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ERP im Jahr 2020 Elf Trends bei Geschäftssoftware für Mittelständler

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Jedes Unternehmen hat seine Besonderheiten – und dennoch sind die Herausforderungen ähnlich. Digitalisierung und ERP-Modernisierung zum Beispiel. Dabei zeichnen sich für 2020 schon Entwicklungen ab, die auch für den Mittelstand entscheidend sein werden.

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Geschäftsführer und ERP-Verantwortliche sollten die Trends bei Geschäftssoftware im Blick behalten.
Geschäftsführer und ERP-Verantwortliche sollten die Trends bei Geschäftssoftware im Blick behalten.
(Bild: © kentoh - stock.adobe.com)

Auf Basis eigener Projekterfahrungen sowie zahlreicher Studien hat der Software-Anbieter proAlpha Trends identifiziert, die insbesondere für mittelständiche Unternehen für das kommende Jahr relevant werden oder noch aktuell bleiben:

Big Data und Business Intelligence
Für immer mehr Unternehmen wird die Nutzung von Big Data zur Top-Priorität. Das zeigt eine Studie des Branchenverbands Bitkom vom April 2019. Der Anteil der Unternehmen, die sich mit diesem Thema befassen, ist von 51 Prozent 2017 auf 59 Prozent in diesem Jahr geklettert. Ein Weckruf für die verbleibenden 40 Prozent. Denn gerade für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) sind umfangreiche Daten und passende Analysemethoden notwendig.

Datenqualität
Dazu passt der stärkere Fokus auf Datenqualität. Denn mit der verstärkten Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse spüren Unternehmen mehr und mehr die Abhängigkeit von gut gepflegten Daten. Auch Gartner sieht Transparenz als einen wichtigen Trend für 2020, mit einer hohen Datenqualität als Basis. Denn nur mit qualitativ hochwertigen Daten wird die Digitalisierung zum Erfolg.

Automatisierte Prozesse
Informationen bilden die Basis für automatisierte Prozesse. Robotic Process Automation (RPA) und Verfahren wie Process Mining machen Abläufe in den Unternehmen sichtbar, mit allen sich bietenden Chancen zur Verbesserung. Prozesse lassen sich dadurch optimieren und vollkommen automatisieren. Rund 70 Prozent der Unternehmen sehen RPA und Process Mining als wichtige Grundlage für ihre Digitalisierung.

Industrial IoT
Das (Industrial) Internet of Things ist, so die schon erwähnte Bitkom Studie, das zweitwichtigste Technologie-Thema für die deutschen Unternehmen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Maschinen untereinander und mit anderen Systemen kommunizieren können. Der Standard OPC UA over TSN soll den Austausch weiter beflügeln. Angesichts der langen Nutzungszeiten mancher Anlage wird es jedoch noch Jahre dauern, bis alle Geräte im Maschinenpark web-enabled sind. Entsprechend hoch ist der Bedarf an praktischen Alternativlösungen, die etwa mit Hilfe von Minicomputern Maschinen und ERP-Systeme miteinander sprechen lassen.

Verstärkte Integrationsfähigkeit
Überhaupt steht bei den Unternehmen das Thema Vernetzung und Enterprise Application Integration (EAI) hoch im Kurs. Viele haben in der Vergangenheit nur zu schmerzhaft erfahren, wie unkontrollierbar sich Schnitt stellen vermehren können. Alternativen wie die Integration Workbench von proAlpha bieten sich an.Auf der Basis einer Service-orientierten Architektur (SOA) dient hier ein Enterprise Service Bus (ESB) als Bindeglied zwischen allen Anwendungen und Systemen. Mit integrierbaren Systemen schaffen sich Unternehmen eine wichtige Basis auf ihrem Weg hin zur Plattformökonomie.

Die Lösung für Losgröße 1
Kunden, ob im B2B oder im B2C, wollen immer mehr individualisierte Produkte, sei es der bunte Sportschuh oder die individuell angepasste Maschine. Dieser Wunsch verschafft dem Thema Konfiguratoren Rückenwind: Sie sind das digitale Bindeglied zwischen dem Kundenwunsch und einer Fertigung in kleinen und kleinsten Losgrößen. Auch der VDMA hat Variantenkonfiguratoren als einen der Top 10 Investitionsbereiche des deutschen Maschinenbaus identifiziert. Zwei Jahre zuvor war das Thema noch abgeschlagen auf Platz 18 zu finden.

