Neue Mitglieder, gewachsene Community, weitere Zukunftspläne

Cloud Foundry Summit Europe 2015 Berlin

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Die Vorträge des Cloud Foundry Summits können online abgerufen werden.
Die Vorträge des Cloud Foundry Summits können online abgerufen werden. (Bild: Dirk Srocke)

Gut 450 Besucher reisten Anfang November zum Cloud Foundry Summit Europe nach Berlin. Dort sollte eine geschäftstaugliche PaaS mit starker Community, Unterstützung zahlreicher Hersteller und vielversprechender Zukunft präsentiert werden.

Gleichzeitig strömten hunderte Besucher am Nachmittag des 2. November zu den ersten Keynotes des Cloud Foundry Summit Europe 2015 – denn erst knapp vor Beginn gegen 16 Uhr öffneten sich die Türen zum Vortragssaal im Untergeschoss des Andel's Hotel Berlin. Beschreiben könnte man die bewegte Szene passenderweise mit einem von Pivotal Software verbreiteten Slogan, der eigentlich die Vorzüge der PaaS Cloud Foundry versinnbildlichen soll: „from development to production in one motion“.

Cloud-Plattform für digitale Transformation

Die folgenden Vorträge klärten dann auch die Frage, warum solch eine agile Cloud Native Platform für Unternehmen in Zeiten der digitalen Transformation überlebensnotwendig ist. Als mustergültige Innovatoren wurden die Branchenprimi Amazon, Uber und Airbnb dabei genauso präsentiert, wie abschreckende Statistiken. Sam Ramji, CEO der Cloud Foundry Foundation, verwies etwa auf folgenden Fakt: 52 Prozent der Fortune 500 aus dem Jahre 2000 gehören der Liste mittlerweile nicht mehr an. Dem entsprechen werden also nur Unternehmen mit hoher Innovationskraft langfristig erfolgreich bleiben.

Dass sich gerade Enterprises dabei überhaupt nicht vor innovativen Start-ups fürchten müssten, verdeutlichte Colin Humphreys, CEO des Consultingunternehmens CloudCredo, am folgenden Morgen mit seiner unterhaltsam launischen Darbietung. Schließlich könnten große Firmen auf Ressourcen zugreifen, die sich ein gutes Start-up erst erschließen muss: Fähige Mitarbeiter, genug finanzielle Spielräume für neue Produkte und eine bestehende Kundschaft, die Entwicklungen mit ihrem Feedback begleiten kann.

Erwartungsgemäß wurde Cloud Foundry dabei allenthalben als ideale Plattform für rasche Entwicklungs- und Innovationszyklen präsentiert. Statt ihre Zeit mit Aufbau und Wartung einer Plattform für ihre Applikationen zu vertrödeln, sollten Unternehmen ihre Energie viel lieber in innovative Anwendungen stecken. Dazu nochmal Colin Humphreys: „Cloud Foundry wird dich nicht [vom Wettbewerb] abheben. Deine Applikationen werden es.“

Entwicklersicht: Push it

Wie einfach Cloud Foundry das Deployment von Anwendungen tatsächlich gestaltet, erläuterten Humphreys und seine Kollegen übrigens schon am Vormittag des 2. November in drei Trainingsworkshops für Anfänger und fortgeschrittene Nutzer. Darin erfuhr auch der bislang vergleichsweise unbedarfte Autor dieses Artikels, wie Webanwendungen unterschiedlichster Sprachen mit einem simplen „cf push“ unverändert in Cloudumgebungen verschiedener Anbieter deployed oder bequem per „cf scale -i10“ auf mehrere Instanzen verteilt werden.

Adminstrationssicht: Galgenhumor

Wer selbst eine PaaS aufsetzen will hat es ungleich schwerer: Während sich Cloud Foundry aus Entwicklersicht verblüffend komfortabel darstellt, gestaltet sich die Implementierung für Systemarchitekten eher anspruchsvoll. Mit einem an Galgenhumor grenzenden Sarkasmus beschrieben Entwickler Chris Hedley von CloudCredo und Consultant Daniel Jones von EngineerBetter dann auch „The 7 Stages of Bosh" – Bosh ist ein Open-Source-Werkzeug für das Lifecycle-Management verteilter Systeme, das Sam Ramji schon als beinahe zweite Plattform innerhalb von Cloud Foundry bezeichnet.

Auch bei SAP lief die Liaison mit Cloud Foundry nicht ohne Turbulenzen ab. Aus Sicht des Unternehmens referierten Area Product Owner Bernd Krannich und Cloud Platform Evangelist Matthias Steiner zum Thema. Zuhörer der Session „SAP and Cloud Foundry - Love at Second Sight“ erfuhren, wie der Konzern Cloud Foundry nach einer ersten Evaluation 2011 eine Absage erteilte und erst mit dem Engagement von IBM 2013 das Interesse an Cloud Foundry wiedererlangte. Mittlerweile arbeitet die SAP übrigens daran, Cloud Foundry in die SAP HANA Cloud Platform zu integrieren.

