Cloud-Voraussetzungen im Wandel Die Rückkehr von Workloads ins Rechenzentrum

Ein Gastbeitrag von Sascha Giese* 4 min Lesedauer

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Cloud Computing war jahrelang der Modebegriff der Technikwelt. Noch 2020 wurde es als Universallösung bejubelt, mit der Menschen von überall aus arbeiten, Unternehmen ihre Betriebsabläufe sofort skalieren und digitale Services agil bereitstellen können.

Zwischen Public Cloud und Rechenzentrum: Steigende Kosten und Performance-Anforderungen (unter anderem durch KI) treiben die Rückführung von Workloads. Observability wird zum Schlüssel für Transparenz und Optimierung in hybriden Umgebungen.(Bild: ©  PB Studio - stock.adobe.com)
Zwischen Public Cloud und Rechenzentrum: Steigende Kosten und Performance-Anforderungen (unter anderem durch KI) treiben die Rückführung von Workloads. Observability wird zum Schlüssel für Transparenz und Optimierung in hybriden Umgebungen.
(Bild: © PB Studio - stock.adobe.com)

Unternehmen hatten es eilig, Workloads in die Cloud zu migrieren, inspiriert durch die Versprechen von Flexibilität, Kosteneffizienz und Zukunftsfähigkeit. Mit dem anhaltenden KI-Boom hat all das nur weiter an Tempo zugenommen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien sind zu Zentren der Hyperscaler-Investitionen geworden. Microsoft, Oracle, AWS und Google Cloud haben große Rechenzentrumserweiterungen in der Region gestartet oder angekündigt. Man könnte annehmen, dass ein massiver Wechsel zur Cloud unvermeidbar ist. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte.

Cloud-kritische Kultur

Auch wenn die Cloud-Begeisterung hoch bleibt, wird mittlerweile eine deutlich bodenverhaftetere und vorsichtigere Vorgehensweise beobachtet, besonders bei der Nutzung der Cloud. Insbesondere in Bereichen wie Regierung, Bankwesen und Gesundheitswesen, in denen Datenschutz und Compliance nicht verhandelbar sind. Diese Organisationen und Unternehmen stellen frühere Entscheidungen erneut auf den Prüfstand und überlegen, ob wirklich alle Workloads in die Cloud gehören.

Doch Compliance scheint nicht der Hauptgrund zu sein. Lizenzgebühren großer Softwareanbieter sind immer weiter gestiegen, und damit auch die monatlichen Cloud-Rechnungen. Wenn Workloads – insbesondere im Zusammenhang mit Hochleistungs-Computing und KI-Training – immer weiter zunehmen, schnellen die Cloud-Ausgaben rapide in die Höhe. Gartner prognostiziert, dass in diesem Jahr mehr als 50 Prozent der Unternehmen, die Workloads in die öffentliche Cloud verlagert haben, einen Teil dieser Workloads aufgrund unerwarteter Budgetüberschreitungen und/oder Leistungsprobleme zurückführen werden.

Genau das passiert bereits. Weltweit und zunehmend im Nahen Osten verlagern Unternehmen Workloads aus der öffentlichen Cloud zurück in On-Premises- oder Colocation-Infrastrukturen. Und das nicht, weil die Cloud gescheitert ist, sondern weil die Realität Einzug gehalten hat.

Weshalb Cloud-Kosten in die Höhe schießen

Das flexible Pay-as-you-go-Modell der Cloud ist ein zweischneidiges Schwert. Unternehmen können damit hohe Vorabinvestitionen vermeiden, was bei einer schnellen Produkteinführung oder Skalierung ein immenser Vorteil ist. Doch variable Preise können Cloud-Rechnungen auch sehr unvorhersehbar machen. Dazu kommt das schnelle Tempo der Digitalisierung im Nahen Osten, die häufig durch regierungsgeführte Cloud-First-Strategien angespornt wird und mit dazu führte, dass viele Unternehmen mittlerweile einen ausufernden Cloud-Fußabdruck und in die Höhe schießende Kosten verzeichnen.

In Zeiten der KI wird das Problem noch akuter. Das Training von LLMs oder die Ausführung intensiver Inferenz-Workloads erfordert eine enorme Rechenleistung, was zu hohen Cloud-Ausgaben führt.

Aus diesem Grund denken viele über eine Rückführung aus der Cloud nach. Dabei geht es nicht um eine Ablehnung der Cloud, sondern eher eine Neukalibrierung.

