Definition: Kontrolle über Daten und ihre Erhebung, Speicherung und Verarbeitung Was ist Datensouveränität?

Die Datensouveränität ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalen Souveränität. Sie erlaubt die vollständig selbstbestimmte Kontrolle über Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung der eigenen Daten. Datensouverän können sowohl einzelne Personen als auch Organisationen und Institutionen wie Unternehmen, Behörden und komplette Staaten handeln.

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Der Begriff Datensouveränität hat sich die selbstbestimmte Kontrolle über Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung eigener Daten auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig ist Datensouveränität ein wichtiger Bestandteil der Digitalen Souveränität.
Der Begriff Datensouveränität hat sich die selbstbestimmte Kontrolle über Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung eigener Daten auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig ist Datensouveränität ein wichtiger Bestandteil der Digitalen Souveränität.
(Bild: gemeinfrei © Gerd Altmann / Pixabay )

Eine allgemeingültige Definition des Begriffs Datensouveränität existiert nicht. Je nach Kontext und Verwendung des Begriffs im privaten, wirtschaftlichen oder politischen Umfeld, wird die Bedeutung teils unterschiedlich ausgelegt. Wörtlich verstanden meint Datensouveränität, den souveränen, selbstbestimmten Umgang mit den eigenen Daten. Datensouveränität erlaubt einzelnen Personen, aber auch Organisationen und Institutionen wie Unternehmen, Behörden oder ganzen Staaten die vollständig selbstbestimmte Kontrolle der Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung eigener Daten. Bezieht sich die Datensouveränität auf Individuen, sind mit den eigenen Daten in der Regel personenbezogene Daten gemeint.

Datensouveränität ist aber nicht grundsätzlich auf personenbezogene Daten beschränkt. Die Datensouveränität ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalen Souveränität. Hinter dem Begriff Digitale Souveränität verbirgt sich die informationelle Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter und das selbstbestimmte, souveräne Agieren und Entscheiden im digitalen Raum inklusive der vollständigen Souveränität über die eigenen Daten. Ohne entsprechende Vorgaben und Maßnahmen vonseiten der Politik und der Gesetzgebung können digitale Konzepte und Technologien wie Cloud Computing und Big Data sehr negativen Einfluss auf die Datensouveränität haben.

In der Europäischen Union gibt es zahlreiche Aktivitäten und gesetzliche Regelungen, die die Datensouveränität innerhalb der EU stärken sollen. Dazu zählen beispielsweise die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) oder das Projekt GAIA-X zum Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur.

Datensouveränität als Teil der Digitalen Souveränität

Datensouveränität ist ein wichtiges Teilgebiet der Digitalen Souveränität. Unter der Digitalen Souveränität versteht man die informationelle Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter und das souveräne Agieren und Entscheiden im digitalen Raum. Individuen, Gesellschaft, Institutionen, Unternehmen oder Staat sollen digitale Medien und Dienste selbstbestimmt nutzen können. Neben der vollständigen Kontrolle über die eigene Daten wie personenbezogene Daten gehören zur Digitalen Souveränität auch persönliche digitale Kompetenzen und geeignete technologische und regulatorische Rahmenbedingungen.

Abgrenzung der Begriffe Datensouveränität und Datenschutz

Datensouveränität darf auf keinen Fall mit Datenschutz gleichgesetzt werden. Datenschutz konzentriert sich auf den Schutz personenbezogener Daten. Die Datensouveränität bezieht sich nicht nur auf den Schutz personenbezogener Daten, sondern soll vor allem den selbstbestimmten Umgang und die volle Kontrolle über alle Vorgänge der Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung eigener Daten ermöglichen. Unter eigene Daten fallen nicht nur die personenbezogenen Daten, sondern auch Daten ohne konkreten Personenbezug. Das können beispielsweise Unternehmensdaten oder technische Daten sein. Aus Sicht der datensouverän handelnden Individuen, Organisation oder Institutionen ist der Datenschutz ein mehr passiver Ansatz, der den Umgang mit personenbezogenen Daten regelt und durch das Verhängen von Sanktionen bei Zuwiderhandlungen schützt. Bei der Datensouveränität handelt der Einzelne oder die Gruppe selbstbestimmt und fordert diese Rolle aktiv ein. Politik und Gesetzgebung schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen für diese aktive Rolle.

