„The Network is the Computer“ – heute reagieren die meisten auf diese Aussage mit einem achselzuckenden „Ja, klar“, aber 1984, vor ziemlich genau vierzig Jahren, war das eine kühne Vision. Übrigens stammt das Zitat nicht von Scott McNealy, wie oft behauptet (und auch zuerst von mir vermutet), sondern von John Gage. Aber beide waren damals bei Sun Microsystems, so falsch lag ich also nicht.
In der Realität spielt der Nachhaltigkeitsgedanke bei der Entscheidung für oder gegen Cloud Computing meist nicht die Hauptrolle, ist aber schon auf der Setlist.
Viele hielten das damals für verrückt, und das ist aus heutiger Sicht auch nicht verwunderlich: 1984 wurde in Deutschland die erste E-Mail empfangen, die einen Tag zuvor in den USA verschickt worden war. Mobiltelefone befanden sich noch in der Übergangsphase vom Handkoffer zum Dinosaurierknochen, erst ein Jahr später wurde das C-Netz mit einer Datenübertragung von 2,4 Kbit/s eingeführt. Das Festnetz mit Modem oder Akustikkoppler war auch nicht schneller. Wie sollte man da Rechner anbinden? Und wozu?
Spulen wir 40 Jahre vor: Für Privathaushalte sind Bandbreiten im Gigabit-Bereich verfügbar, und der aktuelle Mobilfunkstandard 5G ermöglicht Datentransfers bis zu 10 Gbit/s – das reicht locker, um mehrere Netflix-Serien in 4K parallel zu streamen und gleichzeitig in einer Videokonferenz zu sitzen. Aus „The Network is the Computer“ ist Cloud Computing oder einfach „die Cloud“ geworden.
Die Cloud dient als Speicher für Daten aller Art, als Basis für Anwendungen und als legitime IT-Infrastruktur für Unternehmen. Wenn AWS einen Ausfall zu verzeichnen hat, funktioniert gefühlt das halbe Internet nicht mehr. Ein großer Erfolgsfaktor ist dabei wohl auch die wolkige Namensgebung. Die Marketingabteilungen der großen Technologieunternehmen haben es geschafft, dass ein strahlend blauer Himmel mit idyllischen Schäfchenwolken eine extrem energieintensive und damit potenziell natürlich auch nicht umweltfreundliche Technologie symbolisiert. Was für ein Brainwash! Doch wie sieht es mit der Nachhaltigkeit in der Cloud wirklich aus? Machen wir den Realitätscheck.
Umweltauswirkungen von Cloud Computing
Vorab: Als IT-Experten gehen wir natürlich davon aus, dass es für die Wirtschaft keinen vernünftigen Weg gibt, das Rad in der IT zurückzudrehen. Im Gegenteil: Neue Technologien wie KI werden den Bedarf an Daten und Rechenleistung in neue Höhen treiben. Die Herausforderung besteht darin, diesen Prozess so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Und die Frage ist, ob komplexe Cloud-Rechenzentren dabei eher Teil des Problems oder Teil der Lösung sind.
Positiv ist sicherlich, dass große und komplexe Rechenzentren, wie sie die Hyperscaler bauen, im Branchendurchschnitt zu den energieeffizientesten gehören. Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten ist die Stromrechnung ein enormer Kostenblock, und der Einsatz moderner Hardware und Kühlungsoptionen sorgt für spürbare Einsparungen. Der Branchenverband Bitkom hat die deutsche RZ-Landschaft untersucht und festgestellt, dass 2022 Cloud-Rechenzentren bereits 38 Prozent der gesamten Rechenzentrumskapazitäten ausmachten. Zwischen 2010 und 2022 stieg der Energiebedarf um rund 70 Prozent auf 17,9 Milliarden kWh/a. Im selben Zeitraum hat sich die Rechenkapazität pro verbrauchter Kilowattstunde etwa versechsfacht. Die Effizienz ist also deutlich angestiegen.
