Ein Kunde – eine Lizenz. Das war über viele Jahre die gängige Abrechnungsmethode bei Telefonanlagen, Cloud-Services und Software-as-a-Service (SaaS). Nur stellen immer mehr Firmen dieses traditionelle Modell des Seat-Based Pricing, bei dem Unternehmen für jeden Software-Nutzer eine separate Lizenz erwerben, infrage.
Das Seat-Based Pricing bei Software gerät durch die Integration von KI und veränderte Kundenbedürfnisse zunehmend unter Druck. Pay-per-Use-Modelle bieten Kosteneffizienz und Anpassungsfähigkeit, bringen jedoch auch neue Herausforderungen mit sich.
(Bild: zest_marina - stock.adobe.com)
Ein aktuelles Beispiel ist Salesforce, wo man erwägt, das Preismodell zu ändern und künftig pro KI-gestützter Konversation abzurechnen. CEO Marc Benioff deutete an, dass Kunden künftig etwa zwei US-Dollar pro KI-Agenten-Gespräch zahlen könnten. Diese Überlegungen spiegeln die wachsende Integration von künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmenssoftware wider und verdeutlichen den Trend zu flexibleren, nutzungsbasierten Preismodellen – wie Pay-per-Use.
KI als Katalysator für neue Preismodelle
Diese Entwicklung hin zu Pay-per-Use ist im Wesentlichen auf die immer stärkere Integration von KI in Unternehmenssoftware zurückzuführen. Um beim Beispiel Salesforce zu bleiben: Hier könnten KI-Agenten laut Benioff bis zu 90 Prozent der Kundenanfragen abwickeln. Der Bedarf an menschlichen Service-Agenten könnte so reduziert und die freigewordenen Kapazitäten könnten anderweitig eingesetzt werden.
Diese Entwicklung stellt SaaS-Anbieter vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Vorteile: Einerseits ermöglicht die KI-Integration mehr Effizienz bei gleichzeitiger Kosteneinsparung, andererseits könnte dies zu einem Rückgang der verkauften Lizenzen und damit zu Umsatzeinbußen führen. Gleichzeitig darf man nicht vergessen: Jede einzelne KI-Operation erfordert eine hohe und damit auch kostspielige Rechenleistung, die entsprechend verbucht werden muss – Kosten, die typischerweise an den Kunden weitergegeben werden.
Diese Faktoren erfordern eine Umschulung der Vertriebsteams. So können sie leichter den Nutzen respektive den Mehrwert der neuen, nutzungsbasierten Modelle beim Kunden wirkungsvoll kommunizieren. Denn letztlich sind es die Kunden, die bereit sein müssen, für den Mehrwert auch bezahlen zu wollen.
Vorteile und Herausforderungen von Pay-per-Use aus Kundensicht
Pay-per-Use-Modelle sind bei Unternehmen auch deshalb immer mehr gefragt, weil sie einige Benefits gegenüber herkömmlichen Preismodellen bieten: Der offensichtlichste Punkt ist die höhere Kosteneffizienz, da der Kunde nur das zahlt, was er auch tatsächlich nutzt. Eng hiermit verbunden ist der Aspekt der Budgetkontrolle, da Kunden somit leichter die eigenen Ausgaben im Blick behalten können, als es bei herkömmlichen Abrechnungssystemen der Fall wäre.
Dies führt im nächsten Schritt auch zu größerer Flexibilität, da die Nutzung an den aktuellen Bedarf angepasst werden kann, ohne langfristige Verpflichtungen einzugehen. Darüber hinaus sinkt die Einstiegsbarriere gerade für kleinere Unternehmen, denn diese können nun neue Technologien mit geringerem finanziellem Risiko testen und einsetzen. Allerdings bringt die Umstellung auf Pay-per-Use auch Herausforderungen mit sich.
Ein Grund: Die präzise Erfassung und Abrechnung der Nutzung bedarf komplexer und fortschrittlicher Abrechnungssysteme, die weit über die Möglichkeiten traditioneller Buchhaltungssoftware hinausgehen. Die Kernaufgabe besteht darin, Nutzungsdaten in Echtzeit zu erfassen, zu verarbeiten und in abrechnungsfähige Informationen umzuwandeln.