Der Realitätscheck vor der Rückführung

Das Zurückführen von Workloads aus der Cloud ist natürlich nicht so einfach wie das Umlegen eines Schalters. Üblicherweise führt die Rückführung zu einem Hybrid-IT-Modell: Manche Workloads verbleiben in der öffentlichen Cloud, andere werden in private Umgebungen oder Edge-Systeme übertragen. Diese Fragmentierung führt zu mehr Komplexität und damit auch zu neuen Herausforderungen bei der Verwaltung.

Man kann sich diese IT-Umgebung wie eine Stadt vorstellen. Wenn alles zentralisiert ist, ist es einfacher, Straßen instand zu halten, Versorgungseinrichtungen zu verwalten und auf Notfälle zu reagieren. Doch sobald Außenposten wie Vororte, Industriegebiete und dezentrale Stadtteile dazukommen, wird benötigen eine neue Art und Weise benötigt, alles zu überwachen und zu verwalten. Hier kommt Observability ins Spiel.

Observability ist das Äquivalent eines Smart-City-Dashboards. Sie bietet eine umfassende Echtzeiteinblicke in Verkehrsflüsse, Energienutzung, Notfallreaktionszeiten und mehr. In der IT bedeutet das: Mit Observability kann die Leistung über Infrastrukturen, Anwendungen und Netzwerke hinweg überwacht werden und Anomalien einfacher erkannt werden, zugrunde liegende Ursachen für Probleme ermitteln und den Betrieb optimieren.

Im Kontext der Cloud-Rückführung spielt Observability eine entscheidende Rolle. Sie ermöglicht es Teams, zu prüfen, ob Workloads On-Premises eine bessere Leistung erbringen und weniger kosten, stellt sicher, dass wartezeitsensible Anwendungen die Benutzererwartungen erfüllen, und liefert die nötigen Erkenntnisse für die Leistungsoptimierung in der hybriden Umgebung. Ohne Observability sind IT-Teams praktisch im Blindflug unterwegs.

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Planen für das, was danach kommt

Die Entscheidung zur Rückführung sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Sie erfordert eine sorgfältige Analyse der technischen und geschäftlichen Implikationen. Die noch größere Herausforderung liegt jedoch vielleicht nicht in der Migration selbst, sondern in dem, was danach kommt. Sobald Workloads zurückgeführt wurden, benötigen Unternehmen die Tools, Fachkräfte und Prozesse für den Betrieb einer hybriden Umgebung. Dazu müssen sie in Observability investieren, sicherstellen, dass Data-Governance-Praktiken auf alle Umgebungen ausgeweitet werden, und Teams so weiterbilden, dass sie mit der zunehmenden Komplexität umgehen können.

Cloud-Reife bedeutet Wahlmöglichkeiten

Die aktuelle Rückführungswelle bedeutet nicht das Ende des Cloud Computings. Wenn überhaupt, bedeutet sie, dass Unternehmen klüger werden. Sie glauben nicht mehr an pauschale Cloud-first-Narrative. Stattdessen analysieren sie, was für welche Workload am besten funktioniert, und genau das ist ein Zeichen der Cloud-Reife.

Die öffentliche Cloud bietet weiterhin einen immensen Mehrwert, besonders für unvorhersehbare Workloads oder solche, die von einer schnellen Skalierbarkeit profitieren. Doch das Pendel schwingt zurück zu einem stärker ausbalancierten Modell, bei dem Unternehmen die richtige Kombination aus Cloud, On-Premises und Edge wählen, abhängig von Kosten, Kontrolle und Leistung.

Wenn Unternehmen in diese neue Phase der Cloud-Reife starten, werden sie feststellen, dass Observability der Klebstoff ist, der alles zusammenhält. Sie stellt sicher, dass Sie Workloads nicht nur verlagern, sondern optimieren. Observability hilft dabei, neue blinde Flecken zu vermeiden, wenn die Infrastruktur sich verteilt. Und sie ermöglicht es Teams, smartere, schnellere Entscheidungen in einer immer hybrideren Welt zu treffen.

Observability ist das überwachende Krisenreaktionszentrum, in Echtzeit auf Vorfälle reagiert und dafür sorgt, dass das gesamte System sicher und reibungslos läuft.


* Der Autor ist Sascha Giese, Global Tech Evangelist, Observability bei Solarwinds.

Bildquelle: Solarwinds

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