Die zentralen Elemente der Datensouveränität

Transparenz und Kontrolle sind Grundvoraussetzung für die Datensouveränität bei der Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung eigener Daten. Nur wenn bekannt ist, welche Daten, wo, wann und von wem verarbeitet werden, gelingen ein selbstbestimmter Umgang und eine aktive Einflussnahme. Neben der persönlichen Datenkompetenz ist die sogenannte Normativität ein wichtiges Element der Datensouveränität. Sie sorgt für eine grundsätzlich datensouveräne Gestaltung der datenverarbeitenden Anwendungen und Technologien.

Darüber hinaus müssen Politik und Gesetzgebung die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für das datensouveräne Handeln der Bürger, Organisationen und Institutionen schaffen und diese durchsetzen. Neben den rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind technologische Mindestvoraussetzungen für die Datensouveränität zu schaffen. Dazu gehören zum Beispiel die Bereitstellung einheitlicher, datenschutzfreundlicher Standards und das Vermeiden zu starker Abhängigkeiten von einzelnen Technologien oder Unternehmen.

Gefahren für die Datensouveränität in der digitalen Welt

Der rasante technologische Fortschritte der digitalen Welt führt zu einer zunehmenden Gefährdung der Datensouveränität. Die Menge der erhobenen und verarbeiteten Daten steigt stark an. Internet, Cloud Computing und Big-Data-Anwendungen tragen dazu bei. Im Internet sind Plattformen weniger Tech-Konzerne entstanden, die einzelne Märkte und Services dominieren. Daten werden dank schnellem Internet und Cloud Computing an beliebigen Orten gespeichert und verarbeitet. Oft ist es für den Einzelnen nicht mehr nachzuvollziehen, wo und von wem die eigenen Daten genutzt werden.

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Der Fortschritt im Big-Data-Umfeld sorgt dafür, dass riesige Datenmengen binnen kürzester Zeit erhoben und ausgewertet werden können. Die selbstbestimmte Kontrolle über die Daten ist stark eingeschränkt. Insbesondere gegenüber den Tech-Giganten hat der Einzelne ohne Hilfestellungen vonseiten der Politik und der Gesetzgebung kaum noch Einflussmöglichkeiten. Es entstehen unkontrollierte Abhängigkeiten von einzelnen Plattformbetreibern und Dienste-Anbietern. Die Wahlfreiheit in der Nutzung digitaler Services ist für Individuen, Unternehmen und Behörden eingeschränkt. Ursprünglich von Unternehmen wie Google oder Facebook erhobene Daten und bereitgestellte Plattformen werden nicht nur zu kommerziellen Zwecken wie Werbung genutzt, sondern dienen zunehmend zur Manipulation und Steuerung der Verhaltensweisen und Meinungen der Gesellschaft.

Hinzu kommt, dass nationale Geheimdienste die Informationsflüsse überwachen und Zugriff auf Datensammlungen einfordern. Da kaum nachvollziehbar ist, wo überall eigene Daten gespeichert und verarbeitet werden, sind nur wenig Informationen vorhanden, in welchen Ländern staatliche Institutionen gegebenenfalls Zugriff auf Daten erhalten.

Aktivitäten zur Stärkung der Datensouveränität in der Europäischen Union

Innerhalb der Europäischen Union gibt es zahlreiche Aktivitäten, die Rahmenbedingungen für eine selbstbestimmte Kontrolle über die eigene Daten zu schaffen und die Datensouveränität der Bürger, Unternehmen und Institutionen zu stärken. Es soll vermieden werden, dass Daten unkontrolliert außerhalb der EU über Ländergrenzen transferiert und dort ohne Einflussmöglichkeiten verarbeitet und gespeichert werden. Eine bekannte Vorgabe zum Schutz personenbezogener Daten ist die 2018 in Kraft getretene EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO). Sie regelt den Datenschutz im europäischen Wirtschaftsraum und die Übermittlung personenbezogener Daten aus der Europäischen Union in andere Regionen. Die Datenschutzgrundverordnung ist einer der Garanten der Datensouveränität.

Ein weiteres Projekt zur Stärkung der Datensouveränität und Datensicherheit in der EU ist Gaia-X. Mit Gaia-X sollen eine selbstbestimmte, leistungsfähige europäische Dateninfrastruktur geschaffen und Abhängigkeiten von außereuropäischen Cloud-Plattformen reduziert werden. Das digitale Ökosystem basiert auf Open-Source-Technologien und ist als Alternative zu großen Anbietern beispielsweise der USA oder China gedacht. Neben der DSGVO und Gaia-X existieren in der EU viele weitere Aktivitäten zur Stärkung der Datensouveränität.

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