ITB: Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verbietet das Sammeln und Auswerten personenbezogener Daten ohne Zustimmung der User. Geht Social Monitoring hier nicht mitunter zu weit?
Schreiner: Ich würde das Ganze nicht negativ sehen. Es wird in diesem Zusammenhang auch von „Crowd Sourcing“ gesprochen. Wenn jemand öffentlich seine Meinung über ein Produkt oder Unternehmen äußert, erwartet er nicht sogar, dass das entsprechende Unternehmen ihn ‚hört’? Rechtlich ist es so, dass die Betreiber von Social-Media-Seiten dann über APIs den Zugriff auf den Kanal ermöglichen, wenn dies juristisch keine Probleme bereitet. Auch bei Facebook gibt es offene Kanäle, wenn auch nicht uneingeschränkt. Bei Xing hingegen bislang nicht.
ITB: Zwischen Salesforce.com und Oracle kracht es. Auf der Software-Messe Openworld kam es dann zu einem Eklat, als Oracle-Chef Larry Ellison dem Salesforce.com-Gründer Marc Benioff kurzfristig die Keynote aufkündigte. Benioff improvisierte daraufhin eine Präsentation in einem Hotel und teilte gegen Oracle aus. Geht es hier um persönliche Differenzen oder wo tun sich Ihrer Ansicht nach die Gräben zwischen Salesforce.com und Oracle auf?
Schreiner: Da dürften keine persönlichen Differenzen dahinter stehen, sondern berufliche. Der Hintergrund ist ja folgender: Marc Benioff war früher bei Oracle angestellt und wollte dort Cloud Computing groß angehen. Larry Ellison hat sich für diese Idee aber nicht begeistert. Meiner Meinung nach steht hier ein großes Schutzbedürfnis bestehender Strukturen dahinter. Das führte dazu, dass Benioff seine Energie in Salesforce.com steckte. Die Reibereien um die verschobene Keynote auf der Openworld war in letzter Konsequenz eine Provokation von Larry Ellison, die Marc Benioff angenommen hat – nicht mehr und nicht weniger.