Ionos Summit 24 „Deutschland, wir haben ein Problem!“

Von Dr. Jakob Jung 4 min Lesedauer

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Der Ionos Summit in Berlin stand ganz im Zeichen von künstlicher Intelligenz (KI) und digitaler Souveränität mit dem neuen Ionos AI Model Hub und einem doppelt so großen Angebot an Cloud Services.

Dr. Jens Reich bei seiner Keynote am 19. September 2024 im Rahmen des diesjährigen Ionos Summit in Berlin.(Bild:  Ionos)
Dr. Jens Reich bei seiner Keynote am 19. September 2024 im Rahmen des diesjährigen Ionos Summit in Berlin.
(Bild: Ionos)

Dr. Jens Reich, Chief Commercial Officer & Deputy Chairman of the Board bei Ionos, stellte seine Keynote am 19. September 2024 im Rahmen des jährlich stattfindenden Ionos Summit im Berliner Estrel Hotel unter das Motto „Deutschland, wir haben ein Problem“. Nach einem Nullwachstum ist die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf Platz 24 abgerutscht. Als einen Grund für diese Schwäche nannte er mangelndes Wissen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).

Ein Lösungsansatz für die aktuellen Probleme sei der Ionos AI Model Hub und die Souveräne Cloud. Laut einer Studie von Techconsult sind 77 Prozent der deutschen Unternehmen an einer Cloud interessiert, die nicht den Gesetzen von Drittstaaten unterliegt. Doch 86 Prozent sind derzeit auf amerikanische Anbieter angewiesen. „Wir brauchen ein starkes europäisches Ökosystem, wie es bei Airbus bereits existiert“, forderte Reich.

Das Leistungsangebot von Ionos umfasst mehr als 1.500 IT-Ingenieure, 32 Tier 5 zertifizierte Rechenzentren, mehr als 100.000 Server in Produktion von verschiedenen Herstellern und teilweise Eigenentwicklungen, 24/7 Support in Landessprache sowie ein Serviceangebot über alle Ebenen IaaS, PaaS und SaaS.

Künstliche Intelligenz aus deutschen Landen

Melanie Schüle, Geschäftsführerin Bechtle Clouds, betont: „Die Kunden stehen unter Kostendruck und haben Angst, KI zu verpassen. Wir müssen die IT-Kosten senken. Unser Planet AI ist mit dem Ionos AI Model Hub für alle Produkte bereits live. Das ist ein riesiges Thema. Wir müssen unseren Kunden konkrete Angebote machen.“

Der Ionos AI Model Hub ist eine umfassende Plattform, die es Entwicklern ermöglicht, fortschrittliche KI-Funktionalitäten einfach zu implementieren.(Bild:  Ionos)
Der Ionos AI Model Hub ist eine umfassende Plattform, die es Entwicklern ermöglicht, fortschrittliche KI-Funktionalitäten einfach zu implementieren.
(Bild: Ionos)

In seiner Technology Keynote stellte Ionos-CTO Markus Noga den Ionos AI Model Hub im Detail vor. Der Ionos AI Model Hub ist eine umfassende Plattform, die es Entwicklern ermöglicht, fortschrittliche KI-Funktionalitäten einfach zu implementieren. Kunden können die Fähigkeiten ihrer Anwendungen verbessern, indem sie verwaltete Basismodelle, Vektordatenbanken und fortschrittliche Techniken zur erweiterten Abfragegenerierung nutzen und gleichzeitig Sicherheit und Compliance gewährleisten.

Die Lösung basiert auf führenden Open-Source-KI-Modellen ohne Herstellerbindung und ist multimodal mit Large Language Models (LLMs) für Text und GenAI für Bilder. Kunden können ihre eigenen Daten mit der Vektordatenbank Chroma DB integrieren. Digitale Souveränität und DSGVO-Konformität werden durch Rechenzentren in Deutschland gewährleistet. Ein Referenzkunde ist die Stadt Freiburg im Breisgau, die ihren Bürgern bereits mit 7.500 in die Vektordatenbank eingepflegten Dokumenten KI-gestützte digitale Services anbietet.

