Plädoyer für mehr KI-gestützte Automatisierung Das Milliarden-Dollar-Problem der manuellen Datenpflege

Ein Gastbeitrag von John Mutuski* 6 min Lesedauer

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Unternehmen investieren jährlich tausende Arbeitsstunden in die manuelle Eingabe und Pflege der Daten in ihren IT-Systemen. Das kostet Geld, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Wie kann Automatisierung dieses strukturelle Problem lösen?

John Mutuski, CISO bei Pipedrive, plädiert für intelligente Systeme, die Unternehmen bei der automatisierten Dateneingabe und der Verbesserung der Datenqualität unterstützen.(Bild:  Pipedrive)
John Mutuski, CISO bei Pipedrive, plädiert für intelligente Systeme, die Unternehmen bei der automatisierten Dateneingabe und der Verbesserung der Datenqualität unterstützen.
(Bild: Pipedrive)

Daten sind das Fundament moderner Unternehmen. Sie beeinflussen betriebliche Abläufe, strategische Entscheidungen, Ressourceneinsatz, Kundenbeziehungen und Innovationsfähigkeit. Doch je mehr Systeme, Prozesse und Datenquellen von Unternehmen genutzt werden, desto größer wird der Pflegeaufwand. Schließlich müssen Informationen aktuell und konsistent gehalten werden, um überhaupt nutzbar zu bleiben. Das Problem: So paradox es klingen mag, die Datenbearbeitung in den Software-Systemen der meisten Unternehmen ist oft noch Handarbeit.

Beispiel Vertrieb: Kontakte müssen angelegt, Interaktionen mit Kunden dokumentiert und Informationen kontinuierlich aktualisiert werden. Diese Aufgaben sind zwar notwendig für das Tagesgeschäft, doch sie schaffen kaum direkten Mehrwert. Im Gegenteil: Statt Umsatz zu generieren, Innovation voranzutreiben oder strategische Entscheidungen zu unterstützen, binden sie wertvolle Arbeitszeit in administrative Prozesse. Jede Stunde, die Mitarbeitende mit der Pflege von Datensätzen verbringen, fehlt an einer anderen Stelle – sei es bei der Kundenbetreuung, der Produktentwicklung oder der Optimierung interner Prozesse.

Eine 2025 erstellte Umfrage von Parseur ergab, dass US-Unternehmen durch händische Dateneingaben jährlich über 200 Arbeitsstunden und hochgerechnet rund 25.000 Euro verlieren. Pro Mitarbeitendem versteht sich. In diesem Fall ist Zeit also Geld – im wahrsten Sinne des Wortes. So bindet die manuelle Dateneingabe Ressourcen, die eigentlich für das reguläre Tagesgeschäft vorgesehen sind. Im Sales-Bereich spezifisch wären das beispielsweise wertvolle Kundenarbeit, Sales-Abschlüsse und Innovation. Auch in Deutschland sieht es nicht anders aus: Die Kluft zwischen der gewünschten Automatisierung und der Realität geht hierzulande weit auseinander. Laut einer aktuellen Studie messen 79 Prozent der Unternehmen der Automatisierung eine hohe oder sehr hohe Bedeutung bei. Zufrieden mit ihrem aktuellen Automatisierungsgrad sind jedoch nur 62 Prozent (Lufthansa Industry Solutions 2025).

Das Problem: Systeme, die auf Menschen angewiesen sind

Warum müssen Daten im Jahr 2026 überhaupt noch manuell gepflegt werden? Die internen Architekturen vieler Systeme sind die Übeltäter. Klassische Unternehmenssoftware, insbesondere CRM-Systeme, wurde ursprünglich als simple Datenbank konzipiert. Ihr Zweck: Informationen speichern, die von Menschen eingetragen werden. Dabei gibt es keine Kettenreaktionen, denn die Systeme „verstehen“ keine Zusammenhänge oder denken von A nach B. Sie sind statisch und erfüllen nur die Aufgabe des Aufbewahrens von Informationen.

