Als die erste IT-Trends-Studie von Capgemini erschien, waren für die teilnehmenden CIOs Portale, Storage, Enterprise Resource Planning und CRM beziehungsweise Globalisierung und Infrastructure Services die Top-Themen des Jahres 2003.
Die aktuelle IT-Trends-Studie von Capgemini zeigt: Es ist endlich an der Zeit, das Dauerproblem mit zentralen Daten-Plattformen zu lösen, damit Business-Bereiche ihre Daten selbst verwalten, aber nicht mehr isolieren können.
(Bild: David - stock.adobe.com)
Zwanzig Jahre später geht es um Cloud, Künstliche Intelligenz und Plattformen. Damals sollte beim Personal gespart werden. Heute klagt knapp ein Viertel der Unternehmens-CIOs sowie die Hälfte der Teilnehmenden aus der öffentlichen Verwaltung und ihrer IT-Dienstleister über hohen Fachkräftemangel.
IT-Budgets bleiben stabil
Was über die Jahre geblieben ist: Die IT-Budgets sind Jahr für Jahr stetig gestiegen, mal mehr, mal weniger. In der Wirtschaft erhöhen genauso viele CIOs wie im Vorjahr die IT-Budgets um mehr als 10 Prozent. Allerdings nehmen die moderaten Steigerungen von bis zu 10 Prozent ab. Dafür wird die Gruppe der Unternehmen mit gleichbleibenden IT-Ausgaben größer und steigt auf knapp 25 Prozent an.
Auch wenn sich ein leichtes Auf und Ab zeigt: Seit 2003 sind die IT-Budgets trotzdem kontinuierlich gestiegen.
(Bild: Capgemini)
Trotz gedämpften Optimismus durch Ukraine-Krieg und Energiekrise werden geplante oder bereits begonnene große IT-Projekte weitergeführt bzw. umgesetzt. Ziele sind, die Effizienz zu steigern und sich stärker an Kundenbedürfnissen auszurichten. Aber auch eine Verbesserung der Informationsauswertung und -nutzung sowie die Erhöhung der Datensicherheit steht im Fokus. Behörden zeigen sich insgesamt zurückhaltender. Hier gehen vor allem die Spitzenerhöhungen um mehr als 10 Prozent zurück. Rund die Hälfte erhöht um bis zu 10 Prozent. Die IT-Budgets fließen hier unter anderem in die Entwicklung neuer Services.
Flexibilitätsindex
Wirtschaft wie öffentliche Organisationen sehen, dass Flexibilität bei IT-Systemen, die Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden, aber auch der Datenaustausch immer wichtiger werden. Doch gerade bei den IT-Systemen zeigt sich eine hohe Diskrepanz bei den Anforderungen zwischen Ist- und Soll-Werten, sowohl im Backend als auch im Frontend. Der größere Teil (20,5 Prozent) ist zu unflexibel und kann schlecht auf Veränderungen des Umfelds reagieren.
Die höchsten Anforderungen werden an das mittlere Management gestellt. Problem hier: Statt Mitentscheider zu sein, sind die Führungskräfte noch immer fast ausschließlich mit Umsetzungsaufgaben betraut, um zusammen mit ihren Teams die gesteckten Ziele zu erreichen. Da sie selten Veränderungen selbst treiben oder an den Entscheidungen der Unternehmensleitung beteiligt sind, reagieren sie oft skeptisch auf Strategie- oder Taktikwechsel.
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Intelligente Datennutzung mit Hindernissen
Die Capgemini-Studie zeigt seit 2003 ein weiteres Kontinuum: die mangelnde Verfügbarkeit von Daten. So stockte schon vor 20 Jahren die Einführung von Business-Intelligence-Systemen unter anderem, weil zunächst Daten aus mehreren Abteilungen und unterschiedlichen Systemen konsolidiert werden mussten. Heute könnten Klimaschutz-, Automatisierungs- und KI-Projekte schneller vorankommen, wenn nicht fast die Hälfte aller Daten hinter verschlossenen Türen lagern würde und organisationsweit nicht nutzbar wäre. Und das liegt nicht nur am Datenschutz.
Behörden stehen weniger als 40 % aller Informationen abteilungsübergreifend zur Verfügung; Unternehmen können im Durchschnitt mit knapp 60 % ihrer Informationen organisationsweit arbeiten.