„Vor einem Jahr haben wir den Betatest für den AI Model Hub mit Open Source Software (OSS) gestartet. OSS AI deckt bereits 80 Prozent der Anwendungsfälle ab, ist kostengünstig und leistungsfähig“, so Noga. Am 1. Oktober wurde der AI Model Hub um Llama 405B, verbesserte Cube Configuration Templates und Reverse DNS erweitert.

Cloud-Angebot verdoppelt

Die Ionos Cloud selbst bietet nun 39 Cloud Services an zehn Standorten. „Das sind doppelt so viele wie 2023 plus AI. Der Kunde kann nun Cloud-native Anwendungen bauen“, erklärt Noga. Die Zahl der unterstützten Datenbanken ist von einer (Postgre SQL) auf fünf (MariaDB, MongoDB, Redis und Kafka) gestiegen. Bei Compute werden nun virtuelle CPUs und VM Autoscaling unterstützt. Bei Network sind Network Security Groups hinzugekommen, bei Traffic Processing VPN und AI Gateways sowie ein Content Delivery Network (CDN) mit Web Application Firewall (WAF).

Ionos hat die Zahl seiner Cloud Services in einem Jahr verdoppelt.(Bild:  Ionos)
Ionos hat die Zahl seiner Cloud Services in einem Jahr verdoppelt.
(Bild: Ionos)

Neu auf der Plattform sind Container Registry, Logging as a Service (aaS) und Monitoring aaS. Die Sicherheitsfunktionen wurden um Container Scanning, Audit Log und Network Flow Logs erweitert. AI bietet Multimodal Model Hosting sowie Vektordatenbanken. Bei den Zertifikaten gibt es mit Certified Kubernetes und dem C5 Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue zwei Neuzugänge. Unterstützung für NIS2 soll in Kürze folgen.

Wurden wir schon abgehängt?

In einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Abgehängt? - Was müssen Wirtschaft und Politik tun, um die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zurückzuerobern?“ zeichneten Achim Weiß, CEO Ionos, Holger Lehmann, ITZBund, Johann Bizer, Vorstandsvorsitzender Dataport, und Harald Joos, DRV Bund, ein eher düsteres Bild der aktuellen Situation zwischen Politik und Technik.

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Diskussionsteilnehmer Weiß sieht Deutschland in vielen Bereichen im Hintertreffen: „Die USA sind der Endgegner und viel weiter als wir. Wir sind eher schlecht bis katastrophal. Einige Leuchtturmprojekte zeigen, dass wir komplexe Apps und europäische Clouds bauen können. Andere Nationen setzen auf Apps im Gesundheitswesen, wir sind in der Steinzeit. Wir müssen zeigen, dass Digitalisierung ein Wettbewerbsvorteil ist, und nicht mehr Server im Keller verkaufen“. Lehmann fügte hinzu: Wir stehen am Ende und am Anfang einer Entwicklung. Vieles wurde kaputtgespart, jetzt wird wieder investiert. Aber wir scheitern an menschlichen Dingen wie Kontrollverlust, wenn Technik auf Politik trifft. Im Moment will die öffentliche Hand alles selbst machen“.

Bizer kommentierte: „Wir sind nicht schlecht in Technologie und Innovation, aber es fehlt der Fokus auf die richtige Rennstrecke. Das Spielfeld ist woanders, aber die Politiker verstehen das nicht. Es herrscht politische Arbeitsverweigerung und Mehltau. In den USA ist die Verwaltung auch unheimlich schlecht, aber dort wird das nicht so wahrgenommen. Wir werden in fünf Jahren hier stehen und sehen, dass wir das Schlusslicht sind, weil sich die Politik nicht geändert hat“. Joos fügte hinzu: „Es gibt Lösungen wie große Ausschreibungen und Beschaffungswege für deutsche Lösungen. Wir müssen die Prozesse vereinfachen. Einstimmige Lösungen wird es nicht geben.“

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