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Immer dasselbe und doch anders Digitale Transformation als einen Prozess verstehen

| Autor / Redakteur: Joe Garber* / Elke Witmer-Goßner

Erst seit 2013 steigt in Deutschland das Interesse an der Bedeutung digitaler Transformation stetig an, obwohl das Konzept deutlich älter ist. Und ihr Ende ist auch noch lange nicht gekommen, denn es handelt sich dabei um einen fortlaufenden Prozess, der immer relevant bleibt.

Wer den ersten Schritt nicht wagt aus Angst vor dem Risiko, wird auch die Chancen der digitalen Transformation nicht nutzen können.
Wer den ersten Schritt nicht wagt aus Angst vor dem Risiko, wird auch die Chancen der digitalen Transformation nicht nutzen können.
(Bild: © Artinun - stock.adobe.com)

Anhand der Geschichte der Digitalisierung lässt sich gut ablesen, warum es für Unternehmen keinen Grund zur Sorge gibt, wenn ein Transformationsprozess bevorsteht. Die ersten Computer, wie der Zuse Z3 oder der ENIAC (Electronic Numerical Integrator And Computer), wurden zunächst für militärische und wissenschaftliche Zwecke verwendet. IBM entwickelte in den 50er und 60er Jahren als erstes Unternehmen Großrechner (Mainframes) für den kommerziellen Gebrauch. Diese wurden – und werden auch heute noch – vornehmlich in Banken und Versicherungen eingesetzt, wo große Datenmengen mit hoher Rechenleistung verarbeitet werden müssen. Um diesen Anforderungen entgegenzukommen, wurde 1959 eigens dafür die Programmiersprache COBOL (Common Business Oriented Language) entwickelt. Auch sie ist noch heute im Einsatz und nach wie vor relevant.

Wenige Jahre später schaffte es der Personal Computer in einem kleineren Format in die Unternehmen und Privathaushalte: 1976 der Apple I und 1977 der Commodore PET. Doch die schwierige Interaktion über Kommandozeilen war nur für Tech-Enthusiasten attraktiv. Als erster kommerzieller Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche gilt heute der Apple Macintosh. Durch die Oberflächendarstellung waren Computer dann auch für Laien zugänglicher. Ein Jahr später leitete Microsoft mit Windows 1.0 eine neue Ära der Betriebssysteme ein.

Die Anfänge der globalen Vernetzung

Auch das Internet war ursprünglich eine Sache von Militär und Wissenschaft. Dessen Vorläufer – das ARPANET (Advanced Research Projects Agency NETwork) – war ein dezentrales Netzwerk, das Forschungsinstitute 1968 landesweit miteinander verband. 1971 versandt der Informatiker Ray Tomlinson die erste E-Mail der Geschichte. Somit war die Basis geschaffen, die unserer heutigen globalen Vernetzung zugrunde liegt: Der digitale Versand und Austausch von Informationen und Daten. Verbunden mit der Arbeit, die das CERN in das World Wide Web steckte, erzielte das Internet Anfang der 90er Jahre seinen eigentlichen kommerziellen Durchbruch.

Gleichzeitig mit dem Internet, das Privat- sowie Geschäftsleben revolutionierte, kamen die ersten Mobiltelefone auf den Markt. Es dauerte nicht lange, bis beide Konzepte miteinander in Smart Devices verbunden wurden. Informations- und Kommunikationstechnologie war nicht mehr nur global, sondern auch mobil und nicht mehr an den Heimcomputer oder das Festnetz-Telefon gebunden.

Web 2.0 und die Cloud

Durch Plattformen wie (damals) MySpace, Facebook und Twitter erfuhr das Internet eine stärkere Vernetzung und einen noch einfacheren Informationsaustausch auf sozialer Ebene. Seit Einführung des Internets bis heute wachsen auch die Nutzeranforderungen stetig: Neue Dienste erfordern ein schnelleres und zuverlässigeres Netz mit erhöhter Bandbreite und bessere technische Geräte schrauben die Wünsche der Anwender weiter hoch.

