AI Control Tower ServiceNow holt KI-Agenten aus der Blackbox

Von Elke Witmer-Goßner 5 min Lesedauer

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Beim ServiceNow AI Summit für die DACH-Region in München stand eine neue Phase der Unternehmens-KI im Mittelpunkt: KI verlässt die Experimentierphase und hält Einzug in produktive Abläufe. Jetzt hilft der Integrations­spezialist Unternehmen dabei, ihre KI-Agenten und -Anwendungen zu erfassen, zu überwachen und zu steuern.

Wo früher Lokomotiven gewartet wurden, trifft sich heute die KI-Branche: Mehr als 550 Gäste kamen zum ServiceNow AI Summit in der Motorworld München auf dem Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerks Freimann, das bis 1995 in Betrieb war.(Bild:  ServiceNow)
Wo früher Lokomotiven gewartet wurden, trifft sich heute die KI-Branche: Mehr als 550 Gäste kamen zum ServiceNow AI Summit in der Motorworld München auf dem Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerks Freimann, das bis 1995 in Betrieb war.
(Bild: ServiceNow)

Vom KI-Pilot in den Arbeitsalltag

„KI ist in der Anwendung angekommen“ – dieser Tenor zog sich durch die Keynote, unter anderen von Philip Carter, GVP Corporate Strategy, gehalten. Mehr als 550 Gäste waren gekommen, um mehr über konkrete Einsatzfälle und den geschäftlichen Nutzen von künstlicher Intelligenz (KI) zu erfahren. Auch der Maturity Report 2026 (siehe Kasten) unterstreicht: Für Unternehmen geht es zunehmend darum, künstliche Intelligenz nicht nur in Pilotprojekten zu erproben, sondern verlässlich in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Enterprise AI Maturity Index 2026

Investitionen steigen, Skalierung hinkt hinterher.

Deutsche Unternehmen haben ihre KI-Ausgaben laut ServiceNow-Studie im Jahresvergleich um 118 Prozent erhöht. Der Reifegrad stieg von 34 auf 52 von 100 Punkten. Doch der Sprung in den produktiven, unternehmensweiten Einsatz bleibt schwierig: Während 58 Prozent bereits agentische KI nutzen, haben nur 11 Prozent damit durchgängige autonome Workflows etabliert; funktionsübergreifend skaliert sind KI-Agenten laut Studie erst bei 7 Prozent. Als Bremsen nennen Unternehmen vor allem Defizite bei Daten und Governance: 72 Prozent sehen Datenqualität, -zugriff oder -management als Hürde, nur 16 Prozent verfügen über etablierte KI-Test-, Audit- und Risikoprozesse.

Die Ergebnisse passen zur Botschaft des Münchner Summits: Mehr KI-Investitionen allein garantieren noch keinen Geschäftswert. Entscheidend sind integrierte Abläufe, belastbare Datengrundlagen und Governance. Für den Index befragte ThoughtLab im Auftrag von Servicenow mehr als 4.500 Führungskräfte in 19 Ländern, darunter 250 in Deutschland.

Die Beispiele aus der Keynote reichten von der automatisierten Bearbeitung von IT-Anfragen bis zu Anwendungen im Kunden- und Beschäftigtenservice. Als Größenordnung für die bevorstehende Entwicklung verwies der Vortrag auf eine IDC-Prognose, der zufolge bis 2029 weltweit eine Milliarde KI-Agenten in Unternehmen produktiv sein könnten. Mit wachsender Zahl steigt allerdings auch die Herausforderung: Wo laufen Agenten? Auf welche Daten und Systeme greifen sie zu? Halten sie Vorgaben ein – und liefern sie tatsächlich den erhofften Nutzen?

AI Control Tower: Inventar, Monitoring und Governance an einem Ort

Hier setzt der ServiceNow AI Control Tower an. Er soll eine zentrale Sicht auf die KI-Landschaft eines Unternehmens schaffen – von Agenten und Modellen bis zu weiteren KI-bezogenen Ressourcen, auch wenn diese außerhalb der ServiceNow-Plattform betrieben werden. Ziel ist, KI-Anwendungen nicht als isolierte Einzellösungen zu betrachten, sondern sie über ihren Lebenszyklus hinweg zu verwalten.

In einer Produktdemonstration ließ sich ein Agent zunächst nach seinem Geschäftswert auswählen. Für einen Agenten, der Beschäftigten hilft, freigegebene Richtlinien in verschiedenen Ländern zu finden, zeigte die Beispielansicht eine prognostizierte Zeitersparnis von 10.800 Stunden pro Jahr. Anschließend führte die Demo vom Agenten-Eintrag zum laufenden Monitoring: Verantwortliche konnten Qualitäts- und Sicherheitswerte prüfen, einzelne Beschäftigten-Sitzungen aufrufen und nachvollziehen, welche Schritte der Agent ausgeführt und welche Informationen er verwendet hatte.

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Bildquelle: ServiceNow

Unternehmen brauchen KI, die denkt, verbunden mit Workflows, die handeln – mit Kontext, Governance und der Fähigkeit, Arbeit im gesamten Unternehmen
sicher abzuschließen.

Philip Carter, GVP, Corporate Strategy, ServiceNow

Das Beispiel machte den Anspruch der Plattform deutlich: Nicht nur ein aggregierter Score soll sichtbar sein, sondern auch die dazugehörigen Abläufe und Nachweise. So können Teams Auffälligkeiten untersuchen und Verbesserungen anstoßen, ohne den Betrieb als „Black Box“ hinnehmen zu müssen.