Weitere Mitglieder und starke Community

Die Cloud Foundry Foundation meldete anlässlich des Berliner Summits überdies weitere Mitglieder: CA Technologies, Cisco, Citigroup Inc., Hitachi Ltd., Royal Bank of Canada und SUSE. Bemerkenswert dabei: CA und Cisco beteiligten sich zuvor bereits an der Community der von Red Hat getriebenen, konkurrierenden PaaS OpenShift.

Zu Cloud Foundry Foundation gehören damit mittlerweile 50 Organisationen. Hinzu kommt – das wurde auffallend oft betont – eine weltweite Community. Allein in Europa weiß die Foundation laut Sam Ramji von 39 selbsorganisierten Nutzergruppen, Anwendern in 17 Ländern und 6.279 Mitgliedern.

Unter den 456 Teilnehmern des Berliner Summits fanden sich etwa Rechenzentrums-Administratoren auf der Suche nach alternativen Architekturen. Von Aufbruchsstimmung zeugte der Vertreter eines US-Integrators, der in Europa nach neuen Geschäftspartnern fahndete. Pivotal platzierte derweil großzügig Stellenausschreibungen für das Cloud-Foundry-Umfeld.

Agim Emruli, Geschäftsführer beim Integrator Mimacom, glaubt: „Hinter Cloud Foundry stehen zahlreiche Hersteller und eine starke Community. Damit wurde eine solide Basis geschaffen, um die langfristige Entwicklung der PaaS zu garantieren.“

Aktuelle Entwicklungen

Davon zeugen auch die in Berlin bekannt gegebenen Fortschritte der Plattform. So wurden drei Komponenten zu aktiven Projekten hochgestuft: Der Container-Scheduler Diego, der Container Abstraction Layer Garden und Greenhouse, ein Projekt das den .NET-Application-Stack innerhalb der Plattform unterstützen soll.

In naher Zukunft soll Cloud Foundry zudem besser als bisher skalieren: Tauge die Plattform bislang für hunderte von Nodes, propagiert Sam Ramji als nächstes Ziel eine Größenordnung von tausenden Knoten. Weitere Arbeitsschwerpunkte heißen Bosh und Docker. Konkret dazu befragt kann sich Ramji zudem vorstellen, dass sich im Cloud-Foundry-Umfeld bis 2017 ein Marktplatz für unabhängige Software-Anbieter (ISVs) entwickeln könnte.

Um am Cloud-Foundry-Code mitzuarbeiten müssen Interessierte ein so genanntes Dojo-Programm durchlaufen. Zum sechs bis acht Wochen dauernden Pensum gehören Test-driven Development, Pair Programming und agile Methodologie. Erfolgreiche Absolventen dieses Prozesses erhalten schließlich Commit-Rechte.

Produktiver Einsatz

Trotz der zahlreichen Entwicklungsfelder sei Cloud Foundry aber bereits jetzt bereit für den produktiven Einsatz. Ramji verweist in diesem Kontext auf etliche Deployments seit 2011 und tausende Unternehmen, die die Plattform bisher nutzen. Nur ein Beispiel von vielen sei Ciscos Kommunikationsplattform WebEx, die bereits seit einiger Zeit auf der PaaS laufe.

Vor diesem Hintergrund war es eigentlich unnötig, praktische Nutzungsszenarien für Cloud Foundry zu konstruieren. Hewlett Packard Enterprise hatte genau so etwas dennoch getan und präsentierte mit Rekordjäger Rainer Zietlow ein authentisch auftretendes Testimonial samt Blickfänger in Form eines SUV im Rallye-Design. Das hatte Zietlow kürzlich mit seinem Team in Rekordzeit über eine 19.000 km lange Strecke von Südafrika bis zum Nordkapp bewegt – vom Fahrzeug generierte Telemetriedaten wurden dabei in Echtzeit auf einem Dashboard präsentiert – das war gleichzeitig auch eine Anwendungsdemo für das Business Value Dashboard des Herstellers.

Cloud Foundry

Cloud Foundry ist eine Open Source Cloud Computing Platform as a Service, die ursprünglich von VMware entwickelt und an Pivotal weitergegeben wurde. Die Cloud Foundry Foundation ist ein gemeinnütziges Linux Foundation Collaborative Project. Das soll die Entwicklung, Förderung und Übernahme von Cloud Foundry als globalem Standard für offenes PaaS unterstützen.

Wer will kann das das Vortragsprogramm samt Präsentationen online rekapitulieren.

* Der Autor dieses Betrags reiste auf Einladung und Kosten der Cloud Foundry Foundation nach Berlin.

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Dirk Srocke

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