Finnland führend – Deutschland auf Platz 2 Studie zeigt große Unterschiede bei digitaler Souveränität in Europa

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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Der Open-Source-Softwareanbieter Nextcloud hat erstmals seinen Digital Sovereignty Index (DSI) veröffentlicht und damit ein Ranking zur Verbreitung souveräner digitaler Infrastrukturen vorgelegt. Der Index untersucht, wie stark selbst gehostete Technologien für Zusammenarbeit, Dateiablage und Projektmanagement genutzt werden.

Finnland, Deutschland und die Niederlande führen im neuen Digital Sovereignty Index – große Technologiemärkte wie USA und UK hinken dagegen bei digitaler Unabhängigkeit hinterher.(Bild:  frei lizenziert Gerd Altmann /  Pixabay)
Finnland, Deutschland und die Niederlande führen im neuen Digital Sovereignty Index – große Technologiemärkte wie USA und UK hinken dagegen bei digitaler Unabhängigkeit hinterher.
(Bild: frei lizenziert Gerd Altmann / Pixabay)

Finnland belegt mit einem DSI-Wert von 64,5 den Spitzenplatz, gefolgt von Deutschland (53,85) und den Niederlanden (36,32). Der EU-Durchschnitt liegt bei 16,31 Punkten.

Deutschland vor Österreich und Schweiz

Während Österreich (20,23) und die Schweiz (23,32) klar über dem EU-Durchschnitt liegen, schaffen es nur wenige Länder, an die führenden Nationen heranzureichen. Frankreich (25,1) profitiert zwar von einer hohen Zahl an selbst gehosteten Infrastrukturen wie Plex und Webmin, fällt jedoch in Kernbereichen wie File Hosting, Projektmanagement und Kommunikationswerkzeugen deutlich zurück.

Deutschland erreicht mit Platz zwei ein starkes Ergebnis, vor allem dank hoher Nutzung souveräner Technologien bei Privatpersonen sowie kleinen und mittleren Unternehmen. Laut Nextcloud-Gründer Frank Karlitschek besteht jedoch eine deutliche Kluft: Während Bürger und KMU Wert auf digitale Unabhängigkeit legen, seien Behörden in großem Maß von ausländischen Tech-Konzernen abhängig.

Der Würzburger Informatikprofessor Harald Wehnes warnt zudem vor steigenden Kosten aufgrund der Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung von Produkten digitaler Monopolisten: Allein 2024 habe das EU-Dienstleistungsdefizit gegenüber den USA bei Softwarelizenzen, Cloud-Diensten und ähnlichen Ausgaben einen Rekordwert von 148 Milliarden Euro erreicht.

Große Unterschiede innerhalb Europas

Die baltischen Staaten, oft als Vorreiter digitaler Verwaltung gepriesen, schneiden im Bereich digitaler Souveränität nur leicht über EU-Durchschnitt ab: Estland (18,4), Lettland (16,63) und Litauen (16,1). Deutlich schlechter sieht es in Ländern wie Norwegen (6,35), Dänemark (6,5), Belgien (7,15), Spanien (7,01) und Italien (6,49) aus – allesamt Schlusslichter der Rangliste. Besonders Dänemark fällt auf, obwohl dort die Diskussion um digitale Souveränität seit Jahresbeginn intensiv geführt wird.

Europa müsse digitale Souveränität stärken, um Datenschutz und demokratische Kontrolle über die Infrastruktur zu sichern. Offene Standards und Open-Source-Technologien seien „für eine widerstandsfähige digitale Landschaft unverzichtbar“, kommentiert die dänische Datenethik-Expertin Pernille Tranberg. Auch Sebastian Raible von der European Open Source Business Association (APELL) fordert mehr offene technologische Souveränität, um Abhängigkeiten zu verringern und Innovation nachhaltig zu sichern. „Wir begrüßen den Digital Sovereignty Index, da er zeigt, wie die europäischen Länder in dieser Hinsicht abschneiden.“

Internationale Perspektive: USA und Kanada hinter EU-Durchschnitt

Außerhalb Europas erreichen weder das Vereinigte Königreich (9,21) noch Kanada (14,94) oder die USA (14,88) den EU-Durchschnitt. Die Debatte um digitale Unabhängigkeit scheint in diesen Ländern keinen großen Einfluss zu nehmen.

Besonders in den USA ist die Nutzung selbst gehosteter Werkzeuge nur in moderatem Umfang verbreitet und in bestimmten Bereichen wie Groupware, also E-Mail- und Kalenderdiensten, sogar ausgesprochen schwach. Der Report führt dies vor allem auf die starke Abhängigkeit von zentralisierten Cloud-Plattformen zurück, die den breiteren Einsatz datenschutzfreundlicher, selbst betriebener Infrastrukturen untergraben.

Methodik: Fokus auf selbst gehostete Open-Source-Lösungen

Für den DSI hat Nextcloud am 28. Juli 2025 weltweit mehr als 7,2 Millionen Server untersucht, auf denen rund 50 populäre selbst gehostete Softwarelösungen laufen. Der Wert zwischen 0 und 100 gibt an, wie viele Implementierungen pro 100.000 Einwohner ein Land im Vergleich zu anderen im Index gelisteten Ländern aufweist. Der Fokus liegt auf der Verbreitung, nicht auf der Größe der Installationen. Damit bildet der Index vor allem Entscheidungen von Privatpersonen und KMU ab – weniger das Verhalten von Behörden und Großunternehmen. Die Ergebnisse des Digital Sovereignty Index mit interaktiver Grafik sind online abrufbar unter dsi.nextcloud.com. Der vollständige Report steht hier zur Verfügung.

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