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Die DSAG zu Industrie 4.0 Das Business-Potenzial als treibende Kraft

Autor / Redakteur: Sarah Meixner* / Nico Litzel

Zahlreiche Unternehmen in der Fertigungsbranche vollziehen ihre ersten Schritte in Richtung Industrie 4.0. Unterstützung versprechen Navigationshilfen des DSAG-Arbeitskreises Fertigung. Von SAP werden geeignete Tools und Funktionalitäten erwartet.

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Viele Unternehmen in der Fertigungsbranche vollziehen ihre ersten Schritte in Richtung Industrie 4.0. Unterstützung verspricht der DSAG-Arbeitskreises Fertigung.
Viele Unternehmen in der Fertigungsbranche vollziehen ihre ersten Schritte in Richtung Industrie 4.0. Unterstützung verspricht der DSAG-Arbeitskreises Fertigung.
(Bild: © SJ-Photo – Fotolia.com)

Industrie 4.0 ist Chance und Herausforderung zugleich. „Denn dafür müssen Unternehmen ihre IT fit machen, und zwar bis in die unterste Ebene der Prozesslandschaft“, sagt Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, stellvertretender Arbeitskreissprecher Fertigung bei der DSAG. „Die Stückfertigung und die Automobilbranche sind mit Just-in-time- (JIT) und Just-in-sequence-Fertigungen (JIS) bereits gut aufgestellt. Viele andere Unternehmen sind aber noch lange nicht so weit“, so der Professor für Produktionsmanagement und Logistik der Frankfurt University of Applied Sciences.

Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, stellvertretender Arbeitskreissprecher Fertigung bei der DSAG
Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, stellvertretender Arbeitskreissprecher Fertigung bei der DSAG
(Bild: DSAG)
Er ist fest davon überzeugt, dass die meisten Unternehmen in der deutschen Fertigungsbranche, abgesehen von den Champions und den Early Adopters, gerade einmal bei Industrie 2.0 angekommen sind. Insbesondere der Mittelstand, dessen Management, Mitarbeiter und Prozesse sind noch nicht bereit dafür: weder IT-seitig noch im Kopf. Um Schnelligkeit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit wieder zu Top-Themen innerhalb Europas und der hier gefertigten Produkte zu machen, sollten Unternehmen laut Prof. Dr. Schocke Industrie 4.0 unbedingt ganz oben auf ihre Agenda setzen.

Wer wartet, wer startet?

Doch noch immer reagieren zahlreiche Unternehmen eher zurückhaltend auf Industrie 4.0. Dreh- und Angelpunkt der Diskussion ist neben dem geringen Kenntnisstand das tatsächliche Business-Potenzial. „Ohne Mehrwert wird kein Unternehmen den Industrie-4.0-Aufwand betreiben“, bestätigt Volker Stockrahm, Sprecher des Arbeitskreises Fertigung bei der DSAG.

Volker Stockrahm, Sprecher des Arbeitskreises Fertigung bei der DSAG
Volker Stockrahm, Sprecher des Arbeitskreises Fertigung bei der DSAG
(Bild: DSAG)
Allerdings sieht er dahin gehend größtenteils die Unternehmen selbst in der Pflicht. „Erst einmal muss das Kerngeschäft fit gemacht werden, was viel Fingerspitzengefühl bei den Veränderungsprozessen und auch bei der Einführung zeitgemäßer IT-Lösungen erfordert. Und diese sind heute noch nicht zwingend mit der notwendigen Marktreife vorhanden“, bedauert Volker Stockrahm.

Nur wenn standortübergreifend harmonisierte Stamm- und Bewegungsdaten sowie vereinheitlichte bzw. standardisierte Planungs-, Steuerungs-, Mess- und Qualitätsmanagementdaten verfügbar sind, sind diese auswertbar und nutzbar. Dann ist es möglich, dass „das SAP-System von Standort A eigenständig mit dem SAP-System am Standort B spricht, und der Mensch die Maschine einzig und allein nur noch mit Daten füttert.“

Die Macht der Daten

Die Macht der Daten schlägt überall durch: „Das ist der große Hebel, der einen neuen Zyklus beginnen lässt und der übergreifende, nachfragegetriebene Produktions- und Logistiknetzwerke zur Folge haben wird“, ist der Arbeitskreissprecher überzeugt. Nur so lässt sich in Zukunft der Kundenbedarf über die gesamte Lieferkette kommunizieren und betrachten: Ist noch ausreichend Material am Lager? Wo und warum entstehen Kapazitätsengpässe? Wissen die Zulieferer Bescheid? Welche realistischen Liefertermine können Kunden zugesagt werden?

