Potenziale können auch KMU ausschöpfen Cloud im Mittelstand muss kein rotes Tuch mehr sein

Ein Gastbeitrag von Christina Elbert* 6 min Lesedauer

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Der deutsche Mittelstand ist weltweit für seine Innovationskraft und seine Beständigkeit bekannt. Unternehmen, die auch zukünftig noch innovativ sein wollen, müssen allerdings Acht geben, dass Beständigkeit nicht in Behäbigkeit umschlägt und sie aktuelle Entwicklungen versäumen.

Durch verbesserte Technologien, Geschäftspraktiken und regulatorische Änderungen können auch KMU inzwischen bedenkenlos die Vorteile der Cloud nutzen.(Bild:  Vitaly Krivosheev - stock.adobe.com)
Durch verbesserte Technologien, Geschäftspraktiken und regulatorische Änderungen können auch KMU inzwischen bedenkenlos die Vorteile der Cloud nutzen.
(Bild: Vitaly Krivosheev - stock.adobe.com)

Diese Gefahr besteht beispielsweise bei der Cloud. Mit den richtigen Ansätzen können nicht nur Großunternehmen sondern auch der Mittelstand von sicheren und datenschutzkonformen Cloud-Diensten profitieren.

Datenschutz ruft größte Bedenken hervor

Erst kürzlich feierte die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ihr fünfjähriges „Jubiläum“. Die darin vorgesehenen empfindlichen Bußgelder sind sicherlich ein Grund für die Cloud-Skepsis in vielen deutschen Firmen. Unter anderem nimmt sie europäische Unternehmen in die Pflicht, dafür zu sorgen, dass personenbezogene Daten nur dann in Drittländer außerhalb der EU übertragen werden dürfen, wenn dort ein vergleichbares Datenschutzniveau herrscht oder besondere vertragliche Absprachen zum Schutz der Daten getroffen werden. Aus diesem Grund sollten Unternehmen, die neu in die Cloud einsteigen möchten, sich zuerst mit den gesetzlichen Grundlagen der Datenhaltung in der Cloud auseinandersetzen.

Außerdem gilt es die eigenen Datenbestände zu analysieren und zu verstehen. Während unkritische Daten auch auf Ressourcen der großen Hyperscaler zurückgreifen können und dort sogar von den großen Sicherheitsressourcen profitieren, sollte man bei personenbezogenen Daten und hochregulierten Umgebungen vorsichtiger sein.

Mit dem US-amerikanischen Cloud Act existiert eine konkurrierende Gesetzgebung zur DSGVO. Nach diesem Gesetz können US-Behörden in den Vereinigten Staaten ansässige Unternehmen theoretisch zur Herausgabe von Daten zwingen, die auf Servern außerhalb der USA liegen. Die Regierung unter Joe Biden möchte die Zugriffsmöglichkeiten der eigenen Geheimdienste auf Daten innerhalb der EU allerdings einschränken.

Die verbindlichen Regeln begrenzten den Zugriff von US-Geheimdiensten auf die Daten von Europäern auf ein „notwendiges und angemessenes“ Maß. Künftig dürfen US-Geheimdienste auf die Daten nur dann zugreifen, wenn es notwendig und verhältnismäßig sei, hieß es seitens der EU-Kommission. Außerdem soll ein Gericht zur Überprüfung des Datenschutzes eingerichtet werden. Ob der Beschluss der Kommission, das Data Privacy Framework, dieses Mal vor dem EuGH Bestand haben wird, bleibt noch abzuwarten. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Unternehmen sensible Daten bis auf Weiteres in einer rein europäischen Cloud oder on-premises speichern.

Kooperation mit europäischen Dienstleistern

Deutsche Mittelständler, die mit europäischen IT-Dienstleistern zusammenarbeiten, haben die größtmögliche Flexibilität, um hybride oder Multi-Cloud-Infrastrukturen aufzubauen. So können sie unkritische Workloads auf den großen internationalen Public Clouds betreiben oder Daten, deren Haltung nicht gesetzlich reglementiert ist, dorthin migrieren. So profitieren sie von der großen Skalierbarkeit und den Ressourcen der Hyperscaler im IT-Security-Bereich.

Im Bereich der sensiblen Daten empfiehlt sich allerdings eine Kooperation mit europäischen Cloud-Partnern. Das sind beispielsweise Open Telekom Cloud und Ionos aus Deutschland sowie OVHcloud aus Frankreich. Mit Gaia-X existiert zudem ein Projekt für den Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur, das neben Vertretern der Wirtschaft auch von Wissenschaft und Verwaltung unterstützt wird. An die immensen Ressourcen der großen Hyperscaler werden europäische Alternativen auf absehbare Zeit noch nicht heranreichen.

Hybride Infrastrukturen aufbauen

Bei Cloud-Projekten im Mittelstand kommt es nun darauf, das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Im Idealfall kooperieren Unternehmen mit IT-Dienstleistern, die sowohl Hyperscaler als auch lokale Cloud-Alternativen integrieren können.

