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Wohin entwickeln sich Open-Source-Datenbanken?

Die neue Position von MySQL 5.6

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Datenbanken und Cloud Computing

Patrik Sallner, CEO von SkySQL.
Patrik Sallner, CEO von SkySQL.
(Bild: SkySQL)
Für ebenso wichtig in Sachen Zukunft der Datenbanken hält Sallner das Thema Cloud Computing. Nachdem die Anwender die Virtualisierung im Wesentlichen vollzogen haben, richten sie – die Großunternehmen als erste – ihre Private Cloud ein und testen auf dieser Basis den Bezug einzelner Services aus der Public Cloud. Diese „hohe“ Form verwenden konsequent bisher nur junge, kapitalschwache Firmen, die auf Skalierbarkeit und Flexibilität Wert legen. In den meisten Fällen aber entsteht ein Mix aus virtualisierter On-premise-Umgebung, Private und Public Cloud.

„Die Datenbanken der Zukunft müssen nahtlos über die Grenzen zwischen diesen Infrastrukturen hinausgehen. Die bisherige On-premise-Datenbank muss nicht nur Anwendungen unterstützen können, die zur Abfederung von Anforderungsspitzen teilweise in die Cloud verlagert werden. Vielmehr muss sie sich quasi in die Cloud verlängern lassen und dabei auch noch ausfall- und einbruchssicher sein.“ Diesen Aspekt adressiert SkySQL mit dem ersten eigenen Softwareangebot, der „Cloud Data Suite“ für Amazon EC2 und demnächst OpenStack.

Big Data und Business Analytics

Ein weiterer Zukunftsaspekt dreht sich um die Trendthemen Big Data, Analytics und Business Intelligence. Anwendungen aus diesen Bereichen bringen eine bessere Performance, wenn ihre Datenbank nicht in klassischer SQL-Methode zeilenweise Daten liest und schreibt, sondern vertikal, spaltenorientiert arbeitet. Die Erweiterung von MariaDB um diese Fähigkeit ist ein erklärtes Ziel von Monty Widenius. Virtuelle Columns, die sich auf Werte aus anderen Datenbankspalten beziehen, sind für Data Warehouses interessant und zeigen die Richtung an.

Datenbanken können also immer mehr, aber bei weitem nicht genug Administratoren, DBAs, vermögen solche Features auszunutzen. Ergo müssen Tools das erleichtern. Dieser Faktor behindert den Durchbruch von Open-Source-Datenbanken in die Liga einer Oracle oder DB2, so Sallner: „Es gibt bestimmt genau so viele Tools für Open-Source-Datenbanken wie für proprietäre. Man muss aber wissen wo und alles selbst zusammenfügen. Anwender, besonders die aus Microsofts SQL-Server-Welt, sind es aber gewohnt, dass dort solche Tools besser integriert und dadurch einfacher zu verwenden sind.“ Aus dieser Überlegung heraus hat SkySQL ein zweites Softwareangebot auf den Markt gebracht. Diese „Enterprise Data Suite“ vereint diverse Open-Source-Tools unter einer Benutzeroberfläche.

Oracle hat also mit der neuen Version 5.6 MySQL durchaus Gutes angedeihen lassen. Die Neuerungen werden angesichts der weiten Verbreitung der Datenbank für eine Belebung im MySQL-Umfeld sorgen. Aber die Konkurrenz hängt nicht mehr hinterher, sondern orientiert sich auf eine Zukunft in einer höheren Datenbankliga. Monty Widenius redet offen davon: „Wir wollten schon zu Sun-Zeiten in diese Klasse aufsteigen. Jetzt bei Oracle darf MySQL das nicht. Wir schon.“

Die Fehler von Oracle in Sachen Open Source geben einer munteren Konkurrenz zusätzlichen Auftrieb. Jüngst haben sich die Linux-Projekte Fedora und OpenSuse für MariaDB statt MySQL als „Default“-Datenbank entschieden. Das ist eine Anerkennung der Qualität und der Open-Source-Orientierung von MariaDB sowie ein Votum gegen Oracle. Dies wird sich wohl bald auch in der Aufstellung der Server-Distributionen von RedHat und Suse niederschlagen. Monty Widenius meint daher: „Wir haben den Wettbewerb mit MySQL um die Distributionen gewonnen.“. Das würde die beherrschende Marktposition von MySQL reduzieren – was die Marktforscher von The 451 Group schon vor rund einem Jahr vorausgesagt haben.

Der Autor

Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in München.

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