An dieser Stelle fangen die Engpässe schon an. Die Daten müssen aktiv gepflegt werden und davon hängt auch die Aktualität der Daten ab. Außerdem können Mitarbeitende Fehler machen. Auch wenn Fehler menschlich sind, können lücken- und fehlerhafte Daten das Tagesgeschäft stören, zu Qualitätsmängeln der Arbeit führen und grundlegend, durch den Mehraufwand der Korrektur, den Umsatz mindern. Es entsteht ein Teufelskreis: Manuelle Dateneingaben führen zu Fehlern, Teams geraten unter Druck, die Informationen korrekt und aktuell zu halten, wobei sie wiederum erneut Fehler machen.

Warum Datenqualität entscheidend ist

Datenqualität beeinflusst weit mehr als einzelne Geschäftsbereiche. Sie entscheidet über die Fähigkeit von Unternehmen, fundierte Entscheidungen zu treffen, Prozesse effizient zu steuern und Wachstumschancen rechtzeitig zu erkennen. Die Qualität von Daten lässt sich also in einen direkten Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bringen. Fehlerhafte oder unvollständige Daten hingegen führen zu Doppelarbeit, fehlerhaften Analysen und ineffizientem Ressourceneinsatz. Somit entscheidet die Datenqualität auch über Betriebskosten und im schlimmsten Fall ums Überleben der Firma.

Besonders sichtbar werden die Auswirkungen im Vertrieb. Fehlende oder veraltete Informationen können dazu führen, dass Verkaufschancen übersehen, Kunden falsch priorisiert oder Interaktionen nicht nachvollziehbar dokumentiert werden. Die zugrunde liegende Herausforderung betrifft jedoch das gesamte Unternehmen: Entscheidungen sind nur so gut, wie die Datenbasis, auf der sie getroffen werden.

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Der Wendepunkt: Automatisierung durch intelligente Systeme

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wie Unternehmen Mitarbeitende dazu bringen, Daten konsequent zu pflegen. Denn kein Belohnungsprogramm wird Mitarbeitende dazu befähigen, neben ihrem Tagesgeschäft auch alle Daten konsequent zu pflegen. Die eigentliche Frage ist, warum diese Aufgabe überhaupt noch manuell erledigt werden muss. Genau hier markieren KI-gestützte Systeme einen Wendepunkt.

Moderne Plattformen beschränken sich nicht länger auf die Speicherung von Informationen. Sie können Daten erfassen, Zusammenhänge erkennen, Inhalte anreichern und Prozesse eigenständig anstoßen. Dadurch entwickelt sich Datenmanagement von einer administrativen Pflichtaufgabe zu einem weitgehend automatisierten Unternehmensprozess.

Konkret bedeutet das z. B. im Vertrieb:

  • Informationen werden automatisch aus E-Mails, Meetings oder Anrufen extrahiert.
  • Daten werden kontextualisiert und miteinander verknüpft.
  • Systeme erkennen Muster und aktualisieren Inhalte eigenständig.

Diese Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf CRM-Systeme und den Vertrieb. Sie betrifft nahezu alle Unternehmensbereiche, in denen Daten verarbeitet werden – von HR über Finance und Operations bis hin zum Kundenservice und der IT. Der Unterschied besteht darin, dass die Verantwortung für die Aktualität und Konsistenz von Daten zunehmend, wenn auch nicht vollständig, von einzelnen Mitarbeitenden auf intelligente Systeme übergeht.

Mehr Zeit für das Wesentliche

Mitarbeitende gewinnen dadurch Zeit für Aufgaben, wie strategische Planung oder Innovationen, die nicht automatisiert werden können. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von konsistenten Datenbeständen, geringeren Fehlerquoten und effizienten Prozessen. Laut einer IBM-Studie (2026) erwarten Führungskräfte in Deutschland bis 2030 ein deutliches Umsatzplus (81 Prozent der Befragten) und ein Produktivitätswachstum (56 Prozent der Befragten).

