Klassische Chatbots stoßen im B2B-Service schnell an ihre Grenzen. Entscheidend ist dabei eine Architektur, die Unternehmenswissen erschließt, multimodale Daten verarbeitet und operative Prozesse integriert. Denn B2B-Services stellen andere Anforderungen an Automatisierung.
Multi-Agenten-Systeme überwinden die strukturellen Grenzen klassischer Chatbots im B2B-Service.
Wenn Unternehmen künstliche Intelligenz (KI) im Kundenservice einsetzen, steht häufig der Chatbot im Mittelpunkt. Für standardisierte Anfragen wie Lieferstatus, Öffnungszeiten oder Passwort-Resets kann dieser Ansatz ausreichend sein.
Im B2B-Service zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild. Anfragen sind selten klar strukturiert und häufig technisch geprägt. Ein Techniker beschreibt ein Fehlerbild, ergänzt es um eine Seriennummer oder ein Foto und erwartet eine konkrete Einordnung. Damit verschiebt sich die Fragestellung. Es geht nicht mehr nur um die Automatisierung einzelner Interaktionen, sondern um die Abbildung vollständiger Serviceprozesse in gleichbleibender Qualität.
Warum Chatbots im B2B strukturell an Grenzen stoßen
Klassische Chatbots basieren auf Intent-Erkennung. Sie ordnen Anfragen definierten Kategorien zu und liefern darauf basierende Antworten. Dieses Prinzip funktioniert vor allem dann, wenn Anliegen klar formuliert und wiederkehrend sind. Im B2B-Kontext ist dies allerdings nur selten gegeben. Denn Anfragen spiegeln häufig mehrstufige Abläufe wider. Dazu gehören beispielsweise Fehleranalyse, Bauteilidentifikation, Verfügbarkeitsprüfung und die Ableitung geeigneter Maßnahmen. Solche Prozessketten lassen sich nur begrenzt über statische Klassifikationsmodelle abbilden.
Hinzu kommt, dass das notwendige Unternehmenswissen in der Regel verteilt ist. B2B-Serviceprozesse basieren auf einer Vielzahl unternehmensspezifischer Datenquellen, darunter Produktkataloge, technische Dokumentation, Wartungshistorien und Vertragsinformationen. Diese liegen meist in unterschiedlichen Systemen vor und sind nur teilweise strukturiert. Systeme, die primär auf Textindizes zugreifen, können diesen Kontext oft nicht vollständig erschließen. Das zeigt sich beispielsweise bei Ersatzteilanfragen, bei denen Bauteile im Freitext beschrieben werden. Unterschiedliche Bezeichnungen, Varianten oder Produktgenerationen erschweren eine eindeutige Zuordnung zusätzlich.
Ein weiterer entscheidender Punkt: Relevante Informationen liegen nicht ausschließlich in Textform vor. Ein erheblicher Teil der für die Bearbeitung notwendigen Inhalte existiert bereits in visueller Form – etwa als Screenshots, Fotos oder technische Zeichnung. Systeme, die ausschließlich Text verarbeiten, können diesen Kontext nicht berücksichtigen. In der Praxis zeigt sich, dass ein signifikanter Anteil der relevanten Informationen, häufig im Bereich von 40 bis 60 Prozent, über solche nicht textuellen Quellen transportiert wird.
Entsprechend verbessert die Einbeziehung visueller Daten die Qualität von Analysen und Zuordnungen deutlich. Multimodale Ansätze erreichen dabei in vielen Anwendungsfällen eine deutlich höhere Trefferquote bei der Identifikation von Komponenten oder Fehlerbildern als rein textbasierte Systeme, die diesen Kontext nicht einbeziehen.
Schließlich stellt auch die fehlende Integration in operative Prozesse eine klare Grenze dar. Denn viele Chatbots liefern Antworten, sind jedoch nicht in der Lage, nachgelagerte Prozesse auszuführen. Im B2B-Service umfasst eine vollständige Bearbeitung allerdings auch Schritte wie Ticket-Erstellung, Bestellprozesse oder Terminplanung. Ohne diese Integration bleibt Automatisierung auf einzelne Interaktionen beschränkt.
Multi-Agenten-Systeme: spezialisierte Komponenten für komplexe Prozesse
Vor diesem Hintergrund gewinnt zunehmend ein anderer Ansatz an Bedeutung: Multi-Agenten-Systemen. Statt eines monolithischen Systems arbeiten hier spezialisierte Komponenten zusammen, die jeweils klar definierte Aufgaben innerhalb eines Serviceprozesses übernehmen.
