bereitgestellten Standardkonfigurationen. Dadurch können Komplexität und Kosten insbesondere im Vergleich zu stark individualisierten Systemen deutlich reduziert werden. Dieser Ansatz eignet sich besonders für Unternehmen, die von einem nicht mehr anpassungsfähigen System wechseln oder einen strategischen Neuanfang planen.

Die Greenfield-Implementierung erfordert aber eine Datenbereinigung im Quellsystem. Alte Datenbestände müssen archiviert und irrelevante Informationen entfernt werden, um ein leistungsfähiges Zielsystem zu schaffen. Gleichzeitig ist eine enge Abstimmung mit den Fachbereichen notwendig, um alle Anforderungen zu berücksichtigen.

Delta-Konfigurationen und neue Funktionalitäten

S/4HANA bringt zahlreiche Neuerungen mit sich, wie das „Universal Journal“, das die bisherige Trennung zwischen FI und CO aufhebt. Statt einer kompletten Neukonfiguration kann man bestehende Strukturen über Delta-Konfigurationen angepassen. So wird beispielsweise die Delta-Abschreibung durch eine Echtzeit-Abschreibung ersetzt. Diese punktuellen Anpassungen ermöglichen eine effizientere Nutzung der neuen Funktionalitäten.

Fehleranalyse und Inkonsistenzbehandlung

Fehler und Inkonsistenzen sind bei Migrationen unvermeidlich. Werkzeuge wie der „Migration Monitor“ und der „Simplification Item Check“ identifizieren mögliche Problembereiche. Häufige Fehlerquellen sind unvollständige Datenmigrationen, nicht aktivierte Geschäftsfunktionen oder fehlerhafte Konfigurationen. Dass technische und fachliche Teams zusammenarbeiten ist entscheidend, um diese Probleme zu lösen.

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Aktivitäten nach der Migration

Nach der technischen Umstellung sind Nacharbeiten erforderlich, um die volle Funktionalität des Systems sicherzustellen. Dazu gehören die Überprüfung der Datenkonsistenz, die Validierung aller Delta-Konfigurationen und die Aktivierung der „SAP Fiori“-Benutzeroberfläche. Außerdem sollten die Prozesse überwacht werden, um frühzeitig auf Probleme reagieren zu können.

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