Neue Wege im Infrastrukturmanagement IT-Entscheider bewerten Eigenbetrieb neu

Ein Gastbeitrag von Marco Kent* 5 min Lesedauer

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Zu wenig Personal, zu viele Systeme: Der Fachkräftemangel macht die IT-Strategie zum Balanceakt. Managed Colocation schafft Entlastung, ohne auf Kontrolle, Sicherheit und Nachhaltigkeit verzichten zu müssen.

Der Fachkräftemangel und steigende technische Anforderungen zwingen IT-Entscheider dazu, ihre Infrastrukturstrategien zu überdenken und Alternativen zu traditionellen Eigenbetrieben zu prüfen, wie zum Beispiel Managed Colocation. (Bild: ©  weerasak - stock.adobe.com)
Der Fachkräftemangel und steigende technische Anforderungen zwingen IT-Entscheider dazu, ihre Infrastrukturstrategien zu überdenken und Alternativen zu traditionellen Eigenbetrieben zu prüfen, wie zum Beispiel Managed Colocation.
(Bild: © weerasak - stock.adobe.com)

Die digitale Transformation entwickelt sich für die meisten deutschen Unternehmen zum Dauerzustand. Für IT-Verantwortliche bedeutet das, eine zunehmend komplexe Infrastruktur über verschiedene Standorte und Anbieter hinweg zu steuern. Gleichzeitig sehen sie sich mit Kostendruck, Fachkräftemangel und wachsenden Sicherheitsanforderungen konfrontiert. Moderne IT-Strategien müssen daher mehr leisten als nur Skalierbarkeit. Sie müssen transparent, verlässlich und vor allem steuerbar sein. Entscheidende müssen prüfen, ob es sich weiterhin lohnt, ihre Infrastrukturen selbst zu betreiben, oder ob ein Wechsel zu einem Managed-Modell sinnvoll ist.

Gleichzeitig wachsen die technischen Anforderungen rasant. Der deutliche Trend zur Digitalisierung und der damit verbundene Ausbau von Cloud-Diensten, der vermehrte Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sowie die Vernetzung durch IoT-Anwendungen erzeugen enorme Datenmengen, die verarbeitet, gespeichert und gesichert werden müssen. Rechenzentren bilden dabei das Rückgrat dieser digitalen Infrastruktur und rücken stärker denn je in den Mittelpunkt strategischer IT-Entscheidungen.

Doch während der Bedarf an leistungsfähigen IT-Strukturen steigt, fehlt vielerorts das Personal für den Betrieb. Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2025 berichten 85 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten, qualifizierte IT-Fachkräfte zu finden; 79 Prozent erwarten, dass sich die Lage weiter verschärft. Neben Data Scientists und KI-Experten fehlen Spezialist:innen für Cloud und Infrastruktur. Für viele Unternehmen stellt sich daher die Frage, wie sie ihre IT zuverlässig betreiben und gleichzeitig personelle Engpässe abfedern können.

Flexibel, aber gebunden

Über Jahre galt die Public Cloud als Schlüssel zur Flexibilität und Skalierbarkeit. Doch in der Praxis zeigt sich, dass insbesondere bei großen Hyperscalern schwer kalkulierbare Abhängigkeiten entstehen. Fragen zur Datenlokation, zu Kostenstrukturen und zur technischen Portabilität führen bei vielen Unternehmen zu Unsicherheit. Preissteigerungen, komplexe Abrechnungsmodelle oder vertragliche Bindungen können langfristig die Planungssicherheit einschränken.

Wer Wert darauf legt, die IT gezielt zu steuern, Einblick in Prozesse zu behalten und die Kontrolle nicht aus der Hand zu geben, sucht daher zunehmend nach Alternativen. Die Erkenntnis: Weder die reine öffentliche Cloud noch der vollständige Eigenbetrieb bieten für alle Szenarien die optimale Lösung.

Eigenbetrieb oder Managed-Modell?

Der Betrieb eines eigenen Rechenzentrums oder klassischer On-Premises-Infrastrukturen verspricht maximale Kontrolle, Individualisierung und Sicherheit. Doch diese Vorteile haben ihren Preis. Neben hohen Anfangsinvestitionen fallen laufende Kosten für Wartung, Energie und Personal an – ein erheblicher Aufwand, der gerade mittelständische und wachstumsorientierte Unternehmen belastet. Richtig kostspielig wird es dann, wenn zusätzlich über Standortredundanz nachgedacht werden muss. Denn dabei vervielfachen sich nicht nur die Infrastrukturkosten, sondern auch die Anforderungen an Synchronisation, Sicherheit und Betrieb. Daraus resultiert eine Kostenexplosion, die weit über das einfache Verdoppeln hinausgeht.

Hier setzt das Modell der Managed Colocation an. Es kombiniert die physischen Vorteile einer eigenen Infrastruktur mit dem Service- und Betriebsmodell professioneller Anbieter. Während sich klassische Colocation-Angebote traditionell auf die Bereitstellung von Fläche, Strom, Kühlung und einfache Remote-Hands-Dienste beschränkten, übernehmen Managed-Colocation-Anbieter heute deutlich mehr Verantwortung. Sie begleiten ihre Kunden aktiv im laufenden Betrieb – von der technischen Betreuung über Sicherheitsmaßnahmen bis hin zur Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Je nach Anforderung übernehmen sie regelmäßige Backups, Patching und Systemüberwachung, implementieren Firewalls und Intrusion-Detection-Systeme, setzen Security Information and Event Management (SIEM) zur Analyse sicherheitsrelevanter Ereignisse ein und sorgen durch physische Zugangskontrollen für umfassenden Schutz. Gleichzeitig integrieren und überwachen sie Public-Cloud-Komponenten und ermöglichen damit einen reibungslosen Hybridbetrieb.