(Bild: Capgemini)
In Unternehmen sind Datensilos der Hauptgrund, historisch gewachsen und nie aufgelöst. 40 Prozent der Unternehmen und 22 Prozent der Behörden versuchen, den Datenmangel durch mehr oder weniger intensive KI-Nutzung zu überwinden. Unternehmen konnten ihn bereits leicht senken. Dagegen hat sich der Datenmangel in Behörden sogar verschärft. Ihnen stehen weniger als 40 Prozent aller Informationen abteilungsübergreifend zur Verfügung. Unternehmen können immerhin im Durchschnitt mit knapp 60 Prozent ihrer Informationen organisationsweit arbeiten.
Cloud und Cloud-native
In den vergangenen sechs Jahren hat die Cloud-Nutzung im deutschsprachigen Raum langsam, aber stetig zugenommen. Inzwischen kommen mehr als drei Viertel aller IT-Services aus einer entweder von der eigenen Organisation oder von einem Anbieter betriebenen Cloud. Aber 75 Prozent dieser Anwendungen wurden ursprünglich nicht für den Cloud-Betrieb entwickelt und können also nicht alle Vorteile der Technologie ausschöpfen. Allerdings soll in fünf Jahren mehr als die Hälfte aller Cloud-Anwendungen cloud-nativ sein.
Die Nutzung von IT-Services aus einer Cloud ist in den letzten 12 Monaten von einem Anteil von knapp 52 Prozent aller Services auf knapp 59 Prozent gestiegen. Damit stellen Cloud-Infrastrukturen derzeit den größten Teil aller IT-Services bereit. Das Verhältnis von Services aus Clouds außereuropäischer Anbieter hat sich jetzt aber zugunsten von Services europäischer Provider verschoben. Capgemini erwartet, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird.
RPA gegen Fachkräftemangel
Mehr als 80 Prozent der CIOs gehen davon aus, dass die strategische Bedeutung der IT-Abteilung weiterhin steigen wird. Dafür sollen sich die IT-Organisationen in den kommenden Jahren wandeln: Personal soll aufgestockt, Teams sollen vielfältiger und auch der Frauenanteil in Führungspositionen höher werden. CIOs wollen aber auch intensiver agile Methoden nutzen und für Routinearbeiten vermehrt Software-Roboter einsetzen, um ihre Teams zu entlasten.
Der Fachkräftemangel hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter verschärft. Der öffentliche Sektor ist deutlich stärker betroffen als die Wirtschaft. Hinzu kommt der demografische Wandel: Die Teilnehmenden schätzen, dass in den kommenden zehn Jahren durchschnittlich rund 24 Prozent der IT-Fachkräfte in den Ruhestand gehen – ein hoher Verlust an Leistungsträgern und Know-how.
Stand: 08.12.2025
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Reduzierung der Treibhausgasemissionen
Die Ambitionen der Wirtschaft, die jährlichen Treibhausgasemissionen zu reduzieren, sind deutlich gestiegen: von im Vorjahr knapp 37 Prozent Einsparungen in fünf Jahren auf jetzt rund 42 Prozent. Allerdings halten die Befragten es jetzt auch für etwas weniger realistisch, diese Ziele zu erreichen. Grund ist wiederum die mangelnde Datenverfügbarkeit als Grundlage für Optimierungen. Informationstechnologie soll direkt oder indirekt für knapp 50 Prozent der Einsparungen sorgen, im Vorjahr waren es noch knapp 43 Prozent.
Die Technologietrends 2023
Die Entkopplung der Ziele „Effizienzerhöhung“ und „Kostenreduzierung“ setzt sich fort. Viele Jahre lang waren diese beiden Faktoren verknüpft: Stagnierten oder sanken die IT-Budgets, wurden Kostenreduzierungen und Effizienzsteigerungen häufig als zwei der drei wichtigsten Ziele genannt; wenn die Ausgaben stiegen, traten beide in den Hintergrund.
Technologien mit der höchsten und geringsten Bedeutung für Unternehmen und Behörden.
(Bild: Capgemini)
Die Entkopplung deutet darauf hin, dass mehr Effizienz inzwischen nicht mehr hauptsächlich auf die Reduzierung von Kosten, sondern auch auf die Reduzierung von Arbeitsaufwand abzielt. Denn Fachkräfte werden immer rarer, verschärft durch den demografischen Wandel, und gleichzeitig steigt der Arbeitsaufwand in vielen Bereichen.
