CeBIT 2016 – Ein Resümee

Aufbruchstimmung allerorten – doch wo ist die Cloud?

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Anbieter zum Thema

Doch aller spannenden Anwendungsfelder zum Trotz: Datensicherheit ist noch immer ein großes Thema, das ist deutlich spürbar. Viele Anbieter zeigen daher vor allem hybride Cloud-Szenarien bzw. Services, die ausschließlich aus deutschen Rechenzentren kommen. Die Angst vor US-amerikanischen Spähkommandos und anderen Spionageunternehmungen von wo auch immer ist noch sehr groß. Interessanterweise beneiden aber gerade US-amerikanische Anbieter uns Deutsche um die oft despektierlich auch „German Angst“ genannte vorsichtige Zurückhaltung und das strenge Datenschutzrecht, wie Dr. Werner Vogels, CTO von AWS, zugeben musste. Die staatliche Einflussnahme auf in den USA ansässige Anbieter sei eine schwere Bürde, die nicht nur im Ausland zu Misskredit und Imageverlusten führt. US-amerikanische Anbieter tragen schwer an den Anti-Terror-Maßnahmen ihrer Nation, das Zugriffsrecht des Staates auf die gehosteten Kundendaten stößt auch im eigenen Land nicht selten auf Unverständnis der Anwender. Viele Anbieter mit Wurzeln in den USA, wie beispielsweise AWS, Salesforce oder Microsoft, suchen daher ihr Heil in der Flucht und nutzen deutsche Rechenzentren, die die EU-Vertragsregeln für Datenschutz erfüllen, für ihre Services.

Alleine oder gemeinsam

Microsoft geht noch einen Schritt weiter. In Zusammenarbeit mit der Telekom-Tochter T-Systems will man in Kürze Rechenzentrumsleistungen nur aus Deutschland anbieten. Durch die Datentreuhänderschaft des deutschen Partners kann sich Microsoft der Verantwortung und dem Zugriff durch US-amerikanische Justizbehörden entziehen. In erster Linie komme man mit der deutschen Cloud, betont Rainer Strassner, Principal Program Manager Global Ecosystem Germany von Microsoft, natürlich erstrangig dem Wunsch der deutschen Kundschaft nach mehr Datensicherheit entgegen. Also zwei Fliegen mit einer Klappe. Tatsächlich interessant ist dieser Service aber für die Industrie, wenn über den angekündigten IoT Hub Produktionsdaten in der deutschen Cloud spionagesicher ausgewertet werden können.

Einer von vielen Wegen, die zu mehr Datensicherheit führen. In Hinblick auf das Internet der Dinge reiche das aber bei weitem nicht aus, warnte Fraunhofer-Präsident Prof. Dr. Reimund Neugebauer. Datensicherheit sei nur ein Aspekt, Datensouveränität aber das vorrangige Ziel und der Wunsch der meisten Unternehmen, die künftig auf Cloud-Services und IoT-Techniken setzen wollen. Und Industrie 4.0 könne nur zum Erfolgsmodell werden, wenn die Faktoren Interoperabilität und Kompatibilität, Datensicherheit bzw. Datensouveränität, High-Speed-Internet und maschinelles Lernen (deep learning) erfüllt seien. Die Fraunhofer-Gesellschaft arbeitet hier seit einem Jahr erfolgreich in dem Forschungsverbund und Referenzprojekt „Industrial Data Space“ (IDS), als „Rückgrat für die Datenökonomie“, betonte Fraunhofers „Mister IDS“, Prof. Dr. Boris Otto.

IT goes Industry

Dass ein neuer Wind auf der CeBIT 2016 weht, ist allenthalben zu spüren, nicht nur beim Anblick der Windräder am Stand der Hewlett Packard Enterprise. Industrie 4.0 ist auch hier das bestimmende Thema. Und eine neue Mission für einen alten IT-Riesen: Der frisch umgebaute Konzern will nicht nur in Sachen Produkte neue Wege gehen, sondern auch hinsichtlich der Kundenansprache. Hannover Messe 2016 heißt daher das nächste Ziel, wo HPE unter dem Motto „Accelerating Industrial Digitization“ umfassende Industrie 4.0-Strategien und -Lösungen präsentieren will. Die IT macht sich also auf in Richtung Industrie für mehr Kostenoptimierung, effizientere Produktionsabläufe und überhaupt die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungsprozesse. Das Beispiel für eine neue Aufbruchsstimmung im IT-Markt könnte Schule machen und der drohende Verlust an Ausstellern die CeBIT trotz des viel versprechenden Konzepts wieder auf den Prüfstand stellen.

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