Durch die Erfüllung dieser digitalen Voraussetzungen müssen sich Nutzer – geschäftlich sowie privat – nicht mehr gänzlich auf lokale Systeme verlassen. Heute kommt man kaum mehr um die Cloud herum, die die Online-Datenspeicherung ermöglicht. Dadurch wird ein weiteres Mal der Informationsaustausch beschleunigt, die Produktivität gesteigert und neue Geschäftsmodelle begünstigt.

Die nächste Welle rollt bereits

Auch wenn Deutschland in Sachen Digitalisierung im Europavergleich eher im Mittelfeld spielt, so ist dennoch sicher: Der Digitale Transformationsprozess befindet sich gerade in einem Übergang zur nächsten „e-Evolutionsstufe“, in dem sich innovative Technologien und Weiterentwicklungen zu etablieren versuchen.

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) wird immer weiter ausgebaut und dadurch auch in immer mehr praktischen Anwendungen genutzt. Mithilfe von KI und Machine-Learning-Komponenten sind Unternehmen bereits in der Lage, Geschäfts- und Entscheidungsprozesse automatisiert durchzuführen. KI nimmt Mitarbeitern nicht nur Routinearbeit ab, wodurch diese die freie Zeit effizient auf andere Tätigkeiten verwenden können. Sie schafft es außerdem, große Datenmengen zu verarbeiten, die menschliche Mitarbeiter nicht stemmen könnten. Die Durchführung solcher Prozesse wird maßgeblich beschleunigt und zusätzlich die Fehlerquote reduziert.

Auf die Zukunft vorbereiten

Entwicklungs- und Innovationsprozesse verlangen der Unternehmens-IT ein hohes Maß an Schnelligkeit ab. Im Rahmen eines iterativen Prozesses ermöglicht ein DevOps-Ansatz eine schnellere, effizientere und sicherere Softwareentwicklung. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Development und Operations und die Kompatibilität in hybriden IT-Umgebungen, begünstigt dieses Modell einen hohen Grad an Flexibilität.

Außerdem sollten Testphasen schon während des Entwicklungszyklus eingebaut werden (Shift-Left-Ansatz). Entwickler können durch KI und Machine Learning automatisiert Schwachstellen identifizieren, die sich während der Anwendungsentwicklung eingeschlichen haben, und diese beheben, noch bevor sie ihren Weg in die Release-Version schaffen und die Nutzererfahrung negativ beeinflussen.

Risiken? Mehr Chancen!

Was uns die Geschichte der Digitalisierung gelehrt hat ist: Digitale Transformation ist kein einmaliger Schritt, sondern ein fortlaufender Prozess, der zudem ein Zusammenspiel unterschiedlichster kleinerer Veränderungen ist. Dieser ist seit der Einführung von Mainframe-Rechnern und der Entwicklung des Internets Teil unserer IT-Realität und wird uns weiterhin begleiten. Veränderungen sind oft mit Risiken verbunden. Dennoch müssen hier die Chancen mit in die Waagschale gelegt werden, die sich dadurch ergeben können: So kann ein Unternehmen, das gerade eine digitale Transformationsinitiative verfolgt, während dieses Prozesses den Sicherheitsaspekt aus den Augen verlieren, was dann wiederum ein gewisses Risiko für das Unternehmen bedeutet.

Wenn das Unternehmen allerdings das Risiko gänzlich scheut und sich nicht an die veränderten Marktanforderungen anpasst und somit versäumt, mit dem disruptiven Wandel mitzuhalten, stellt dies langfristig ein weitaus größeres Risiko für den Fortbestand des gesamten Unternehmens dar. Gehen Unternehmen den digitalen Wandel nicht mit, droht ihnen, dass sie hinter ihren Wettbewerbern zurückfallen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung bereits gestellt haben.

* Der Autor Joe Garber ist Vice President Strategy & Solutions bei Micro Focus.

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