Was bietet SAP?

Als ausbaufähig bezeichnen beide Fertigungsexperten das aktuelle SAP-Angebot für Industrie 4.0. Im Supply Chain Management (SCM) stehen im Moment klassische und erprobte Planungsfunktionalitäten parat. Inzwischen ist die verwendete Technologie den neuen Markt- und Kundenanforderungen aber nicht mehr in allen Fällen gewachsen. „Was wir brauchen, ist eine echte, dynamische Supply-Chain-Steuerung, die alle Daten zusammenbringt. Die hierfür notwendigen Technologien und Systeme stehen erst seit Kurzem zur Verfügung“, so Volker Stockrahm. Denn SAP Integrated Business Planning (SAP IBP), basierend auf modernen SAP-HANA- und Cloud-Technologien, ermöglicht die übergreifende Planung und Steuerung komplexer Lieferketten nahezu in Echtzeit. Die Kombination mit Industrie 4.0 lässt ihn hoffen.

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Arbeitskreis Fertigung und Industrie 4.0

Der Arbeitskreis Fertigung ist derzeit in einer Aktivierungsphase. Die Mitglieder diskutieren über Industrie 4.0 und arbeiten in kleineren Ausschüssen weiter an den Einzelthemen. Im Arbeitskreis wird der Spagat zwischen dem Innovations-Push seitens SAP sowie den Anforderungen der im Arbeitskreis aktiven Unternehmen durch anwendungsnahe Vorträge und lebhaften Informationsaustausch gemeistert.

Trotzdem ist noch etwas mehr Engagement vonnöten: „Im Moment sieht SAP Industrie 4.0 noch nicht richtig“, erklärt Prof. Schocke. Vor allem für die Planung wäre ein neues Tool wichtig. Allerdings gibt es anstelle einer schlüsselfertigen und innovativen Lösung gerade einmal eine einfachere und intuitiver bedienbare Oberfläche. Flexibilität und Schnelligkeit verlangt der Fertigungs-Experte von der IT, sonst sieht es in Zukunft düster aus, auch in puncto ABC-Klassifizierung: „80 Prozent der Aufträge laufen in der Fertigung meist automatisiert ab. Für die 20 Prozent Spezialfälle brauchen wir aber modernere, flexiblere IT-Systeme – andernfalls wird es schwierig mit einem der obersten Treppchen auf dem Industrie-4.0-Thron.“

Vormachen statt Nachlegen

Volker Stockrahm sieht für Deutschland als sehr industriegetriebene Nation eine große Chance, die aber auch Mut erfordert. „In drei bis fünf Jahren können wir ein erstes Fazit ziehen: Haben wir uns getraut und machen wir Made in Germany oder Made in Europe wieder zur Top-Marke? Oder lassen wir anderen den Vortritt? Etwa den USA, die risikofreudiger agieren, vor allem im IT-Umfeld?“

Ergänzendes zum Thema
E-Book zu Industrie 4.0

Am Puls der Zeit positioniert sich die DSAG mit dem E-Book „DSAG im Dialog: Von Industrie 4.0 bis Internet der Dinge: Standpunkte, Herausforderungen, Potenziale“ (Registrierung erforderlich). Beiträge und Stimmen aus den Arbeitskreisen, von Anwendern und Verbänden spiegeln das Know-how der DSAG wider und zeigen, wie sie sich beim Thema Industrie 4.0 für ihre Mitglieder einsetzt, Wege ebnet und richtungsweisend unterstützt.

Potenziale aufzeigen, neue Funktionalitäten bereitstellen, aber nicht zu viele Szenarien vorgeben und damit Kunden begeistern: So erreichen deutsche und europäische Fertiger rechtzeitig und gut ausgestattet die neue Industrie-4.0-Welt.

* Sarah Meixner ist freie Journalistin in München

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