Suchen

IT-Dienstleister zwischen Hoffen und Bangen Wie SAP-Consulter CNT die Corona-Krise erlebt

Autor: Elke Witmer-Goßner

Der Lock-down in Deutschland und vielen anderen Ländern der Erde als Folge der COVID-19-Pandemie hat auch die Projektarbeit von IT-Dienstleistungsunternehmen beeinflusst oder – nicht immer zum positiven – verändert.

Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft ausgebremst, was auch heimische Unternehmen – Kunden wie Anbieter – deutlich spüren.
Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft ausgebremst, was auch heimische Unternehmen – Kunden wie Anbieter – deutlich spüren.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Im ersten Quartal dieses Jahres erreichten die Cloud-Ausgaben ein Rekordhoch. Die weltweiten Investments für Cloud-Infrastrukturdienste, berechnete das Analystenhaus Canalys, stiegen um 34 Prozent auf 31 Milliarden US-Dollar.

Wegen des Einflusses von Corona und den verordneten Ausgangssperren stieg insbesondere die Nachfrage nach Remote- bzw. Homeoffice-Lösungen, wie Collaboration-Tools, E-Commerce- und Consumer-Cloud-Dienste. Vor allem die großen Cloud-Anbieter konnten von diesem „Run“ profitieren.

Allerdings stellte Canalys auch fest: Bei großen, komplexen Unternehmensmigrationen sowie transformativen Cloud-Projekten trat mit Einführung der Pandemie-Maßnahmen eine Verlangsamung bis hin zum Stillstand ein. Bis zu einem gewissen Grad bekommt dies auch die CNT Management Consulting AG zu spüren, die als international tätiges Beratungshaus Unternehmen bei der Entwicklung und Einführung effizienter Prozesse und Optimierungen auf Basis von SAP-Lösungen unterstützt.

Wie ein Halt auf freier Strecke

Michael Seebacher, Geschäftsführer der CNT Management Consulting AG in Deutschland, beschreibt im Gespräch mit CloudComputing-Insider, wie das Thema Unternehmensdigitalisierung auf Grund der aktuellen Lage und den damit verbundenen Herausforderungen an die Wirtschaft einen neuen Stellenwert erhalten hat.

Michael Seebacher, CNT Management Consulting AG.
Michael Seebacher, CNT Management Consulting AG.
(Bild: CNT)

Man habe bereits Anfang März aufgrund erster Reisebeschränkungen die eigenen Geschäftsabläufe umstellen müssen, erzählt Seebacher. Eigentlich gehört zur erfolgreichen SAP-S/4HANA-Conversion, also der Migration auf die SAP-Cloud, die Einführung der immer neuesten Tools sowie deren Test vor Ort beim Kunden. Stattdessen blieben jetzt viele Mitarbeiter, auch solche, die vorwiegend in Projekten direkt beim Kunden eingesetzt waren, quasi von heute auf morgen im Homeoffice. Teilweise mussten ganze Teams aus anderen Ländern kurzfristig nach Deutschland zurückgeholt werden und ließen unfertige Projekte zurück.

Doch weniger Termine beim Kunden vor Ort bedeuteten nicht unbedingt eine Erleichterung für die Mitarbeiter, sagt Seebacher. Zwar arbeiteten viele Projektgruppen mit Collaboration-Tools wie Microsoft Teams. Die Praxis habe jedoch gezeigt: Trotz vieler Hilfsmittel sowie Richtlinien, wie Remote-Meetings abzuhalten sind, sank die Effizienz der Arbeit um rund 20 Prozent, was teilweise natürlich durch Mehrarbeit ausgeglichen werden musste. Und natürlich sei auch die Neuakquise von Kunden schwieriger geworden, da persönliche Kontakt ebenso wie der für die Besiegelung eines Auftrags so wichtige Händedruck fehle.

Starke Marktbereinigung zu erwarten

Die Angst vor einer globalen Rezession sei stark zu spüren. Viele Unternehmen hätten Investitionen in größere Digitalisierungsprojekte bereits hinten angestellt, stellt Seebacher fest. So würden zwar auf der einen Seite bestimmte Bereiche im IT-Markt gerade eine Belebung erfahren. Man könne das beispielsweise auch bei der Einkaufsplattform SAP Ariba beobachten. Wenn Kunden oder Lieferanten wegen Verkehrs- oder Einfuhrbeschränkungen plötzlich wegfielen, könnte dieses „Amazon für Unternehmen“ schnell Engpässe durch andere Anbieter oder Kontakte schließen. Daher biete SAP den B2B-Marktplatz Ariba Discovery für Einkäufer oder Lieferanten weiter komplett kostenlos an.

Mit dem Verkauf eigener Produkte wie SAP-zertifizierte Add-ons für den Anlagen- und Maschinenbau, könne CNT in kleineren Projekten auch noch seine Umsätze machen. Langfristig werde man ebenso wie andere IT-Unternehmen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen, ist der CNT-Deutschlandchef überzeugt.

Bei kleineren Optimierungen an der IT werde es wohl kaum Einbrüche geben, glaubt Seebacher. Hier könne man sogar gestärkt aus der Corona-Krise gehen. Dies gelte aber nicht für Projekte, die in die Kernprozesse eingreifen. Gerade in Deutschland erwartet der CNT-Chef in den kommenden Jahren einen deutlichen Rückgang bei entsprechenden Investitionen in große Digitalisierungsprojekte.

Ergänzendes zum Thema
Zum Unternehmen

Die CNT Management Consulting AG ist ein internationales Beratungshaus mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Seit über 20 Jahren unterstützt CNT Unternehmen unterschiedlicher Sparten bei der Entwicklung und Implementierung von SAP-Lösungen.

Der Dienstleister betreut von zehn Standorten wie Mainz und München mit seinen 250 SAP-Beratern über 180 Kunden wie Porsche oder Porr in 50 Ländern weltweit.

Die Die Umsatzerlöse für das Jahr 2019 beliefen sich auf 54 Millionen Euro.

SAP-Experte Michael Seebacher ist Partner und Geschäftsführer für den deutschen Raum.

(ID:46595299)

Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de