Wie spürbar sich der Energiehunger auf die CO2-Emissionen auswirkt, ist derzeit schwer abzuschätzen, da dies auch von der Energieerzeugung in Deutschland abhängt. Im Prinzip kann natürlich nur so viel Strom aus erneuerbaren Quellen verbraucht werden, wie produziert wird, der Rest wird aus dem Ausland dazu gekauft oder mit fossilen Quellen wie Kohle und Gas erzeugt. Die großen Cloud-Anbieter AWS, Microsoft und Google sind sich der Problematik natürlich bewusst, sie schließen exklusive Verträge mit Lieferanten und investieren große Summen in erneuerbare Energien und Innovationen. Wobei Microsoft wohl gerade erst das Projekt abgesagt hat, Rechenzentren in Containern auf dem Meeresboden zu versenken.
Was in der Rechnung häufig unterschlagen wird, ist die Netzwerkenergie: Die Übertragung großer Datenmengen zwischen Unternehmensstandorten oder Remote-Workern und der Cloud wird durch eine enorm komplexe Netzwerkinfrastruktur ermöglicht, von lokalen Netzen und Mobilfunkmasten bis hin zu armdicken Unterseekabeln. Und die Cloud verlagert einen großen Teil des Energieverbrauchs genau dorthin. Sprachassistenten sind ein gutes Beispiel: Wenn ich Alexa nach dem Wetter frage, wird die Anfrage an ein AWS-Rechenzentrum geschickt, dort verarbeitet, das Ergebnis wird zurückgeschickt und als Antwort ausgegeben. Jeder Schritt erzeugt CO2, und mit der Verbreitung von KI wird dieser Prozess noch deutlich an Fahrt gewinnen (sofern keine lokalen Modelle zum Einsatz kommen).
In der Realität spielt der Nachhaltigkeitsgedanke bei der Entscheidung für oder gegen Cloud Computing meist nicht die Hauptrolle, ist aber schon auf der Setlist. Bei manchen Daten und Prozessen stehen der Nutzung Vorschriften oder Branchenregularien im Weg, bei anderen ergibt es schlicht keinen Sinn. Es bleiben aber einige Szenarien, in denen die Cloud technisch und wirtschaftlich die beste Option ist, beispielsweise für Testumgebungen oder für den Lastausgleich bei Arbeitsspitzen. Hier lohnt es sich, bei der Auswahl des Anbieters auch Umweltaspekte zu berücksichtigen: Unterstützt der Provider Umweltprojekte? Setzt er auf erneuerbare Energien? Bei Nachhaltigkeit denke ich aber auch an Standortfaktoren: Schafft der Anbieter Arbeitsplätze vor Ort und fördert die Infrastruktur? Können Bauvorhaben und Betrieb umweltschonend durchgeführt werden?
Stand: 08.12.2025
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To cloud or not to cloud …
Die Frage „Cloud oder nicht?“ stellen sich die meisten Unternehmen gar nicht mehr. Multicloud und Hybrid Cloud sind mittlerweile die Regel. Auch die Abgrenzung wird dabei immer diffuser: Unsere neue VSP One Plattform zum Beispiel spannt eine Managementebene über verschiedene Speicherorte und ermöglicht dadurch eine Sicht auf alle Daten.
Das kann eine Kombination aus einem Software-Defined Storage (SDS) aus dem AWS Marketplace mit einer SDS Block als VM und einer Block-Appliance On-Premises sein. Wichtige Daten bleiben inhouse, Trainingsdaten landen in einem günstigen S3-Bucket. So entsteht eine eigene Daten-Cloud, die Daten immer da ablegt, wo es sinnvoll ist. Und mit Pay-Per-Use-Modellen wie Hitachi EverFlex lassen sich die flexible Abrechnung und Skalierbarkeit der Cloud mit modernster Hardware ins eigene Rechenzentrum holen.
Wenn Sie mich fragen, steht zumindest bei der Datenspeicherung die umweltfreundlichste Cloud im eigenen Rechenzentrum und nutzt punktuell Dienste aus der Public Cloud.
* Die Autorin Petra-Maria Grohs ist Geschäftsführerin von Hitachi Vantara Deutschland.