Die Cloud-Migration ist ein entscheidender Schritt in der digitalen Transformation vieler Unternehmen. Doch dieser Prozess erfordert eine sorgfältige Planung, um Risiken zu minimieren und Vorteile wie Flexibilität zu maximieren. Von der Bestandsaufnahme bis zur kontinuierlichen Optimierung lässt sich der Weg in die Cloud erfolgreich gestalten.
Um erfolgreich zu migrieren, ist es notwendig, die Herangehensweise sinnvoll zu planen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Die Cloud-Migration ist für viele Unternehmen ein entscheidender Schritt in ihrer digitalen Transformation. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie will in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Unternehmen in die Cloud investieren. Die Vorzüge sind offensichtlich: Eine erfolgreiche Cloud-Transformation bietet erhebliche Kosteneinsparungen, erhöhte Flexibilität und bessere Skalierungsmöglichkeiten.
Doch der Weg in die Cloud will gut geplant sein, um Risiken zu minimieren und die gewünschten Vorteile voll auszuschöpfen. Der Studie zufolge betrachten 55 Prozent der Unternehmen die Cloud-Migration als komplex und herausfordernd. Welche Schritte sind also zu beachten, um sie erfolgreich zu gestalten?
1. Umfassende Bestandsaufnahme und Bewertung
Zuerst sollten Unternehmen eine detaillierte Bestandsaufnahme der bestehenden IT-Landschaft vornehmen. Diese Analyse erfasst alle Komponenten der IT-Infrastruktur: von der physischen Hardware über die installierte Software und Netzwerke bis hin zu Datenbanken und spezifischen Anwendungen. Das Ziel besteht darin, ein umfassendes Bild der aktuellen IT-Infrastruktur zu erhalten und darauf basierend Entscheidungen für alle folgenden Maßnahmen zu treffen.
Besonders wichtig dabei ist die Bewertung der bestehenden Anwendungen. Denn nicht alle Anwendungen sind gleich gut für die Cloud geeignet. Es empfiehlt sich daher, sogenannte Cloud-Readiness-Checks durchzuführen, um zu überprüfen, ob Anwendungen unverändert übernommen, angepasst oder neu entwickelt werden müssen. Überdies sollten Abhängigkeiten zwischen Systemen und Anwendungen identifiziert werden, um Ausfallzeiten und Funktionsstörungen zu minimieren.
Eine gründliche Bestandsaufnahme ermöglicht auch eine detaillierte Bewertung der Performance und Betriebskosten der aktuellen Systeme. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um realistische Erwartungen an die Cloud-Migration zu formulieren und mögliche Vorteile wie Kostenersparnisse oder Leistungsverbesserungen zu beurteilen. Die Analyse des Ist-Zustands bildet schließlich auch die Grundlage für die Evaluation der unterschiedlichen Cloud-Modelle (Public, Private, Hybrid). Die Wahl des passenden Modells ist entscheidend im Transformationsprozess, da jedes Modell Stärken und Schwächen aufweist und die Entscheidung stark von den spezifischen Anforderungen des Unternehmens abhängt.
Auf Basis der Bestandsaufnahme sollten Unternehmen im nächsten Schritt klären, welche konkreten Ziele sie mit der Cloud-Migration verfolgen. Häufige Motive sind die Senkung der Betriebskosten, die Steigerung der Flexibilität und Skalierbarkeit der IT-Ressourcen sowie die Verbesserung der Sicherheitsarchitektur. Auch der Zugang zu modernen Technologien, wie etwa KI-Anwendungen, spielt für Unternehmen in der Entscheidung für die Cloud eine wichtige Rolle.
Entscheidend ist, dass die Ziele der Cloud-Migration klar definiert, priorisiert und messbar sind, um den Erfolg der Migration bewerten zu können. Zudem legen präzise Zielsetzungen den Bedarf an personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen fest und ermöglichen eine gezielte Umsetzung der Migration. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, ob Mitarbeiterschulungen oder zusätzliche Expertise nötig sind.
3. Auswahl der passenden Migrationsstrategie
Im dritten Schritt geht es um die Auswahl der passenden Migrationsstrategie. Dafür stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung:
Rehosting (‚Lift and Shift‘): Anwendungen werden unverändert in die Cloud übertragen. Es ist der schnellste Weg, erfordert aber oft nachträgliche Optimierungen.
Replatforming: Anwendungen werden teilweise angepasst, um Cloud-Vorteile zu nutzen, ohne umfangreiche Änderungen vorzunehmen.
Refactoring: Hierbei werden Anwendungen umfassend modifiziert, um sie optimal für die Cloud anzupassen.
Rebuilding: Anwendungen werden vollständig neu entwickelt, um cloudnativ zu sein – von den bisher genannten Optionen ist es die kostspieligste.