Zum Governance-Blick gehören außerdem Risikoklassifizierung, anwendbare Kontrollen und mögliche Lücken gegenüber Regelwerken und Standards wie dem EU AI Act, dem NIST AI Risk Management Framework und ISO/IEC 42001. Daneben soll der AI Control Tower Leistungskennzahlen und Geschäftswert zusammenführen – etwa Nutzung, KI-Aktionen, Einsparungen und Kosten. So wird Governance mit der Frage verbunden, ob eine Anwendung ihre Ziele in der Praxis tatsächlich erreicht.

Armis schafft Sicht auf KI-Nutzung und vernetzte Geräte

Eine zentrale Voraussetzung für wirksame Steuerung ist, zunächst zu wissen, was im Unternehmen überhaupt vorhanden und aktiv ist. Hier kommt Armis ins Spiel, dessen Übernahme ServiceNow als wichtige Ergänzung der Plattform einordnete.

Armis ist auf die Erkennung und Absicherung vernetzter Geräte spezialisiert – auch solcher, auf denen sich keine herkömmliche Sicherheitssoftware installieren lässt, wie Geräte in der Produktion oder Gebäudetechnik. Die Plattform gewinnt dafür Einblick in den Netzwerkverkehr und kann so Geräte, Verbindungen und die Nutzung von Diensten sichtbar machen. Über die Integration mit ServiceNow lassen sich Erkenntnisse mit dem Inventar und dem Geschäftskontext der Plattform verknüpfen. Das kann beispielsweise helfen, zugelassene KI-Dienste von möglicher „Shadow AI“ zu unterscheiden und auch KI-Nutzung auf nicht verwalteten Geräten aufzuspüren.

Die technische Logik dahinter: Netzwerk- und Asset-Daten ergänzen die Informationen, die Unternehmen aus ihren eigenen Systemen beziehen. Erst wenn KI-Dienste, Geräte, Identitäten und Zuständigkeiten auffindbar sind, können Verantwortliche die Nutzung bewerten, Risiken zuordnen und passende Maßnahmen einleiten. Die Übernahme bringt diese Sichtbarkeit in ServiceNows Plattformumfeld; sie ersetzt jedoch nicht die nötige Konfiguration und Governance im jeweiligen Unternehmen.

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Bundesliga baut Partnerschaft mit ServiceNow aus

Die Bundesliga hat ServiceNow beim AI Summit in München als „Offiziellen CRM Partner“ vorgestellt. Damit erweitert der Anbieter seine bestehende Rolle als offizieller Workflow Partner.

Seit August bündelt die Bundesliga sieben digitale Fan-Kanäle – darunter App, Website, E-Mail und Social Media – auf einer ServiceNow-Plattform. Nach Angaben der Bundesliga werden inzwischen 89 Prozent der Fan-Anfragen beim Erstkontakt gelöst; zugleich sei das Fallaufkommen im Vergleich zur Vorsaison um mehr als die Hälfte gesunken. Automatisierte Antworten aus einer zentralen Wissensdatenbank fangen Routineanfragen ab, während Service-Teams bei komplexeren Fällen KI-gestützte Zusammenfassungen und Antwortvorschläge erhalten.

Die Partner planen, die Plattform über den Fan-Service hinaus auf weitere Abläufe mit Clubs, Dienstleistern und Partnern auszuweiten.

Noris Network als „Sovereign Partner Cloud Provider“ zertifiziert

Auf dem Rennsimulator traten Summit-Gäste gegeneinander an – ServiceNow ist offizieller KI-Partner des Lidl-Trek-Radsportteams.(Bild:  ServiceNow)
Auf dem Rennsimulator traten Summit-Gäste gegeneinander an – ServiceNow ist offizieller KI-Partner des Lidl-Trek-Radsportteams.
(Bild: ServiceNow)

Zur Governance gehört neben der Kontrolle der KI-Systeme auch die Frage, in welcher Infrastruktur sie betrieben werden und wo Daten verarbeitet werden. Für regulierte Organisationen bietet ServiceNow dafür gemeinsam mit Noris Network eine souveräne Cloud-Option: Der Nürnberger IT-Dienstleister ist als „Sovereign Partner Cloud Provider“ zertifiziert und hostet die ServiceNow AI Platform in eigenen Rechenzentren in Deutschland. Kundendaten und KI-Workflows können damit innerhalb einer lokal verwalteten Infrastruktur gespeichert und betrieben werden; auch der technische Support erfolgt vor Ort. Die Partnerschaft soll Unternehmen und Behörden mehr Spielraum geben, KI einzusetzen und zugleich Anforderungen an Datenhoheit und Compliance zu berücksichtigen.

Fazit: Produktiver Einsatz braucht Kontrolle und Iteration

Die Botschaft in München war nicht, dass Agenten ohne Weiteres autonom arbeiten sollten. Vielmehr müssen Unternehmen geeignete Abläufe auswählen, Daten und Zuständigkeiten klären, Leitplanken festlegen und Ergebnisse laufend überprüfen. Der AI Control Tower soll dafür die Übersicht und Nachvollziehbarkeit liefern, damit Unternehmen ihre KI-Nutzung skalieren können, ohne Sicherheit, Compliance und messbaren Geschäftswert aus dem Blick zu verlieren.

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