Dies erfordert nicht nur eine leistungsfähige Datenerfassung, sondern auch hochentwickelte Analysewerkzeuge und flexible Abrechnungsalgorithmen. Darüber hinaus müssen diese Systeme in der Lage sein, mit einer Vielzahl von Preismodellen und Tarifstrukturen umzugehen, die sich je nach Kunde, Produkt oder sogar Tageszeit ändern können.
Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Skalierbarkeit. Denn mit zunehmender Kundenanzahl und steigendem Transaktionsvolumen nimmt auch die Komplexität der Abrechnungsprozesse exponentiell zu. Herkömmliche Systeme stoßen hier schnell an ihre Grenzen, was zu Verzögerungen, Fehlern und letztendlich zu Frustration auf Kundenseite führen kann.
Auswirkungen auf die IT-Landschaft
Der Wandel hin zu Pay-per-Use-Modellen hat weitreichende Auswirkungen auf die IT-Landschaft in Unternehmen, mit dem Ergebnis, dass IT-Verantwortliche die Softwarenutzung und -beschaffung überdenken müssen. Während bei Seat-Based Modellen die Kosten stabil und vorhersehbar sind, können sie bei Pay-per-Use je nach Unternehmens- und Mitarbeiterstruktur stärker schwanken. Dies erfordert neben einem angepassten Budgetierungsprozess ein präziseres Monitoring und eine engere Zusammenarbeit zwischen dem IT-Team und den einzelnen Fachabteilungen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Die Zukunft des Software-Pricings
Fest steht: Der Trend zu Pay-per-Use wird sich weiter verstärken. Die nahe Zukunft könnte aber den hybriden Modellen gehören, die Elemente von Seat-Based Pricing mit nutzungsbasierten Bestandteilen kombinieren.
Der Vorteil für Anbieter liegt hier in der Möglichkeit, für jeden Kundenwunsch die passende Abrechnungsvariante anbieten und damit auch sehr individuelle Preisstufen gestalten zu können. Die Integration von KI wird diesen Prozess weiter vorantreiben und dabei helfen, Preismodelle in Echtzeit an Marktbedingungen anzupassen.
Ein Beispiel: Mit dem Aufkommen von Microservices und der Application-Programming-Interface-Economy (API) entstehen schon heute neue Möglichkeiten für präzisere nutzungsbasierte Abrechnungsmodelle. Microservices ermöglichen es Unternehmen, Anwendungen in kleine, spezialisierte Dienste zu unterteilen, wodurch die Nutzung auf dieser Ebene genau erfasst und abgerechnet werden kann. Gleichzeitig fördern APIs die Integration verschiedenster externer Dienste, sodass Firmen nur für die tatsächliche Nutzung zahlen.
Ein Wandel hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit
Der Übergang von Seat-Based Pricing zu Pay-per-Use-Modellen markiert einen Wendepunkt in der Software- und Cloud-Industrie. Getrieben durch technologische Innovationen wie KI und veränderte Kundenerwartungen bietet dieser Wandel sowohl Chancen als auch Herausforderungen. So müssen IT-Verantwortliche ihre Strategien überdenken und den Wert von Softwarelösungen präzise messen können.
Softwareanbieter wiederum stehen vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überarbeiten. Letztendlich verspricht der Wandel zu Pay-per-Use eine fairere und flexiblere Nutzung von Softwarelösungen. Unternehmen, die diesen Übergang meistern, können die Vorteile moderner Cloud- und KI-Technologien voll ausschöpfen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.
* Der Autor Henner Heistermann ist Gründer und Geschäftsführer der Nitrobox GmbH, einem Softwareunternehmen mit Sitz in Hamburg. Mit der „Nitrobox Monetization Platform“ bietet es eine Cloud-Lösung für die Abrechnung von Abonnements und Pay-per-Use-Modellen an. Heistermann verantwortet die Bereiche Internationalisierung, Vertrieb und Marketing. Zuvor gründete er die E-Commerce-Beratung „ShopStrategen“ und entwickelte mit seinem Team digitale Geschäftsmodelle für namhafte Konzerne wie Continental, Bayer und Linde.