Die Entscheidung für die Cloud wird in den seltensten Fällen eine Entweder-oder-Entscheidung sein, vielmehr werden sich hybride Infrastrukturen ausbreiten, bei denen besonders kritische Daten und Workloads weiterhin on-premises gehostet werden und nur weniger kritische Assets in öffentliche Cloud-Umgebungen gelangen. So können auch Mittelständler von den Vorteilen der Cloud wie gesteigerte Effizienz, Entlastung der IT-Abteilung und gesteigerte IT-Sicherheit profitieren, ohne sich Sorgen um den Datenschutz und andere cloud-bezogene Compliance-Vorgaben machen zu müssen.

Und: Hybride Systeme lassen sich auch sukzessive ausbauen. Man kann beispielsweise mit einzelnen Diensten aus der Cloud beginnen und wenn Austauschzyklen von bestimmter Hardware anstehen, überlegen, ob eine Cloud-Migration in Frage kommt. Gerade Mittelständler mit einer oft langen Tradition verfügen häufig über gewachsene Hardware- und IT-Strukturen, die auch heute noch zuverlässig ihren Dienst tun. Ad-hoc alles auf die Cloud umzustellen, wäre in diesen Fällen ökonomisch vermutlich nicht sinnvoll. Es kommt stattdessen darauf an, eine Balance zwischen Tradition und Innovation zu finden, funktionierende Infrastrukturen weiterzubetreiben, gleichzeitig aber Leuchtturmprojekte für die Cloud zu starten und bei neuen Entwicklungen immer am Ball zu bleiben.

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Staatliche Förderungen nutzen

Kosten spielen bei der Cloud-Transformation sowie bei Digitalisierungsmaßnahmen generell immer eine Rolle. Mittelständler haben natürlich nicht die gleichen Ressourcen wie Großunternehmen, um sie in die Modernisierung zu investieren. Allerdings sind sie in vielen Fällen förderberechtigt durch staatliche Programme.

Die Initiative „Digital Jetzt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz richtet sich beispielsweise speziell an Betriebe zwischen drei und 499 Beschäftigten aus allen Branchen, einschließlich Handwerk und freie Berufe. Unternehmen, die die Anforderungen des BMWK erfüllen, können noch bis zum 31. Dezember 2023 die Förderung beantragen. Dafür müssen sie einen Digitalisierungsplan erstellen, der ihre Vorhaben darlegt. Dabei kann es sich einerseits um Investitionen in Technologie handeln, andererseits aber auch in Qualifikation der Mitarbeitenden. Prinzipiell ist es auch möglich, über das Programm zeitliche begrenzte Förderungen für As-a-Service-Angebote zu erhalten.

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(Bildquelle: CloudComputing-Insider)

Viele Unternehmen haben Daten während der Pandemiezeit kurzfristig in die Cloud migriert. Dabei sind Datenschutz und Datensicherheit mitunter in den Hintergrund gerückt, ein Umstand, der sich schnell ändern muss. Dieses eBook zeigt den aktuellen Status Quo beim Cloud-Datenschutz:

  • Datenschutz für den Weg in die Cloud
  • Die Verschlüsselung gehört zum Cloud-Datenschutz
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Fördermittel werden allerdings noch nicht ausreichend genutzt, wie der Digitalisierungsindex Mittelstand 2021/22 der Telekom nahelegt. Demnach könnten zwar 81 Prozent der untersuchten Unternehmen die eigene Digitalisierung mit staatlicher Förderung vorantreiben, allerdings rufen diese lediglich 18 Prozent tatsächlich ab. Dabei klagen viele der Befragten über zu viel Bürokratie im Antragsprozess und mehr als die Hälfte der Unternehmen benötigte externe Hilfe, um überhaupt erst ein geeignetes Programm zu finden und auszuwählen. Hier gibt es also offenbar noch Handlungsbedarf, um bereitgestellte Mittel auch zielführend einzusetzen.

Viele gute Optionen für KMU

Auch für den deutschen Mittelstand wird es Zeit, sich verstärkt mit der Cloud zu befassen und die eigene IT zu modernisieren, um auch zukünftig ressourceneffizient zu agieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Durch die Kooperation mit Dienstleistern, die ebenfalls in der EU ansässig sind, können Unternehmen sicherstellen, dass Themen wie Datenschutz und Datensouveränität wirklich ernst genommen werden.

Vor den Kosten einer Modernisierung sollte auch niemand zurückschrecken, auf lange Sicht wird es wesentlich mehr kosten, sich nicht weiterzuentwickeln. Dank Cloud-Technologien ist Speicherplatz flexibel und extrem preiswert verfügbar, da nur das gezahlt wird, was auch wirklich an Kapazitäten genutzt wird. Und auch die initialen Einrichtungskosten einer SaaS-Lösung sind wesentlich kostengünstiger als eigene Server und Speichermodule vor Ort im Unternehmen. Außerdem können für die Cloud-Transformation staatliche Förderprogramme genutzt werden.


* Die Autorin Christina Elbert ist seit vielen Jahren bei der d.velop beschäftigt und verantwortete lange Zeit als Expertin für elektronische Signatur die gesamte Go-to-Market-Strategie des Produktes d.velop sign – von der Bedarfsermittlung über die Entwicklung bis hin zum Vertrieb. Seit 2023 ist sie als Vice President Product Sales verantwortlich für die Vermarktung sämtlicher d.velop-Produkte.

Bildquelle: d.velop AG

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