Auch beim Compliance-Management leisten sie Unterstützung, etwa bei Zertifizierungen und Audits, um sicherzustellen, dass alle relevanten Standards eingehalten werden. Unternehmen behalten dabei die Hoheit über ihre Systeme und Daten, profitieren jedoch von professionellen Betriebsstrukturen, modernster Hardwareumgebung und redundanter Energieversorgung.

Vorteile gegenüber Public Cloud und On-Premises

Managed Colocation verbindet die Flexibilität externer Infrastruktur mit der Kontrolle eigener Systeme. Im Vergleich zum Hyperscaler-Modell behalten Unternehmen die volle Daten- und Hardwarehoheit. Individuelle Sicherheitsarchitekturen lassen sich umsetzen, Compliance-Anforderungen gezielt erfüllen und sensible Daten in zertifizierten Umgebungen speichern. Und wie sieht es mit Blick auf die Gesamtkostenbetrachtung aus? Hier punkten vor allem Unternehmen, die stabile, planbare Workloads mitbringen. Während Public-Cloud-Kosten stark nutzungsabhängig schwanken, lassen sich Colocation-Betriebskosten langfristig kalkulieren. Energiepreise, Stellfläche und Serviceverträge sind planbar, und auch Skalierungsoptionen können vertraglich geregelt werden.

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Mehrstufige Zutrittskontrollen, biometrische Sicherheitssysteme, 24/7-Monitoring, Brandschutzsysteme, Notfallpläne und Redundanzen sind Standard in modernen Rechenzentren, aber können durch viele Unternehmen selbst nicht ohne Weiteres umgesetzt werden. Das Modell erfüllt viele der Anforderungen, die etwa in regulierten Branchen wie Finanzen, Gesundheitswesen oder öffentlicher Verwaltung gelten. Die Sicherheitsmaßnahmen schaffen Vertrauen bei Kunden, Partnern und Investoren, signalisieren Verantwortung und tragen dazu bei, IT-Ausfälle abzufedern und den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Souveränität und Nachhaltigkeit als Wachstumsmotor

Es sind vor allem diese Aspekte, die den Colocation-Markt zu einem beeindruckenden Wachstumsmarkt machen. Laut den Analysten von DC Market Insight wird der europäische Markt in den kommenden zehn Jahren jährlich um durchschnittlich 15,32 Prozent wachsen. Besonders dynamisch zeigt sich diese Entwicklung in Deutschland, wo das Marktforschungsinstitut Future Market Insights einen jährlichen Zuwachs von 14,4 Prozent prognostiziert. Dieses Wachstum wird getragen durch ein stabiles Marktumfeld in Europa, strenge regulatorische Vorgaben sowie eine stärkere Fokussierung auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Vor allem Deutschland legt großen Wert auf umweltfreundliche Rechenzentren und grüne Energie. Colocation-Anbieter, die sich auf energieeffiziente Designs, Abwärmenutzung und den Bezug erneuerbarer Energien konzentrieren, treffen damit den Nerv der Zeit.

Technologisch zeigt sich Europa robust aufgestellt. EU-Nationen verfügen über ein starkes Backbone-Netzwerk, das hohe Konnektivität, geringe Latenzen und zuverlässige Ausfallsicherheit gewährleistet. Durch die Kombination aus regionalen Betreibern und Hyperscalern entsteht ein vielfältiges Ökosystem, das sowohl Flexibilität als auch Stabilität bietet.

Steuerbarkeit und Planbarkeit als Erfolgsfaktoren

Managed Colocation etabliert sich immer häufiger als tragfähige Ergänzung zu Public-Cloud- oder On-Premises-Strategien. Sie erlaubt Unternehmen, ihre IT-Infrastruktur souverän zu betreiben, ohne auf die Vorteile eines professionellen Infrastrukturbetriebs zu verzichten. In Zeiten, in denen Kostenkontrolle, Datensouveränität und Nachhaltigkeit zu strategischen Faktoren werden, bietet diese Betriebsform eine ausgewogene Balance aus Eigenverantwortung und Entlastung. Damit wird das Modell zu einem eigenständigen, zukunftsfähigen Betriebsmodell, das Stabilität, Sicherheit und Effizienz vereint.


* Der Autor Marco Kent ist seit über zehn Jahren als Presales Engineer bei Plusserver tätig. Zuvor arbeitete er bei MESH, die später in Plusserver integriert wurde. Bereits zu Beginn seiner IT-Karriere vor mehr als 25 Jahren bei Level 3 Communications spezialisierte er sich auf Colocation-Lösungen und die Anbindung von Rechenzentren. Diese umfassende Erfahrung bringt er heute gezielt in die technische Beratung und Lösungsentwicklung für Plusserver-Kunden ein.

Bildquelle: Plusserver

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