Zukunftsszenario für die Abwärmenutzung Wenn Rechenzentren ganze Städte beheizen

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Hessens Digitalministerin Prof. Kristina Sinemus unterstützt den Rechenzentrumsstandort Frankfurt am Main: Die Metropolregion Rhein-Main habe strategische Bedeutung für eine gelingende digitale Transformation in Deutschland und Europa.

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Rechenzentrums-Hotspots könnten in naher Zukunft dazu beitragen, die Klimaziele in Deutschland und Europa zu erreichen.
Rechenzentrums-Hotspots könnten in naher Zukunft dazu beitragen, die Klimaziele in Deutschland und Europa zu erreichen.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Nun, ein solches Bekenntnis sollte nicht anders zu erwarten sein von einer Person in ihrer Position. Somit eigentlich innerhalb der Cloud-Thematik eher eine Randnotiz. Natürlich sind leistungsfähige Rechenzentren Basisinfrastrukturen der Digitalisierung. Sie haben, neben einer entsprechenden Breitband-Infrastruktur, unbestritten eine wichtige Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Ministerin sagte auf einer Diskussionsveranstaltung der eco Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen, dass für sie die Stadt Frankfurt als Digital-Hotspot eine wichtige Vorreiterrolle spiele: „Die Metropolregion Rhein-Main ist ein wichtiger Digitalstandort mit strategischer Bedeutung für eine gelingende digitale Transformation in Deutschland und Europa. Wir müssen schon heute die Potenziale von Morgen im Blick haben und die Weichen richtig stellen“ und so weiter und so fort.

So weit, so gut. Interessant ist im gleichen Zusammenhang eher eine andere Aussage von Sinemus: Digitalisierung solle dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Diesen Aspekt greift die eco-Allianz mit einem interessanten Ansatz in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit auf und spinnt ein spannendes Zukunftsszenario für die Stadt Frankfurt am Main und ihre Bewohner.

Wärme aus dem Datacenter

Laut eco-Allianz könnte sich dort bei anhaltender Digitalisierung der Energiebedarf der Rechenzentren in der Region innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre verdoppeln. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Denn diese starke Rechenzentrumsinfrastruktur, so führt der Digital-Verband auf Grundlage eines aktuellen Berichts des Forschungsprojekts DC-HEAT aus, könnte eine Chance für künftige Energiekonzepte gerade in Ballungszentren wie Frankfurt am Main bedeuten.

Demnach könnte rein rechnerisch betrachtet beispielsweise mit der Abwärme aller Rechenzentren in Frankfurt a.M. bis zum Jahr 2030 nahezu der gesamte Wärmebedarf von Privathaushalten und Bürogebäuden gedeckt werden. Das biete die Chance, die bislang zu 90 Prozent auf dem Primärenergieträger Gas basierende Wärmeversorgung der Stadt künftig klimafreundlich zu realisieren. Auf diese Weise, kommentiert Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der unter dem Dach von eco gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland, könnten Rechenzentrum „zum Gamechanger urbaner Energieversorgung werden“ – vorausgesetzt man bekomme Politik, kommunale Behörden, Stadtwerke, Stadtplaner und Rechenzentrumsbetreiber endlich an einen Tisch.

„Damit der digitale Wandel in allen Wirtschaftsbereichen gelingt und die Klimaziele der Europäischen Union und Deutschland eingehalten werden, müssen zum einen die entsprechenden Spannungsfelder zwischen Energieverbrauch, CO2-Emissionen, ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg adressiert sowie gelöst werden“, fordert Waldhauser. Zum anderen brauche es Rahmenbedingungen für die Digitalisierung und Unternehmen müssten sich frühzeitig auf einen digitalen und nachhaltigen Wandel vorbereiten.

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