Replacing: Veraltete Anwendungen werden durch neue, cloudbasierte Lösungen ersetzt.
Die Wahl der Strategie hängt maßgeblich von den spezifischen Unternehmensanforderungen und Zielen ab. Oft ist eine Kombination dieser Ansätze der ideale Weg. Im besten Fall sollte für jede Anwendung individuell entschieden werden, welche Strategie den größten Mehrwert bietet.
4. Umsetzung eines Proof of Concept
Überaus hilfreich in der Vorbereitung ist die Durchführung eines Proof of Concept (PoC). Durch ein solches „Leuchtturmprojekt“ lassen sich die Vorteile der Cloud für alle internen Stakeholder deutlich sichtbar machen: Der PoC dient als praktisches Beispiel, um das Bewusstsein im Unternehmen für die Cloud-Technologie zu schärfen und die Belegschaft direkt am „lebenden Objekt“ zu schulen.
Der PoC ermöglicht zudem, das geplante Vorgehen für die Migration und den späteren Betrieb unter realen Bedingungen zu testen und zu verfeinern. So lassen sich potenzielle Risiken frühzeitig erkennen und adressieren, bevor sie in der großflächigen Migration auftreten. Zudem wird das Cloud Governance-Konzept einer gründlichen Prüfung unterzogen. Dieses gewährleistet die Automatisierung, Überwachung und Sicherheit für alle Anwendungen.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus ermöglicht der PoC es, die Architektur und Prozesse an die spezifischen Anforderungen des Unternehmens anzupassen und eine optimierte Lösung zu entwickeln. Schließlich lässt sich mit dem PoC auch die Skalierbarkeit der Cloud-Infrastruktur testen. Dies erlaubt es etwa, das Verhalten der Cloud-Ressourcen unter Spitzenlasten zu beobachten und mögliche Engpässe zu identifizieren.
5. Migration und kontinuierliche Optimierung
Der letzte Schritt umfasst die eigentliche Migration und die anschließende Optimierung und Überwachung der Cloud-Umgebung. Dieser Prozess sollte sorgfältig geplant sein, um Ausfallzeiten zu minimieren und den Betrieb möglichst reibungslos zu gestalten. Es ist wichtig, von allen Daten Sicherungskopien zu erstellen, um Datenverlust oder -beschädigung zu vermeiden. Zudem empfiehlt es sich, mithilfe von Staging-Umgebungen die Cloud-Migration unter Bedingungen zu testen, die der Produktionsumgebung sehr ähnlich sind. So können Unternehmen sicherstellen, dass Anwendungen und Systeme in der Cloud genauso funktionieren wie in der bisherigen Infrastruktur.
Die Migration selbst sollte schrittweise erfolgen: Sinnvoll ist, mit weniger kritischen Anwendungen und Daten zu starten, um das Migrationsverfahren zu testen und zu optimieren, bevor geschäftskritische Systeme migriert werden. Eine kontinuierliche Überwachung des Migrationsprozesses mit Monitoring-Tools ist wichtig, um Performance und Verfügbarkeit zu gewährleisten.
Auch nach der Migration ist eine fortlaufende Überwachung nötig, um Leistung, Sicherheit und Kosteneffizienz zu gewährleisten. Ein fortlaufender Feedback-Loop ermöglicht es, Erkenntnisse aus der Cloud-Nutzung zu sammeln und in künftige Optimierungs- und Skalierungsmaßnahmen einfließen zu lassen. Schließlich bedarf es regelmäßiger Updates und Wartungsmaßnahmen, um die Cloud-Infrastruktur aktuell und leistungsfähig zu halten. In diesem Kontext ist ein ausgeprägtes DevOps-Mindset von entscheidender Bedeutung, da eine nahtlose Kooperation zwischen Entwicklungs- und Betriebs-Teams nötig ist, um den langfristigen Erfolg der Cloud-Transformation zu sichern.
Ausblick
Mit der richtigen Vorbereitung und einem klaren Plan können Unternehmen den Weg in die Cloud erfolgreich meistern und ihre digitale Transformation vorantreiben. Dennoch bleibt die Cloud-Migration für viele Unternehmen eine große Herausforderung: So belegt die eingangs zitierte Bitkom-Studie, dass fehlendes qualifiziertes Personal das größte Hemmnis bei der Umsetzung von Cloud-Projekten ist. Unternehmen sollten sich daher nicht scheuen, externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Erfahrene Cloud-Architekten sind entscheidend, um maßgeschneiderte Strategien zu entwickeln und potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen. Ihre Expertise gewährleistet eine effiziente Migration und die optimale Nutzung der Cloud-Ressourcen.
* Der Autor Maximilian Schaugg ist Senior Lead Architect Cloud Business Development bei MaibornWolff.