Service, Service, Service
Eine wachsende Kundenorientierung zeigt sich auch an anderer Stelle. Der VDMA listet den Service auf Platz 5 der IT-Investitionsbereiche bis 2020. Wichtig für Unternehmen dabei: keine neuen IT-Silos schaffen. Eine nahtlose Integration mit den Daten aus dem Vertrieb, eine vollständige Produkthistorie und direkter Zugriff auf Wartungsanleitungen und Vertragsunterlagen sind entscheidende Voraussetzungen für eine gelungene Digitalisierung im Kundenservice.

Mobiles Arbeiten
Was das Thema Mobility angeht, hat sich in den letzten Jahren viel getan: Technische Hürden gibt es so gut wie keine mehr. Interne und externe Arbeitsplätze lassen sich heute problemlos digital anbinden – zumindest theoretisch. In der Praxis hapert es noch, wie auch die Studie der Initiative D21 belegt. Demnach verfügen 44 Prozent der Arbeitnehmer über einen Laptop. Bisher schöpfen die Unternehmen die Potenziale des mobilen Arbeitens jedoch noch nicht voll aus, sei es in der Verwaltung oder in der Produktion.

Internationalisierung
Deutsche Unternehmen setzen trotz zunehmender Risiken und Unsicherheiten im globalen Handel weiter auf eine Internationalisierung ihres Geschäfts. Dies bestätigt eine Studie der Commerzbank. Der Mittelstand sei auf die Unwägbarkeiten durchaus eingestellt und setze, je nach Größe, auf Kernprodukte, den Vertrieb im EU-Binnenmarkt oder auf Innovation und internationale Diversifizierung. Für die ERP-Anbieter bedeutet das, nicht nur Benutzeroberflächen in Landessprache anzubieten. Die Software hat auch lokale Gesetze und Regularien zu berücksichtigen. Außerdem muss sie ein nahtloses Stammdatenmanagement und den Austausch von Bewegungsdaten zwischen der Zentrale und den Niederlassungen ermöglichen.

Anwenderzentrierte Usability
Apropos Benutzerfreundlichkeit: In der Bitkom Studie „Digital Office im Mittelstand 2019“ bestätigten 88 Prozent der befragten Unternehmen unter 500 Mitarbeitern, dass für sie Software-Ergonomie ein äußerst relevanter Trend ist. Entsprechend lassen einige Hersteller, darunter auch proAlpha, ihre Anwender bereits in der Designphase neuer Releases und Branchenlösungen mitbestimmen. Sie beeinflussen so die Benutzerführung schon früh, sowohl bei der Funktionalität als auch durch Visualisierungen über Mockups und Wireframes entscheidend mit, anstatt erst im Rahmen von Pilotinstallationen involviert zu werden und können so ihre Wünsche frühzeitig einbringen.

Cloud im breiten Einsatz
63 Prozent der deutschen Unternehmen arbeiten aktuell daran, weitere Applikationen in die Cloud zu migrieren, so die Studie IT-Trends 2019 von Capgemini. Dabei, so die schon zitierte Studie des VDMA, geht es primär um Private und kaum um Public Cloud-Angebote. Anlass zum Wechsel liefern für die meisten Unternehmen ganz praktische Gründe: Die begrenzten Ressourcen in der IT gepaart mit einer Zunahme an Cyberangriffen lassen viele umdenken. Wie real und mittelstandsrelevant diese Bedrohung ist, zeigte erst wieder im Oktober ein erpresserischer Hackerangriff auf den Automatisierungsspezialisten Pilz. Daneben lassen auch die Einsparungen bei der Hardware die Cloud-Angebote punkten.

Und was kommt noch?

Zwei weitere Themen, Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen, befinden sich auch 2020 noch im Aufbau. Zwar sagen laut Bitkom 78 Prozent, dass KI als Technologie für den künftigen weltweiten Erfolg deutscher Unternehmen entscheidend ist. Jedoch lediglich 12 Prozent nutzen die Technologien bereits oder planen einen Einsatz. proAlpha rät dem Mittelstand, bei diesen Themen weiter am Ball zu bleiben. Denn alle Experten sind sich einig: Bots & Co. werden sich mehr und mehr durchsetzen.

Dagegen sollten sie sich mit der Plattformökonomie schon heute auseinandersetzen. Zwar werden Plattformen 2020 noch nicht flächendeckend vorhanden sein. Dennoch geht es darum, frühzeitig die passenden Grundlagen zu schaffen.

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de