Für 39 Prozent (2022: 27 %) der Studienteilnehmer ist die Erhöhung der Datensicherheit wichtig. Das erhöhte Risiko von Cyberangriffen aufgrund des Ukraine-Krieges spielt hier sicherlich eine große Rolle. Gesunken ist dagegen das Interesse am Aufbau digitaler Plattformen zur Geschäftsentwicklung. Angesichts der Energiekrise kümmern sich vielen Unternehmen stärker um interne Themen wie Effizienz und Sicherheit als um Vertrieb und Kunden. Dennoch hat Digitalisierung als solches eine unverändert hohe Bedeutung. Vor allem Bestell- und Bezahlvorgänge sollen verbessert werden, ebenso die Entscheidungsfindung mithilfe von Analysetechniken.
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Die Auf- und Absteiger des Jahres
In diesem Jahr haben die Befragten die Bedeutung der meisten Technologien ähnlich eingeschätzt wie im Vorjahr. Die größten Zuwächse gab es beim Top-Thema Multi-Cloud sowie bei Preventive und Predictive Maintenance. Stark an Bedeutung verloren haben Edge Computing und der Schutz gegen Angriffe von Quantencomputern.
Höchste Bedeutung haben in diesem Jahr die Themen Zero Trust (ausgelöst durch den Ukraine-Krieg sowie zunehmende Ransomware-Angriffe), Multi-Cloud (vor allem aus Angst vor einem Vendor-Lock-in bei steigender Cloud-Nutzung) und Machine Learning (auch wenn mehr CIOs angeben, die Technologie nicht einsetzen zu wollen). Neueinsteiger unter den wichtigsten Technologien ist Robotic Process Automation (RPA), das bereits von mehr als 40 Prozent der Organisationen eingesetzt wird.
Die teilnehmenden CIOs haben die Bedeutung von 27 Technologien aus den Bereichen Anwendungen, Daten, Infrastruktur, Interaktion, Prozesse, Sicherheit und Zusammenarbeit für ihre Organisation bewertet und angeben, ob sie sie nutzen oder Projekte dazu planen.
(Bild: Capgemini)
Das Interesse am Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte lässt dagegen nach, obwohl erst knapp 13 Prozent der Befragten in diesem Bereich gut aufgestellt sind. Projekte in diesem Bereich zielen vor allem auf die automatische Analyse von Netzwerkprotokollen, die Beschränkung der Kommunikation von intelligenten Geräten sowie Passwort- und Update-Management.
Schlusslichter und damit Technologien mit der geringsten Bedeutung sind Virtual & Augmented Technology (auch wenn die Nutzung von 15 auf 21 % gestiegen ist), bargeldlose Bezahlung über Mobile Wallets (Payment, Ticketing, Access Control), Distributed-Ledger-Technologie (zu neu, zu unbekannt), Graphdatenbanken (für viele in der Anwendung zu komplex) und Quanten-Computing (noch immer ein Nischenthema, trotz großen Potenzials).
Rund 56 Prozent der CIOs wollen in den kommenden Monaten ZeroTrust-Projekte umsetzen. Jeder zweite will Low-Code-App-Plattformen nutzen. Bei gut 47 Prozent der Befragten stehen Multi-Clouds auf dem Projektplan, etwas mehr als 46 Prozent wollen Prozesse mit intelligenten Robotern automatisieren. Dazu tragen zum einen die Erfahrungen mit RPA sowie neue Services von Cloud-Anbietern bei.
Zur Studie IT-Trends 2023
Die Studie IT-Trends von Capgemini ermittelt den aktuellen Stand der IT in Wirtschaft und Behörden sowie die Trends der kommenden Jahre. Untersucht werden sowohl technologische als auch wirtschaftliche und organisatorische Aspekte. Dazu gehören beispielsweise die Entwicklung der IT-Budgets, die Organisation der IT-Einheit, Zukunftstechnologien und Standortfaktoren.
Alle Teilnehmenden erhielten Fragen zu den Themen Anforderungen an die IT 2023, IT-Budgets der kommenden Jahre, IT-Organisation und -Betrieb, Daten und Cloud, intelligente Technologien und Technologie-Trends.
In der Zeit vom 5. September bis zum 16. Oktober 2022 befragte Capgemini 132 Entscheidungsträgerinnen und -trägern von Behörden und Unternehmen aus Deutschland (113), Österreich (18) und der Schweiz (1). Sie erzielen mehrheitlich einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Euro pro Jahr.