Dabei treffen einzelne Agenten fundierte Vorentscheidungen, die entweder direkt umgesetzt oder nahtlos an das Service-Team übergeben werden. Informationen aus verschiedenen Systemen werden strukturiert zusammengeführt, abgeglichen und nach Relevanz priorisiert. Ergänzend dazu identifiziert und bewertet das System automatisch die passenden Dokumente – etwa AGB, Produktbroschüren, Richtlinien oder interne Anweisungen –, sodass jede Entscheidung auf einer soliden Grundlage steht. Dieses Prinzip ist aus Microservice-Architekturen bekannt und lässt sich auch auf Serviceprozesse übertragen. Einzelne Funktionen können unabhängig voneinander entwickelt und angepasst werden.
Der zentrale Unterschied zu klassischen Ansätzen liegt im Umgang mit komplexem Wissen: Strukturierte Daten werden direkt über Schnittstellen abgefragt, unstrukturierte Inhalte kontextuell eingebunden und visuelle Informationen in die Analyse integriert. Durch die Anbindung an operative Systeme lassen sich daraus unmittelbar Aktionen ableiten – etwa das Anstoßen von Prozessen oder die Aktualisierung von Statusinformationen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Praxisbeispiel: automatisierte Statusabfragen
Ein typisches Praxisbeispiel ist die automatisierte Bearbeitung von Statusabfragen. Eine Komponente identifiziert dabei die Bestellung, eine weitere greift auf ERP- und Logistiksysteme zu und ermittelt den aktuellen Status. Anschließend wird eine kontextbezogene Antwort generiert.
In der Praxis lassen sich solche Anfragetypen zu einem großen Teil automatisiert bearbeiten. Gerade bei standardisierten Prozessen wie Statusabfragen sind Automatisierungs-Quoten von deutlich über der Hälfte der Fälle realistisch, ohne die Qualität der Rückmeldung zu beeinträchtigen.
Die Bewertung von KI-Lösungen erfolgt häufig anhand einzelner Funktionen. Diese Betrachtung berücksichtigt jedoch nicht, wie diese Funktionen im Gesamtsystem zusammenwirken. Entscheidend ist, ob sich daraus ein durchgängiger Prozess ergibt.
Eine belastbare Architektur muss daher in der Lage sein, komplexe Serviceprozesse zu orchestrieren, sodass einzelne Schritte von der Analyse bis zur Ausführung im Zusammenspiel verarbeitet werden. Gleichzeitig sollte die zugrunde liegende Logik unabhängig vom jeweiligen Kommunikationskanal funktionieren, sodass unterschiedliche Kanäle auf dieselbe Servicearchitektur zugreifen und der Kontext konsistent bleibt.
Ebenso erforderlich sind klare Entscheidungsregeln: Welche Vorgänge werden automatisiert, wann ist eine Eskalation notwendig? Ergänzend dazu ist die Messbarkeit auf Prozessebene entscheidend. Erst Kennzahlen wie Beratungszeiten, Automatisierungsgrad oder Eskalations-Quoten ermöglichen eine fundierte Bewertung der Leistungsfähigkeit.
Im B2B-Service lassen sich klassische Chatbot-Ansätze also nur begrenzt erweitern, um komplexe Anforderungen abzudecken. Die notwendige Kombination aus Kontextverständnis, Zugriff auf verteiltes komplexes Wissen und Integration in operative Prozesse erfordert vielmehr einen architektonischen Ansatz.
Multi-Agenten-Systeme bieten hierfür eine geeignete Grundlage. Sie ermöglichen es, unterschiedliche und komplexe Wissensquellen zusammenzuführen und Serviceprozesse durchgängig zu unterstützen. Für IT-Entscheider ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: KI im Kundenservice ist weniger eine Frage einzelner Funktionen als eine Entscheidung über die zugrunde liegende Architektur.
* Der Autor Oliver Trabert ist CTO bei Octonomy. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung als CTO in Digitalunternehmen und Unicorns. Er hat IT-Organisationen mit bis zu 300 Mitarbeitenden aufgebaut und skaliert. Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung KI-basierter Strategien und Produkte. Zudem ist er als Redner zu KI-Themen aktiv und arbeitet unter anderem mit dem Fraunhofer-Institut zusammen. Darüber hinaus hat er mehrere IBM Redbooks veröffentlicht.