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Cloud-Nutzung im deutsch-niederländischen Ländervergleich Die Hälfte der deutschen Internetnutzer sorgt sich um ihre Daten

Autor: Elke Witmer-Goßner

Wer sich in Deutschland oder den Niederlanden gegen eine Cloud-Nutzung entscheidet, tut dies in beiden Ländern vor allem auf Grund starker Sicherheitsbedenken. Deutsche Internetnutzer fühlen sich im Netz generell unsicherer als Niederländer, doch bei der Cloud bestehen überall Vorbehalte.

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In Deutschland wie in den Niederlanden gibt es viele Internetnutzer, die ihre Daten nicht in der Cloud speichern und ihre Skepsis mit Sicherheitsbedenken begründen.
In Deutschland wie in den Niederlanden gibt es viele Internetnutzer, die ihre Daten nicht in der Cloud speichern und ihre Skepsis mit Sicherheitsbedenken begründen.
(Bild: gemeinfrei © Piet G - Pixabay / Pixabay )

Im Auftrag des deutschen Webhosting-Anbieters Strato hat forsa 2019 sowohl deutsche, als auch niederländische Internetnutzer zwischen 18 und 75 Jahren zu Cloud-Nutzung und Cybersicherheit befragt. Über 90 Prozent aller Umfrageteilnehmer in beiden Ländern nutzen das Internet, doch bestehen in Deutschland wesentlich höhere Bedenken in puncto Datensicherheit. Während sich hierzulande nur etwas mehr als die Hälfte der Nutzer im Internet sicher fühlt, sind es im Nachbarland knapp drei Viertel.

Mehr Internet-Power und weniger Angst im Nachbarland

Die Niederlande haben zwar deutlich weniger Einwohner, dafür haben sie aber im Netz die Nase vorn mit fast 90 Prozent 4G-Netzabdeckung (versus 66% in Deutschland) und einer fast doppelt so hohen mobilen Downloadgeschwindigkeit (41 statt 23 MB/Sekunde). Und sie haben deutlich weniger Sicherheitsbedenken: Im Nachbarland fühlen sich 74 Prozent der Internet-Nutzer sicher, wenn es um den Schutz der Daten vor dem Zugriff Unbefugter geht – in Deutschland sind das gerade mal 54 Prozent.

Welche Dateitypen Deutsche und Niederländer in einem Cloud-Speicher sichern.
Welche Dateitypen Deutsche und Niederländer in einem Cloud-Speicher sichern.
(Bild: Strato AG)

Zwar setzen sowohl Deutsche als auch Niederländer die Cloud vorwiegend zur Sicherung von Fotos, Musik und Dokumenten ein – mit 80 bis 90 Prozent sind das in beiden Ländern die meistgenannten Dateitypen, die online gespeichert werden. Aber während in Deutschland sensible Daten wie Passwörter, Gesundheitsunterlagen oder Finanzdaten nur von 20 bis 30 Prozent der Cloud-Nutzer dort abgelegt werden, sind unsere niederländischen Nachbarn weniger zurückhaltend: Fast die Hälfte der Cloud-Nutzer sichert auch diese Daten im Netz.

Wenn Niederländer die Cloud nutzen, dann offenbar mit deutlich weniger Bedenken. Die Vermutung liegt also nahe, dass Cloud-Dienste von den Nachbarn auch insgesamt sehr viel häufiger eingesetzt werden. Doch während sich beim Sicherheitsempfinden und beim Umgang mit sensiblen Daten markante Länderunterschiede zeigen, sieht das Bild beim grundsätzlichen Einsatz von Cloud-Diensten anders aus.

Die Top-4-Gründe für die Nicht-Nutzung von Cloud-Diensten in Deutschland.
Die Top-4-Gründe für die Nicht-Nutzung von Cloud-Diensten in Deutschland.
(Bild: Strato AG)

Nur die Hälfte der Deutschen und knapp 60 Prozent der Niederländer nutzen die Cloud. Es scheint also in beiden Ländern ähnlich große Vorbehalte zu geben, sich überhaupt für die Cloud-Nutzung zu entscheiden. Aufschluss über die Gründe liefert die Befragung der Nicht-Nutzer, warum sie sich gegen die Cloud entschieden haben: Abgesehen von der allgemeinen Bevorzugung externer Festplatten oder USB-Sticks finden sich bei den Deutschen auf den ersten Plätzen ausschließlich Sicherheitsbedenken, wenn es um die Gründe für die Nicht-Nutzung der Cloud geht – und zwar mit extrem starken Zustimmungswerten von über 80 Prozent.

Die deutschen Internetnutzer fürchten nicht nur, dass die Cloud-Anbieter selbst die Daten einsehen oder verwenden könnten (81%), sie begründen ihre Entscheidung gegen die Cloud auch mit ihrer Sorge vor Hackern und Geheimdiensten (84%) und vor generellem Datenzugriff durch unberechtigte Dritte (85%). In den Niederlanden sind die Sicherheitsbedenken zwar auf einem insgesamt niedrigeren Niveau, doch auch im Nachbarland gehören sie zu den Top-Gründen, warum auf die Cloud-Nutzung verzichtet wird.

Vollkommen einig sind sich Deutsche und Niederländer bei der am wenigsten genannten Begründung: Nur etwa 20 Prozent der Nicht-Nutzer geben an, sich wegen vorheriger schlechter Internet-Erfahrungen in Bezug auf Datensicherheit gegen die Cloud entschieden zu haben. Die Sicherheitsbedenken sind also in beiden Ländern höher und auch relevanter, sich gegen die Nutzung eines Cloud-Dienstes zu entscheiden, als tatsächlich gemachte negative Erfahrungen im Internet.

Experten raten zu bewusstem Umgang mit der Cloud

Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager beschäftigt sich als Professor für IT-Sicherheit an der Bergischen Universität Wuppertal mit dieser Thematik. Er rät Privatanwendern zu einer genauen Abwägung zwischen dem Bedarf der Daten-Verfügbarkeit und dem nach Vertraulichkeit. „Jeder einzelne sollte überlegen: Welchen Schutzbedarf haben meine Daten?“, sagt er dazu. Wer zusätzliche Sicherheit gewinnen will, sollte laut Prof. Jager bei der Wahl des Cloud-Anbieters verschiedene Aspekte wie die Zertifizierung, die mögliche Verschlüsselung der Daten oder den Serverstandort beachten. Aus rechtlicher Sicht könnten sich Nutzer seit der DSGVO darauf verlassen, „dass in allen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums ein einheitlich hoher Datenschutzstandard herrscht“, wie Dr. Martin Schirmbacher, Fachanwalt für IT-Recht, betont. „Dieser Rechtsrahmen gilt für alle Unternehmen, die sich gezielt an Kunden in der EU wenden.“

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de