Aber auch für die Mitarbeitenden eröffnen sich durch die automatisierte Dateneingabe neue Freiräume. Sie können sich stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren. Sales-Teams z. B. legen dann eher den Fokus auf den Aufbau von Kundenbeziehungen, die Entwicklung von individuellen Lösungen und das Steuern von strategischen Verkaufsprozessen. Außerdem gibt es eine deutliche Verbesserung der Datenqualität, da Informationen kontinuierlich und konsistent erfasst werden. Daten, auf die sich das Team verlassen kann, zeigen mit jeder neuen relevanten und personalisierten Kontaktaufnahme auch Kund:innen die Verlässlichkeit des Unternehmens.

Erfolgsfaktoren für die Einführung

Trotz der technologischen Möglichkeiten ist die Einführung solcher Systeme kein Selbstläufer. Entscheidend sind folgende Faktoren:

1. Klare Zielsetzung:
Automatisierung sollte ein konkretes Problem lösen. Haben Teams zu viele Fragen an das HR-Team und findet dieses die Richtlinien nur schwer in internen Ordnern? Ein Firmen-Chat-Bot könnte hier die Lösung sein. Es muss auch nicht direkt ein komplett neues Programm sein. Viele Programme arbeiten konstant daran, neue Features und Plug-ins anzubieten, die dafür sorgen sollen, Teams zu entlasten. Ein Praxisbeispiel: Vertriebsteams, die E-Mail-Verläufe zusammenfassen und schneller erkennen möchten, welche Kontakte zu Leads führen könnten, schauen sich zunächst ihr bestehendes CRM-System genauer an. Willkürliches Integrieren von KI-Tools nach dem Motto “Mehr ist mehr“ kostet das Unternehmen im Endeffekt sogar mehr Geld.

2. Integration in bestehende Prozesse:
Bei der Integration von neuen Lösungen ist es essenziell, darauf zu achten, sie nahtlos in vorhandene Systeme einfügen zu können. Schließlich soll KI entlastend wirken und nicht die Komplexität von Prozessen steigern. Es ist also ratsam, sich mit der Recherche Zeit zu nehmen.

3. Daten-Governance:
KI skaliert neben den Erfolgen auch die Fehler, mit denen sie gefüttert wird. Deshalb brauchen auch automatisierte Systeme klare Regeln für Datenschutz, Nutzung und Qualitätssicherung.

4. Change Management:
Mitarbeitende – besonders Alteingesessene mit starren Arbeitsroutinen – müssen von Anfang an in den Umschwung eingebunden werden. So verhindern Unternehmen, dass Mitarbeitende sich zurückgelassen fühlen, und fördern vor allem die Akzeptanz.

Ausblick: Vom Datensystem zum intelligenten Assistenten

Die nächste Entwicklungsstufe von Unternehmenssoftware besteht nicht darin, noch mehr Daten zu sammeln, sondern diese eigenständig nutzbar zu machen. Moderne Systeme werden Informationen künftig nicht nur erfassen und strukturieren, sondern auch analysieren, priorisieren und in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzen. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der Datenverwaltung hin zur datengetriebenen Unterstützung von Geschäftsprozessen.

Damit verändert sich auch die Rolle der Daten im Unternehmen. Sie sind nicht länger nur Dokumentation der Vergangenheit. Wer Daten schneller verstehen und in Entscheidungen übersetzen kann, wird Prozesse effizienter steuern, Risiken früher erkennen und neue Geschäftschancen besser nutzen können. Sie werden zur aktiven Grundlage für Entscheidungen in Echtzeit und zur Basis, um mit dem Wettbewerb Schritt zu halten.


* Der Autor John Mutuski ist Chief Security Information Officer (CSIO) beim europäischen Einhorn Pipedrive. Er verantwortet die Sicherheitsstrategie des Unternehmens und beschäftigt sich mit der sicheren Implementierung von KI in SaaS- und CRM-Umgebungen.

Bildquelle: Pipedrive

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